Leipziger Chemiker vergeben erstmals Burkhardt-Helferich-Preis

Pressemitteilung vom 08.12.2005
Auf dem 2. Leipziger Symposium zu Fortschritten in Chemie, Biologie und Medizin verleiht das Institut für Organische Chemie der Universität Leipzig erstmals den Burckhardt-Helferich-Preis für Bioorganische Chemie. Preisträger sind namhafte Chemiker aus Deutschland und der Schweiz.
Zeit 09. Dezember 2005, 08:45 Uhr
Ort Arthur-Hantzsch-Hörsaal
der Fakultät für Chemie und Mineralogie
Johannisallee 29

Das Programm des 2. Leipziger Symposium "Advances in Chemistry, Biology and Medicine" wird getragen von den Preisträgern, die mit Vorträgen zu ihren Arbeitsgebieten vertreten sind. Die drei Preisträger sind:

  • Prof. Dr. Konrad Sandhoff, Universität Bonn
  • Prof. Dr. Horst Kessler, TU München und
  • Prof. Dr. Francois Diederich, ETH Zürich.
Der Namensgeber Burkhardt Helferich

Der Preis ist benannt nach dem organischen Chemiker Burkhardt Helferich, der als Nachfolger von Arthur Hantzsch von 1930 bis 1945 Direktor des Chemischen Institutes an der Universität Leipzig war, und dem die erste Synthese eines freien Disaccharids (der Gentiobiose) gelang. Zudem ist er ein Beispiel für den Prototypen des Wissenschaftlers, der mit Methoden der Organischen Synthese biologische Probleme angeht. Von Leipzig ging Helferich nach Bonn, wo er zuletzt Rektor der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität war, bevor er Ende der 50iger Jahre Präsident der Gesellschaft Deutscher Chemiker wurde. 1982 starb Helferich 95jährig in Bonn.

Die Idee, einen Burkhardt-Helferich-Preis von Seiten der Fakultät für Chemie und Mineralogie zu vergeben, hatte der Leipziger Professor für Organische Chemie und Bio- und Medizinische Chemie, Athanassios Giannis, der erst Chemie und dann Medizin in Bonn studiert hatte und Prof. Helferich noch persönlich kannte. "Verblüfft hat uns jüngere Kollegen die Vitalität des Wissenschaftlers, der noch mit 90 Jahren im Schwimmbad vom 10-Meter-Brett sprang.", erinnert sich Prof. Giannis. "Namensgeber für den neuen Preis wurde Burkhardt Helferich wegen seiner persönlichen Integrität und seines hohen Ansehens als Wissenschaftler, der nach dem Krieg wesentlich dazu beigetragen hatte, die Beziehungen der deutschen Chemiker zu den europäischen und Überseechemikern zu normalisieren."

Dieser internationalen Komponente trugen die Jury auch bei der Auswahl der Preisträger Rechnung. Neben den zwei Deutschen Konrad Sandhoff und Horst Kessler bekommt der gebürtige Luxemburger und in der Schweiz arbeitende Francois Diederich den Burkardt-Helferich-Preis.

Konrad Sandhoff: Erklärte das Entstehen der Sandhoffschen Krankheit

Konrad Sandhoff ist einer der bekanntesten Biochemiker Deutschlands mit hoher internationaler Reputation. Ein Beleg dafür sind die zahlreichen Vortragseinladungen nicht nur in Deutschland, sondern auch im gesamten europäischen Raum, den USA und Japan. Er ist Mitglied mehrerer wissenschaftlicher Gesellschaften. Konrad Sandhoff hat bei der Erforschung der Synthese und des Abbaus von Glykolipiden Pionierarbeiten geleistet. Dabei handelt es sich um für biologische Regelmechanismen bedeutsame Komponenten an der Oberfläche von Zellen. In diesem Zusammenhang hat er auch das Entstehen einer Krankheit aufgeklärt die daraufhin nach ihm benannt wurde: Sandhoffsche Krankheit. Dabei handelt es sich um eine von mehreren, vererbbaren neurodegenerativen Krankheiten, bei denen es zur Speicherung von Sphingolipid-Stoffwechselprodukten in Nervenzellen kommt. Dafür wurde er bereits mehrmals ausgezeichnet.

Prof. Sandhoff spricht auf dem Symposium zum "Sphingolipidstoffwechsel und Membrandynamik".

Horst Kessler: Wegweisend bei der Entwicklung neuer Medikamente

Horst Kessler hat herausragende Beiträge zur Strukturaufklärung medizinisch bedeutsamer Makromoleküle mit Hilfe der Kernresonanz-Spektroskopie. Er gilt als weltweit führend in der Konformationsanalyse von Peptiden und Proteinen in Lösung. Kessler entwickelte neue NMR-Techniken und setzte sie zur Untersuchung der Struktur und Dynamik von Biomolekülen ein. Seine Arbeit eröffnete neue Einblicke in die Konformation und Aktivität natürlicher und synthetischer Peptide, insbesondere zyklischer Peptide. Speziell für die Entwicklung neuer Medikamente ist die Arbeit von Prof. Kesslers großer Bedeutung. Er ist einer der wenigen Chemiker die an der Universität forschen, die es erreicht haben einen klinisch wichtigen Wirkstoff zu entwickeln. Auch er wurde schon mehrfach ausgezeichnet.

Das Thema Prof. Kesslers auf dem Symposium ist: "Modified Selective Integrin Ligands for Cancer Therapy, Imaging and Coating of Implant Materials".

Francois Diederich: Entwickelt Wirkstoffe gegen Malaria

Francois Diederich' s Beiträge sind auf mehreren Gebieten zu finden: Fulleren-Chemie, neue Materialien, supramolekulare Nanosysteme, Medizinische Chemie und Molekulare Erkennung in der Chemie und Biologie. Eins seiner neuesten Gebiete betrifft die Entwicklung von Wirkstoffen gegen Malaria. Bei diesen handelt es sich um Blocker des Proteins Plasmepsin II, eine Protease des Parasiten, die beteiligt ist am Hämoglobin-Abbau durch den Malaria-Erreger. Diederich kann ebenfalls auf eine Reihe bedeutender Preise verweisen.

Prof. Diederich behandelt auf dem Symposium "Molekulare Erkennungsstudien mit biologischen Rezeptoren: Neue Ansätze zur Malaria-Therapie".