Der Eid des Hippokrates

Pressemitteilung vom 23.03.2004
Was hat Hippokrates mit dem nach ihm benannten Eid zu tun? Wie wurde der Eid in verschiedenen Epochen kodifiziert und interpretiert? Was bedeutet er für die moderne Medizin? - Fragen, denen die Historikerin und der Mediziner nachgehen. Zu hören in der Buchmesseakademie.
Zeit 28. März 2004, 11:00 Uhr
Ort Neue Messe Leipzig
Halle 3, Stand C 211
Messeallee 1

Im neugegründeten Verlag "Antike" erscheint im II. Quartal 2004 "Der Eid des Hippokrates" von Prof. Charlotte Schubert, Professorin für alte Geschichte und Prorektorin für Studium und Lehre an der Universität Leipzig. Das Buch beschäftigt sich mit der Geschichte des hippokratischen Eides und seiner Nachwirkung bis in die Gegenwart hinein. Gemeinsam mit dem Mediziner Prof. Wieland Kiess, Dekan der Medizinischen Fakultät und Direktor der Universitätsklinik für Kinder und Jugendliche, behandelt die Autorin das Thema unter historisch-theoretischem und zeitgeschichtlich-praktischem Aspekt auf der Buchmesseakademie. Verbindendes Element ist die ethische Dimension des ärztlichen Handelns. Angesprochen sind HistorIkerinnen und MedizinerInnen ebenso wie interessierte Laien.

Für den Laien dürfte es zunächst einmal interessant sein, dass der Hippokratische Eid nicht von Hippokrates stammt, sondern dass der berühmte griechische Arzt der Antike des 5./4. Jahrhunderts v. Chr. lediglich herhalten musste für eine Sammlung medizinischer Schriften namens Corpus Hippocraticum, zu denen auch der sogenannte Eid des Hippokrates gehörte. Der Eid wurde, angepasst an die Zeiten, verschiedentlich variiert, sein ethisches Programm blieb erhalten: die über allem stehende Wertschätzung des menschlichen Lebens. Das Ideal des Arztes leitet sich nach wie vor daraus ab; die Medizinische Fakultät der Universität Leipzig trägt dem Rechnung, indem die angehenden Mediziner mit einer modernen Fassung des Eides von ihrer Ausbildungsstätte verabschiedet werden.

Einzelne Textvarianten in ihrem historischen Kontext stellt Prof. Schubert vor. Mit regelrechtem Vergnügen kann man verfolgen, wie manche Formel abgelöst oder verändert wurde, z. B. das Verbot zu "schneiden" und die ursprünglich vorhandene Verpflichtung zur Geheimhaltung des medizinischen Wissens. Im 1949 vom Weltärztebund beschlossenen Genfer Gelöbnis liest sich letzteres so: "Ich werde alle mir anvertrauten Geheimnisse wahren." - eine Anmahnung der ärztlichen Schweigepflicht.

Der Mediziner Kiess berichtet aus der täglichen praktischen Arbeit des Arztes, der immer wieder Entscheidungen treffen muss, die nicht selten über Leben und Tod seiner Patienten entscheiden. Er spart wahre Begebenheiten ebenso wenig aus wie das Dilemma, in dem sich der Arzt manchmal befindet, wenn er an die Grenzen seiner Heilkunst kommt. Auch das Problem der "Entlohnung" der ärztlichen Tätigkeit kommt zur Sprache, das noch nie auch vor dem Ärztestand Halt gemacht hat und angesichts einer zunehmenden Orientierung auf das Pekuniäre besondere Bedeutung erhält.