Erster examinierter "weiblicher Arzt" in Leipzig

Pressemitteilung vom 27.10.2005
Vor 150 Jahren wurde Dr. Hope Bridges Adams Lehmann geboren, die als erste Frau vor 125 Jahren ein medizinisches Staatsexamen in Deutschland ablegte, ermöglicht durch eine bemerkenswert vorurteilslose Professorenschaft in Leipzig. Mehr dazu erfährt man in der Ausstellung "Die Frau der Zukunft", die das Karl-Sudhoff-Institut der Universität Leipzig präsentiert.
Zeit 15. November 2005 bis 17. Februar 2006
Ort Operatives Zentrum (Foyer)
Universitätsklinikum
Liebigstraße 20

Als Hope Bridges Adams Lehmann 1880 als erste Frau das medizinische Staatsexamen in Deutschland ablegte, gab es die Bezeichnung "Ärztin" noch nicht. Man sprach vielmehr vom "weiblichen Arzt". Ausdruck der Situation war auch die 24 Jahre lang fehlende Anerkennung ihres Staatsexamens, die erst 1904 nachträglich erfolgte.

Leipziger Medizinprofessoren wollten Studienzulassung unabhängig vom Geschlecht

Als in der Nähe von London geborene Hope Bridges Adams in den 1870iger Jahren Medizin studieren wollte, stand man in ihrem Heimatland England dem Medizinstudium von Frauen genauso ablehnend gegenüber wie in Deutschland. "An der Universität Leipzig allerdings wirkten zu dieser Zeit bemerkenswert vorurteilslose Professoren der Medizinischen Fakultät.", beschreibt Prof. Marita Krauss, Biografin von Dr. Hope Bridges Adams Lehmann, die Situation. "Sie stellten schon 1873 den Antrag an den Rektor, Studierende unabhängig von ihrem Geschlecht zu den Lehrveranstaltungen zuzulassen." Wie mit dem Antrag verfahren wurde und wie das Land Sachsen dazu stand, geht aus Originalunterlagen, die in der Ausstellung zu sehen sind, hervor. Dazu gehört auch die Eintragung von "Fräulein Adams aus London" in die Matrikel 1876/77 der Universität Leipzig.

Die Ausstellung gibt einen umfangreichen Einblick nicht nur in das Leben dieser ungewöhnlichen Frau, die sich weit über das Medizinische hinaus politisch und gesellschaftlich für zukunftsweisende Lebenskonzepte engagierte, sondern zeichnet zugleich auch ein Bild des studentischen Unterrichts und der ärztlichen Tätigkeit in der Zeit um 1900. Zu sehen sind auch typische medizinische Instrumente, insbesondere solche aus der Gynäkologie, der Fachrichtung, auf die sich Dr. Adams Lehmann spezialisiert hatte.

Veranstaltungen zur Ausstellung

Die Ausstellung wird begleitet von Vorträgen (jeweils mittwochs, 17:15 Uhr bis 18:45 Uhr, Hörsaal Hautklinik, Liebigstraße) zum Thema 'Frauengesundheit - Frauenmedizin':

23.11.05 - "Gesundheit kostet! Betrachtungen zur Ungleichbehandlung von Frauen und Männern in der Medizin und zu den gegenwärtigen Unterschieden bei der Ressourcen- und Kostenverteilung" von Doz. Dr. Viola Schubert-Lehnhardt aus Halle
14.12.05 - "Hebammen, Geburt und weibliche Kultur in der Vormoderne" von Prof. Dr. Eva Labouvie aus Magdeburg
11. Januar 2006 - "Berufsziele und Karrierewege von Ärztinnen" von Prof. Dr. Dorothee Alfermann aus Leipzig
25. Januar 2006 - "Warum Männer früher sterben" von Prof. Dr. Elmar Brähler aus Leipzig

Höhepunkt ist ein wissenschaftliches Symposium zur Ausstellung am 2. Dezember 2005, 9:30 bis 12:00 Uhr, im Hörsaal des Operativen Zentrums mit der Adams Lehmann-Biografin Prof. Dr. Marita Krauss aus München und PD Dr. Eva Brinkschulte aus Magdeburg, die mit den Themen "Dr. Hope Bridges Adams Lehmann - erstes medizinisches Staatsexamen einer Frau in Deutschland, Leipzig 1880" bzw. "Ärztinnen im deutschen Kaiserreich 1876-1918" vertreten sein werden.