Spannendes rund ums Hören

Pressemitteilung vom 04.03.2004
Hörforschung in Deutschland: Wozu ist sie da? Was wird getan? Was ist erreicht? - Die 7. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie (DGA) in Leipzig bietet den Experten aus Medizin, Wissenschaft und Wirtschaft ein Forum für die Diskussion neuester Ergebnisse der Hörforschung.
Zeit 10. März 2004 bis 13. März 2004
Ort Hörsaalgebäude am Augustusplatz

Die Tagung liegt in den Händen von Prof. Dr. Rudolf Rübsamen (Universität Leipzig, Fakultät für Biowissenschaften, Pharmazie und Psychologie, AG Neurobiologie) und Prof. Dr. Dr. Birger Kollmeier (Universität Oldenburg, Medizinische Physik, Präsident der DGA). Das Spektrum der behandelten Themen ist breit gefächert. Es umfasst theoretische Grundlagen der Hörforschung ebenso wie medizinisch orientierte Probleme der Diagnose und Therapie von Hörstörungen sowie die Ansätze zur Verbesserung der Qualität technischer Hörhilfen.

Letzteres ist auch für die Öffentlichkeit von großem Interesse. 15 Millionen Menschen in Deutschland haben eine behandlungswürdige Hörstörung. 15 Millionen Menschen können nicht oder nicht mehr uneingeschränkt kommunizieren, Musik hören oder Tätigkeiten ausüben, die gutes Hören erfordern. Prof. Kollmeier wird über moderne Hörhilfen sprechen, die "wahre High-Tech-Computer sind, und die einen Schwerhörigen auch im Sinfoniekonzert nicht zwangsläufig im Stich lassen". Er erklärt, wie das möglich ist, und wie die Hörhilfen immer besser dem individuellen Hörsystem des Betroffenen angepasst werden können.

Was macht unseren Hörsinn so empfindlich? Welche Ursachen kann eine Hörstörung haben, und wie kann ich sie erkennen? Wie unser Hörsystem funktioniert und welche Methoden es gibt, um ihm immer besser auf die Spur zu kommen, darüber spricht Prof. Rübsamen.

Eine besonders angenehme Leistung unseres Hörsinns sind das Hören und die Empfindung von Musik. Der Professor für Musikphysiologie und Musikermedizin Eckart Altenmüller von der Hochschule für Musik und Theater Hannover stellt das Thema Hören von Musik vor. Der Wissenschaftler erforscht die zentralnervöse Verarbeitung von Musik und die Sensomotorik des Musizierens. Seine Ausführungen dürften schon deshalb besonders interessant sein, weil er als Mediziner und ausgebildeter Musiker die Musik und das Musizieren sowohl von der Seite desjenigen erfassen kann, der Musik macht und Musik hört, aber auch die Hirnprozesse untersuchen kann, die im Zusammenhang mit beiden Aspekten der Musik stehen.

Kinder, die mit Hörstörungen zur Welt kommen, haben immer auch Sprachprobleme. Schon in den ersten Lebensmonaten werden die Grundlagen für das Sprechen gelegt und die vielfältigen Verschaltungen des Hörsinns im Gehirn des Kleinkindes geknüpft. Hörstörungen möglichst frühzeitig zu erkennen ist deshalb die Voraussetzung für die Bereitstellung spezifischer Hilfsmitteln, die eine weitgehend ungestörte Sprachentwicklung möglich machen und dem jungen Menschen die Chance für ein normales Leben bieten. Ein Hörscreening für Neugeborene mit einer anschließenden adäquaten Frühversorgung könnte das gewährleisten. Darüber spricht Ekhart Rampe vom Forum Besser Hören.

Prof. Altenmüller nutzt übrigens die sehr gute Akustik des Kleinen Saales des Gewandhauses am 11. März 2004, 19:00 Uhr für seinen öffentlichen Abendvortrag zum Thema "Vom Neanderthal in die Philharmonie: Musizieren als Neuroplastizitätsphänomen".