Endlich schwanger

Pressemitteilung vom 08.04.2004
Mit Hilfe der assistierten Reproduktion werden viele Paare doch noch glückliche Eltern. Was man tun kann und was jetzt anders ist, erklärt Prof. Dr. Henry Alexander, Leiter des Bereiches Gynäkologische Endokrinologie und Sexualmedizin an der Universitätsfrauenklinik.

Wenn ein verheiratetes Paar (das wird vom Gesetzgeber ausdrücklich verlangt) nach einem Jahr ungeschützten Geschlechtsverkehrs nicht schwanger wird, kann es die Hilfe von Spezialisten in Anspruch nehmen, um mit Hilfe der sogenannten In Vitro Fertilisation (IVF) doch noch ein Baby zu bekommen.

In Vitro Fertilisation wird oft fälschlicherweise als künstliche Befruchtung bezeichnet. "Was wir aber tun", so Prof. Alexander ist lediglich eine assistierte Reproduktion, bei der die Befruchtung außerhalb des Mutterleibes erfolgt." Dazu werden die Eierstöcke hormonell stimuliert, die Eizellen aus dem Körper der Frau entnommen und mit den Spermien des Ehemannes zusammen gebracht. Wenn die Spermien die Eizellen befruchtet haben, entstehen Embryonen, die der Arzt in die Gebärmutter zurückgibt. Läuft alles gut, wird die Frau schwanger und bringt am Ende ein gesundes Kind zur Welt.

Um die Sicherheit für die Befruchtung zu erhöhen, werden heute innovative Verfahren angewandt:

Die Untersuchung der Gebärmutterschleimhaut Mit dieser Methode kann man nach spezieller Aufbereitung das Schwangerschaftshormon hCG (humanes Chorion-Gonadotropin) im Blut nachweisen. Das hCG in der Gebärmutterschleimhaut wurde 1998 erstmals an der Universitätsfrauenklinik Leipzig nachgewiesen. Bisher nahm man an, dass dieses Hormon nur bei Schwangeren vorkommt. Das hCG wird in der IVF-Behandlung genutzt, um eine Implantation nach Embryotransfer zu prognostizieren.

Die Messung der Basaltemperatur mit Hilfe eines Ringes, der in der Scheide der Frau angebracht wird. Damit kann man über den gesamten Zyklus minütlich die Körperkerntemperatur messen. An dem entstehenden Temperaturmuster ist ablesbar, ob ein vollständiger Zyklus entsteht - Voraussetzung für eine Schwangerschaft. Die Leipziger Gynäkologen waren übrigens weltweit die ersten, die diese Methode anwandten.

Über neuronale Netze kann man anhand vieler Zyklen via PC einen aktiven Zyklus ermitteln.

15 Prozent aller Versuche führen am Ende zum ersehnten Wunschkind. "Das ist aber nicht anders als sonst", weiß Prof. Alexander. "Die Schwangerschaftswahrscheinlichkeit bezogen auf den Zyklus beträgt normalerweise 20 Prozent. Das entspricht ungefähr der Wahrscheinlichkeit durch IVF schwanger zu werden. Und nicht jede Schwangerschaft kann leider ausgetragen werden."
Nach einer In Vitro Fertilisation werden allerdings mehr Mehrlinge geboren als nach Schwangerschaften, die auf normalen Wege zustande kommen, weil der Arzt drei Embryonen gleichzeitig implantiert, um die Chance auf eine Schwangerschaft zu erhöhen. "Unser Ziel ist es aber", so Prof. Alexander "dass die Frau nur mit einem Kind schwanger wird."

Prof. Alexander gibt auch zu bedenken, dass nicht jedem kinderlosen Paar so geholfen werden kann. Ob es möglich ist oder nicht, hängt von den Ursachen der Kinderlosigkeit ab: Gestörte Eileiterdurchlässigkeit, ungünstige Lage der Gebärmutter, Krankheiten wie Endometriose oder Myome bei der Frau oder mangelnde Spermienbeweglichkeit, zu wenig befruchtungsfähige Spermien bzw. Spermientransportstörungen beim Mann sind mögliche Indikationen für eine IVF.

Erhebt sich die Frage, ob durch die Gesundheitsreform die IVF überhaupt noch von den Kassen getragen wird. "Die Kassen übernehmen die Bezahlung jetzt leider nur noch zur Hälfte", erklärt Prof. Alexander. Das sind ca. 1.300 Euro, die anderen 1.300 Euro müssen die Paare selber zahlen. Außerdem dürfen nur noch drei Versuche vorgenommen werden, nicht mehr wie bisher vier.

Im übrigen lädt der Direktor der Universitätsfrauenklinik Leipzig, Prof. Dr. Dr. Michael Höckel, am 17. April 2004, von 10:00 bis 15:00 Uhr, zu einem Tag der offenen Tür in sein Haus in der Philipp-Rosenthalstraße 55 ein. Besichtigt werden können Stationen, Kreißsaal, OP-Säle und Labore.