Über Grundlagen des menschlichen Denkvermögens

Pressemitteilung vom 18.10.2005
Wann und unter welchen Voraussetzungen der Mensch seine kognitiven spezifischen Fähigkeiten zu entfalten beginnt, ist eine höchst komplexe Fragestellung der Hirn- und Verhaltensforschung. Sie lässt sich sowohl an Babys während der ersten Lebensmonate untersuchen als auch vergleichend an Tier und Mensch. Auf dem Jahrestag des Leipziger Zentrums für Kognitionswissenschaften stellen zwei an der Universität Leipzig arbeitende amerikanische Wissenschaftler, die Sofja Kovalevskaja-Preisträgerin Dr. Tricia Striano und der neue Leibnizprofessor Dr. W. Tecumseh Fitch, ihre unterschiedlichen Forschungsansätze vor.
Zeit 27. Oktober 2005, 11:00 Uhr
Ort Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften
Wilhelm-Wundt-Raum
Stephanstraße 1

Bei seiner Gründung 1996 hatte sich das Zentrum für Kognitionswissenschaften (ZfK) am Zentrum für Höhere Studien das Ziel gesetzt, die Leipziger kognitionswissenschaftliche Forschungs- und Lehrtradition fortzuführen, durch interdisziplinäre sowie institutionelle Verflechtung und Erweiterung zu modernisieren und auf diese Weise seine internationale Anschlussfähigkeit zu bestätigen. Nach fast zehn Jahren erfolgreicher wissenschaftlicher Arbeit innerhalb zahlreicher Forschungsprojekte und Graduierten- bzw. Promotionskollegs vereinigen sich hier exzellente Forscher und Nachwuchswissenschaftler aus den Bereichen Philologie, Psychologie, Neurologie, Medizin, Biologie, Musik, Informatik, Sportwissenschaften, Anthropologie der Universität und der beiden Leipziger Max-Planck-Institute. Im Sommersemester dieses Jahres wurde nunmehr das Internationale Promotions-Programm "Von der Signalverarbeitung zum Verhalten" feierlich eröffnet, bei dem Mitglieder des Zentrums wesentlich an der wissenschaftlichen Betreuung von derzeit insgesamt 39 in den Studiengang aufgenommene Doktoranden sowie an der Ausgestaltung und Durchführung des Curriculums beitragen.

Gänzlich unter internationalem Vorzeichen mit neuen Akzentsetzungen steht zu Beginn des Wintersemesters 2005/06 auch ein erstes Jahrestreffen des Zentrums für Kognitionswissenschaften, dessen Themenschwerpunkt Arbeiten der Entwicklungspsychologin Dr. Tricia Striano und des neuen Leibnizprofessors und Kognitionsbiologen Dr. W. Tecumseh Fitch bilden, die beide aus den USA stammen. Der Titel von Strianos Vortrag, der 11:00 Uhr mit Grußworten von Prof. Dr. Martin Schlegel, Prorektor für Forschung und Entwicklung, und Dr. Steffen Mehlich, Abt. Förderung und Netzwerk der Alexander von Humboldt-Stiftung, eingeleitet wird, lautet: "From Brain to Behavior and Behavior to Brain: Development in the first year." Ausgehend von Studien zur Verhaltensforschung von Säuglingen und Kleinkindern untersucht Striano seit längerem die Entwicklung und Systematik der sozialen Kognition in der normalen Entwicklung und bei Autismus. Seit November 2004, kurz nach der Verleihung des Sofja Kovalevskaja-Preises durch die Alexander von Humboldt-Stiftung, investiert die Amerikanerin ihre Preismittel mit Unterstützung des Zentrums für Höhere Studien, der Universität Leipzig und des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in den Aufbau der Forschungsgruppe für Neurokognition und Entwicklung und die Einrichtung ihres Leipziger Forschungslabors für Frühkindliche Entwicklung. Zuvor war Frau Striano Leiterin der Nachwuchsforschergruppe Kulturelle Ontogenese am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig. In diesem Semester nimmt sie erstmals mit Seminarangeboten an der strukturierten Doktorandenqualifizierung am ZfK teil und bietet ab Sommersemester 2006 gemeinsame Sommerschulen mit der Vanderbuilt Universität in Nashville/Tennessee an.

Im zweiten Teil des ZfK-Jahrestages, ab 14:00 Uhr, hält der 22. Leibnizprofessor der Universität Leipzig, Prof. Dr. W. Tecumseh Fitch seine Antrittsvorlesung zum Thema: "The Comparative Approach to the Biology and Cognition." Seine These lautet, dass das nächste Jahrzehnt beispiellose Fortschritte bei der Einsicht in die biologischen Grundlagen des menschlichen Kognitionsvermögens machen und der Tier/Mensch-Vergleich dabei zunehmend eine bedeutende Rolle spielen wird. Die Grußworte werden von Prof. Dr. Charlotte Schubert, Prorektorin für Lehre und Studium, und Prof. Angela D. Friederici, ZfK-Direktorin und Direktorin des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften, gesprochen. Im Anschluss daran, ab 17:00 Uhr, öffnet die Forschungsgruppe für Neurokognition und Entwicklung ihr neues Domizil zur Besichtigung und lädt zu einem kleinen Rundgang durch das Forschungslabor in die Otto-Schill-Straße 1 ein.