"Zähneknirschern" kann geholfen werden

Pressemitteilung vom 11.06.2004
Tagungsbestpreis für Wissenschaftler der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde für die Verbesserung von Zahnschienen, mit denen Zähneknirschen und -pressen erfolgreich behandelt werden kann.

Muskuläre Verspannungen im Kopf- und Nackenbereich gehen oft einher mit Zähneknirschen und -pressen. Ursache oder Wirkung ist nicht immer klar und für den Betroffenen zweitrangig. Helfen kann ein vom Zahnarzt angepasster Kunststoffüberzug, der fachsprachlich Okklusionsschiene heißt. Diese wird auf die Zähne aufgebracht und verhindert das Zähneknirschen dadurch, dass sie die Aktivität der Muskeln und damit die Überlastung senkt.

Für eine Okklusionsschiene nimmt der Zahnarzt einen Abdruck der oberen und unteren Zahnreihe des Patienten und stellt ein Modell sowie ein Registrat her, um den Zusammenbiss der Zahnreihen zu kennzeichnen. Das ist die Grundlage der Okklusionsschiene für eine der Zahnreihen, die genau an die 2. Zahnreihe angepasst sein muss. Die Schiene muss gut und fest sitzen (Retention) und darf sich während des Gebrauchs nicht ändern, damit die Anpassung an die 2. Zahnreihe (Okklusion) erhalten bleibt.

Üblicherweise stellt der Zahntechniker Schienen für den Zahnarzt entweder aus Kunststoffpulver und -flüssigkeit her (Heiß- oder Kaltpolymerisation) oder aus erwärmter Kunststofffolie (thermoplastisches Verfahren). Der Patient kann den Unterschied in der Herstellung daran erkennen, ob die Schiene sich mit leichter Kraft verbiegen lässt (thermoplastisches Verfahren) oder nicht (Polymerisation). In den Augen der Zahnärzte galt das Retentionsvermögen von thermoplastisch hergestellten Schienen lange Zeit als unzureichend. Sie standen im Ruf, nach kurzem Gebrauch nur noch wenig auf den Zähnen zu halten. Da die Patienten diese Art der Schienen aber als angenehmer empfinden, entwickelte man in den letzten Jahren Materialien, die diesen Nachteil nicht mehr besitzen sollen. Aber ist es wirklich so?

Das Team um Prof. Thomas Reiber und Prof. Holger Jakstat von der Poliklinik für Prothetik und Werkstoffkunde der Universität Leipzig untersuchte in aufwändigen Testreihen, ob die Art der Schienenherstellung auf die Retention während der Tragezeit einen merkbaren Einfluss hat. Zu diesem Zweck wurde in einer CAD/CAM-Maschine das Aufsetzen und Abnehmen der Schiene möglichst wirklichkeitsnah vorgenommen.

Dazu gehört, dass die Alterung der Okklusionsschiene simuliert wird. Das erreichten die Wissenschaftler durch wechselnde Lagerung in einem stark erwärmten und einem abgekühltem Wasserbad, dem sog. Thermocycling. Anschließend wurde die Qualität der mit unterschiedlichen Verfahren hergestellten Schienen bezüglich der Retention verglichen. Das Ergebnis bestätigte die Ebenbürtigkeit der thermoplastisch hergestellten Schienen.

Auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde (DGZPW) überzeugte das Experiment, das von Thomas Nelle, einem jungen Wissenschaftler der Leipziger Poliklinik vorgetragen wurde, so sehr, dass es mit dem Tagungsbestpreis ausgezeichnet wurde. Die Qualitätsuntersuchungen laufen weiter. Jetzt wollen die Wissenschaftler klären, ob auch die "Okklusion", die Anpassung an die Gegenzähne, unabhängig von der Herstellungsvariante in der Tragezeit stabil bleibt.

Sollte auch dieses Ergebnis den Erwartungen entsprechen, könnten die Zahnärzte problemlos die als angenehmer empfundenen thermoplastisch hergestellten Okklusionsschienen anpassen.