Rezeptorensystem mit PET im lebenden Menschen dargestellt

Pressemitteilung vom 15.12.2005
Den Young Investigator Award der weltweit größten und bedeutendsten nuklearmedizinischen Fachgesellschaft, Society of Nuclear Medicine erhielt jetzt Dr. med. Kai Kendziorra von der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin der Universität Leipzig für seine Darstellung von nikotinischen Acetylcholinrezeptoren bei Demenzerkrankungen mittels Neuro-PET.

Bei der Alzheimerschen Krankheit sind sogenannte nikotinische Acetylcholinrezeptoren, hier besonders der Subtyp alpha4beta2, vermindert. Diese Rezeptoren sind gewöhnlich im Gehirn weit verbreitet und spielen eine große Rolle für Aufmerksamkeit und Lernen. Fehlen sie, kommt es zu kognitiven Störungen wie wir sie z. B. von der Alzheimerschen Erkrankung kennen. Bisher konnte der Rezeptorenschwund erst post mortem, also nach dem Tode durch Autopsie nachgewiesen werden. Am lebenden Menschen war die Darstellung des Rezeptorensystems bisher nicht genügend spezifisch möglich.

"Das große Verdienst von Dr. Kai Kendziorra und dem Neuro-PET-Team (bestehend aus Ärzten, Radiochemikern, Modeling-Spezialisten, Physikern sowie Medizinisch- und Chemisch- Technischen Assistenten) aus meiner Klinik ist es, eine Möglichkeit gefunden zu haben, diese Rezeptoren am lebenden Menschen, insbesondere auch bei Patienten mit durchblutungsbedingten eingeschränkten kognitiven Leistungen, darzustellen", erklärt Prof. Dr. Osama Sabri, Direktor der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin. "Ich hatte die Idee hierzu weltweit erstmalig auf dem 1. Weltkongreß für vaskuläre Demenz 1999 in Genf präsentiert. Dr. Kendziorra setzte nun den neuen Radioliganden 2-F18-FA85380, eine radioaktive biochemische Substanz, ein und konnte dann mit der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) diese Rezeptoren quantitativ im Gehirn erfassen."

Über 120 Patienten mit neurodegenerativen Erkrankungen wie Demenz oder Parkinson wurden so am PET-Zentrum der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin untersucht - ein weltweit einmaliger Rekord. Die Untersuchungen sind sehr aufwendig (dauern über sieben Stunden) und wurden in enger Kooperation mit den Kliniken für Psychiatrie, Prof. Dr. Hermann-J. Gertz, und Neurologie, Prof. Dr. Johannes Schwarz, durchgeführt. Im Ergebnis fanden die Forscher bei den Demenzpatienten im Vergleich zu Gesunden eine Verminderung des alpha4beta2 nikotinischen Acetylcholinrezeptors. Das betraf sowohl Alzheimer-Patienten als auch demente Patienten mit Durchblutungsstörungen im Gehirn (sog. "vaskuläre Demenz"). Die geringere Anzahl dieser Rezeptoren korrelierte eindeutig mit eingeschränkten kognitiven Leistungen. Darüber hinaus deutet sich an, dass in primär nicht betroffenen Hirnregionen zusätzliche Rezeptoren ausgebildet werden könnten.

Die Society of Nuclear Medicine würdigte die Leistungen von Dr. Kai Kendziorra mit dem Young Investigator Award.