Neue Job-Chancen für Pflegekräfte

Pressemitteilung vom 20.07.2004
EU-Maßnahme bietet arbeitslosen Krankenschwestern, Krankenpflegern sowie medizinisch-technischem Hilfs- und Pflegepersonal neue Chancen. Ambulante Pflege als neuer Einsatzbereich. Bundesweit einmaliges Projekt. Die einjährige Ausbildung beginnt am 1. Oktober 2004.

Sie hat Erfahrung darin, arbeitslose Frauen für den Arbeitsmarkt fit zu machen: Prof. Dr. Andrea Tannapfel, Wissenschaftlerin am Institut für Pathologie der Universität Leipzig. Mit ihrem Programm zur Qualifizierung arbeitsloser Akademikerinnen verhalf sie rund 40 Medizinerinnen und Naturwissenschaftlerinnen zu neuen Arbeitsplätzen. Jetzt hat sie ein neues EU-Projekt in Höhe von 430.000 Euro nach Leipzig geholt: die Anpassungsqualifizierung von medizinischen Pflege- und Heil- sowie Assistenzberufen.

Der Hintergrund: Das deutsche Gesundheitswesen geht neue Wege. Dazu gehören kürzere Verweilzeiten in den Kliniken und die Umstellung auf ambulante Operationen. Das geht einher mit einer Freisetzung von Pflegekräften, die das ohnehin vorhandene Überangebot von Pflegekräften im Osten Deutschlands vergrößern. Allein in Sachsen betrifft das 900 Frauen und Männer. Andererseits besteht ein Mangel an qualifizierten Kräften für die personalintensive Pflege im häuslichen Bereich. Man geht davon aus, dass hier eine Zunahme von bis zu 15 Prozent jährlich zu erwarten ist.

Die häusliche Pflege erfordert neben den grundlegenden Pflegetechniken Kenntnisse, die therapeutisch, sozial und wirtschaftlich an die veränderten Strukturen der Gesellschaft und des Gesundheitswesens angepasst sind. "Es genügt nicht mehr, ein gutes Herz und ein freundliches Gemüt zu haben.", erklärt Prof. Tannapfel. "Wer in der ambulanten Pflege arbeiteten will, muss sein neues Betätigungsfeld genau kennen, angefangen bei den sozialen Verhältnissen der Patienten und ihrer speziellen Bedürfnisse bis hin zu den betriebswirtschaftlichen Prozessen als Voraussetzung für das Bestehen am Arbeitsmarkt."

Damit könne man quasi zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Einmal käme man damit den neuen Bedürfnissen einer älter werdenden und mit den vorhandenen Ressourcen sparsamer umgehenden Gesellschaft entgegen, zum anderen gäbe man damit hochqualifizierten arbeitslosen Pflegekräften eine Chance, ihren Platz in der Arbeitswelt zu finden. Die Qualifizierung könne sogar als Grundlage zur Existenzgründung von Dienstleistungsfirmen im Bereich der ambulanten Pflege dienen.

Gemeinsam mit der Pflegedienstdirektorin des Universitätsklinikums Leipzig, Diplomkrankenschwester Marlies Friedrich, wurde deshalb ein umfassendes Qualifizierungsprogramm erarbeitet, dass die vorhandenen Kenntnisse zur Krankenpflege theoretisch und praktisch vertieft und erweitert. Darin eingeschlossen sind spezielle Maßnahmen für die häusliche Krankenpflege, einschließlich Pharmakologie, Toxikologie, aber auch Dokumentation, Abrechnung, Controlling sowie Ethik, Recht, Psychologie und Soziologie. Im Mittelpunkt steht dabei der alte und schwerstkranke Mensch. Dieser vier Monate umfassenden theoretischen Ausbildung schließt sich eine achtmonatige praktische Ausbildung an, die die KursandIn in verschiedenen Einrichtungen absolviert. Dabei soll sie möglichst verschiedene Formen der ambulanten Patientenbetreuung kennen lernen. Während der Kurszeit erhalten die Teilnehmer eine kleine Tagespauschale, mit der anfallende Kosten abgedeckt werden sollen.

Frauen und Männer, die über eine Ausbildung in einem Pflege-, Heil- oder Assistenzberuf verfügen, können sich für die beschriebene Qualifizierungsmaßnahme bewerben.