Jurist: Werbeverbot für Ärzte gelockert - Anpreisen weiterhin tabu

Pressemitteilung vom 01.12.2005
Einst war es für Ärzte tabu, sich im weißen Kittel fotografieren zu lassen, wollten sie nicht eine Beschwerde durch Kollegen oder eine Klage der Landesärztekammer riskieren. "Das Bundesverfassungsgericht hat in letzter Zeit viel erlaubt und erlauben müssen", sagt Prof. Dr. Bernd-Rüdiger Kern von der Juristenfakultät der Universität Leipzig. Fotos in der Berufskleidung seien rechtlich unbedenklich bei Klinikwerbung und wenn ein niedergelassener Mediziner für sich selbst wirbt. Bei produktbezogener Reklame sei es für Spalttabletten oder für Zahnbürsten, sind Fotos in der weißen Tracht unzulässig.

Auch im Internet dürfen Mediziner mittlerweile ihre Dienstleistungen wie spezielle Behandlungen (zum Beispiel Akupunktur) anbieten - ohne allerdings marktschreierisch zu wirken. "Anders als bei einem Autohändler darf es nicht anpreisend sein", sagt Kern über die die Grenzen des Gesetzgebers.

Auslöser für diesen Wandel waren Rechtsanwälte, die genauso wie niedergelassene Ärzte Freiberufler sind. Beide Berufsgruppen hatten Kern zufolge das gleiche Problem: die Konkurrenz war groß, aber es herrschte striktes Werbeverbot. Nur wenn ein neuer Partner in eine Anwaltsozietät aufgenommen wurde oder ein Arzt eine Urlaubsvertretung ankündigte, fand dies in der Presse seinen Niederschlag. Dem Einsatz der Rechtsanwälte sei es zu verdanken, dass dies nun Geschichte ist. "Allerdings finden sich auch heute noch kaum Anzeigen von Ärzten, was auch mit der Marktsituation zusammenhängt", sagt Kern. In immer mehr Orten werden Mediziner Mangelware, vor allem Fachärzte. Überfüllte Sprechstunden und ausgebuchte Terminkalender machten Werbung überflüssig.

tob