Ist die Umweltmedizin ein Kampf gegen Windmühlenflügel?

Pressemitteilung vom 08.06.2004
Das Zentrum für Umweltmedizin, eine gemeinsame Einrichtung von Universität Leipzig und Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle, die in Deutschland einmalig ist, feiert sein 10jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass diskutieren wir einige gundsätzliche Fragen und stellen einige Projekte vor, die am Zentrum bearbeitet werden.

Allergien nehmen zu - werden die Menschen immer empfindlicher oder wird unsere Umwelt immer gefährlicher? Pilzsporen hinterm Regal, Lösungsmittel unterm Teppich, Stäube in der "frischen" Luft - wo lauern die Risiken? Keiner mag mehr ohne die Segnungen der Neuzeit leben - kämpfen Umweltmediziner deshalb gegen Windmühlenflügel? Fragen, denen wir un aus Anlass des 10jährigen Jubiläums des Zentrums für Umweltmedizin widmen.

  1. Umweltmedizin - Kampf gegen Windmühlenflügel? Ein Gespräch mit Professor Olf Herbarth, Leiter des Departments Expositionsforschung und Epidemiologie am Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle (UFZ), Direktoriumsmitglied des Umweltmedizinischen Zentrums und Ordinarius für Umwelthygiene (Umweltmedizin) an der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig.

  2. Schimmelpilzen auf der Spur: Schimmelpilze gehören zu den gefährlichsten Verursachern von umweltbedingten Krankheiten - und sie sind auf dem Vormarsch. Das Umweltmedizinische Zentrum Leipzig kann nicht nur deren Vorhandensein ermitteln. Mikrobiologen der Einrichtung entwickelten auch In-vitro-Modelle,
    welche die Wirkungsweise der Gifte aus den Pilzsporen sichtbar machen.

  3. Blick in die Luf. Ein Atemzug und ein ganzer Cocktail von Substanzen durchströmt die Lunge - darunter nicht wenige Schadstoffe. Welche das im konkreten Fall sind und wie konzentriert sie eingeatmet werden, kann das Labor für Humanexpositionsuntersuchungen im UMZ ermitteln und mit dem Umfeld des Patienten in Verbindung bringen.

  4. Schadstoffe im Organismus: Das Spektrum der Substanzen, die einen Patienten belasten können, ist riesig: Stoffwechselprodukte, die im Körper aus flüchtigen organischen Verbindungen gebildet werden, wie sie beim Renovieren oder Rauchen entstehen, Stoffwechselprodukte schwerer flüchtiger Verbindungen, Pilzgifte... Für eine gezielte Behandlung ist jedoch nötig, genau zu wissen, welche Substanzen in welcher Konzentration aufgenommen wurden. Im klinisch-chemischen Labor des Umweltmedizinischen Zentrums können durch Biomonitoring klare Aussagen getroffen werden.

  5. Umweltmedizinische Ambulanzen sind Anlaufpunkt für Ratsuchende: In der Umweltmedizin liegen Vermutung und Gewissheit, Ursache und Wirkung oft weit voneinander entfernt. Ist der Verdacht entstanden, gesundheitliche Probleme könnten von Umweltbelastungen hervorgerufen sein, gehen die umweltmedizinischen Ambulanzen den Beschwerden auf den Grund.

  6. Was gefährdet die Kinder wirklich? Sichere Aussagen zu Wechselwirkungen von Umweltfaktoren und Gesundheit kann die Wissenschaft nur treffen, wenn beweiskräftige Studien mit Hunderten oder gar Tausenden Probanten vorliegen. Im Leipziger Umweltmedizinischen Zentrum laufen zumeist mehrere solcher Studien, teilweise über viele Jahre. Deshalb kann das UMZ die realen Gefahren zunehmend beim Namen nennen.

Susanne Hufe