Der Mensch am Beginn seines Lebens: Immer größer, immer dicker ...

Pressemitteilung vom 06.10.2005
Schon ein Neugeborenes bringt heute mehr auf die Waage als früher. Es ist auch länger als noch vor 15 Jahren. Die Veränderungen in den Körpermaßen bleiben nicht ohne Auswirkungen auf den Geburtsvorgang. Diese Problematik steht im Mittelpunkt der 3. Veranstaltung der Universitätsfrauenklinik Leipzig "Der Mensch am Beginn seines Lebens".
Zeit 19. Oktober 2005, 18:00 Uhr bis 20:00 Uhr
Ort BioCity
Deutscher Platz 5

Die 3. Veranstaltung "Der Mensch am Beginn seines Lebens" gibt einen Überblick über die Veränderungen der Körpermaße in den letzten 100 Jahren und ihre Auswirkungen auf die Geburtsmedizin. Die Veranstaltung richtet sich an Schwangere, junge Eltern und alle, die sich für diese Problematik interessieren. "Wissenschaft und Klinik für alle" ist das Motto der Veranstaltungsreihe, die von Prof. Dr. Dr. Michael Höckel, Direktor der Universitätsfrauenklinik ins Leben gerufen wurde.

Das Geburtsgewicht hat sich um 300 Gramm nach oben verschoben

"Vor zehn bis 15 Jahren waren Kinder mit einem Geburtsgewicht über 4.000 Gramm eher selten", weiß Prof. Dr. Renaldo Faber, Leiter der Abteilung Pränatale Medizin und Geburtshilfe der Universitätsfrauenklinik Leipzig (Triersches Institut). "Das durchschnittliche Geburtsgewicht betrug damals ca. 3.100 Gramm im Gegensatz zu 3.400 bis 3.500 Gramm heute. Es hat sich also um ca. 300 Gramm nach oben verschoben."

Die weibliche Anatomie ist aber in dieser Zeitspanne weitgehend gleich geblieben. Die Geburtsmediziner müssen daher häufiger mit Problemsituationen rechnen, die auf das Missverhältnis zwischen der Größe des Kindes und der Größe des Geburtskanals zurückzuführen sind. Die Geburten dauern oft länger, Komplikationen treten häufiger auf.

Komplikation "Schulterdystokie"

Die sogenannte Schulterdystokie, bei der der kindliche Kopf geboren wird, der Körper des Kindes aber mit der Schulter im Geburtskanal stecken bleibt, kannte Prof. Faber früher nur aus der Literatur. Heute hat er monatlich ein- bis zweimal mit dieser Komplikation zu tun.

"Voraussehbar ist die Schulterdystokie leider nicht", sagt Prof. Faber, "allerdings nimmt die Wahrscheinlichkeit mit steigendem Geburtsgewicht zu." Der Gynäkologe empfiehlt deshalb bei einem sehr großen Kind einen Kaiserschnitt. Kommt es erst einmal zur gefürchteten Komplikation, ist jeder Handgriff wichtig. Erfahrene Geburtshelfer beherrschen ein ganzes Repertoire von hilfreichen Maßnahmen - allerdings können auch sie nicht immer schwerwiegende Folgen für die Mutter und vor allem das Kind verhindern.

Die Akzeleration allein ist nicht die Ursache

Woran liegt es, dass unsere Babys immer schwerer werden? "Die Akzeleration allein kann man nicht dafür verantwortlich machen", versucht Prof. Faber das Phänomen zu erklären. Er sieht die wesentliche Ursache in der veränderten modernen Ernährung. "Schon die jungen Mütter wiegen heute im Durchschnitt mehr als noch vor 20 Jahren. Und in der Schwangerschaft führt die energiereiche Nahrung der Neuzeit dazu, dass auch das Kind schwerer wird."

Der Ausweg aus dem Dilemma scheint hier wie auch bei vielen anderen gesundheitlichen Problemen eine gesunde Ernährung zu sein. "Damit kann man natürlich nicht erst in der Schwangerschaft beginnen", meint der erfahrene Pränatal- und Geburtsmediziner. "Das ist auch nicht nur ein Problem für den Einzelnen, sondern inzwischen ein Problem von gesamtgesellschaftlichem Ausmaß".