Konservative und interventionelle Strategien in der Behandlung von Herz-Kreislauferkrankungen

Pressemitteilung vom 02.06.2005
Die diesjährige Frühjahrstagung des nunmehr seit zehn Jahren bestehenden Herzzentrums Leipzig beschäftigt sich mit neuesten Erkenntnissen in Diagnose und Therapie von Herz-Kreislauferkrankungen.
Zeit 03. Juni 2005 bis 04. Juni 2005
Ort Herzzentrum Leipzig
Strümpellstraße 39

Auf zwölf Symposien, drei Hauptsitzungen und einer Focus-Session setzen sich die Teilnehmer der unter der Schirmherrschaft des Berufsverbandes Deutscher Internisten und der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie stehenden Frühjahrstagung mit aktuellen Fragen in Diagnose und Therapie von Herz-Kreislauferkrankungen auseinander. Die anstehenden Probleme werden zum Teil kontrovers diskutiert.

Myokarditis - Ursache für Herzinsuffizienz?

Ein Symposium setzt sich mit der Frage auseinander: Haben wir endlich eine kausale Therapie? Dahinter steht die Diskussion zur viralen Myokarditis, der durch Viren ausgelösten Herzmuskelentzündung, die von einigen Kardiologen als Hauptursache für die Herzinsuffizienz oder Herzmuskelschwäche angesehen wird. Grund für die Annahme ist der Nachweis von Viren im Herzmuskel von Patienten, die eine eingeschränkte Pumpfunktion der linken Herzkammer haben. Mit einer virostatischen bzw. immunsuppressiven Therapie glaubt man daher die Herzinsuffizienz ursächlich behandeln zu können.

"Das belastet die Patienten unnötig", halten andere dagegen. Die Viren könnten auch rein zufällig in den Herzmuskelzellen sein, da sie auch bei Gesunden nachweisbar sind. "Die Ergebnisse einer Therapiestudie, die 2006 vorliegen werden, könnten hier den Durchbruch bringen", meint Prof. Dr. Gerhard Schuler, Direktor der Klinik für Kardiologie am Herzzentrum Leipzig und einer der Veranstalter der Frühjahrstagung.

Diabetes und Gefäßkrankheiten

Ein weiteres Symposium behandelt die Auswirkungen von Diabetes mellitus auf die Gefäße. Über kurz oder lang wird bei Diabetikern die Innenauskleidung der Gefäße, die Epithelschicht, zerstört. Besonders betroffen sind die Gefäße in Bein und Bauch, insbesondere die Koronargefäße. Das Krankheitsbild zeichnet sich durch ein sehr diffuses Befallen der Gefäße aus, was die Behandlung sehr erschwert. Neuerdings setzt man mit gutem Erfolg sogenannte drug eluting stents ein. Das sind Wirkstoffe, die über Medikamente freigesetzt werden und die unkontrollierte Wucherung der Epithelschicht stoppen können.

Pro und Kontra: Interventionelle Methoden werden die Herzchirurgie weitgehend ersetzen

Einer der Höhepunkte der Frühjahrstagung dürfte die 1. Hauptsitzung zum Thema "Therapiekonzepte in der Kardiologie" sein. Hier diskutieren u. a. der Kardiologe Prof. Schuler und sein Kollege, der Leipziger Herzchirurg und Ärztliche Direktor des Herzzentrums Prof. Dr. Friedrich W. Mohr, die These, nach der die interventionellen Methoden via Katheter die Herzchirurgie eines Tages ersetzen werden. "Wir können durch interventionelle Therapien mit speziellen Kathetern längst Verschlüsse von z. B. Herzkranzgefäßen beseitigen. Diese auch Ballonkatheter genannten Instrumente werden in geschlossenem Zustand im Gefäß an die verengte Stelle (Stenose) geführt und dort aufgeblasen", erklärt Prof. Schuler die von ihm favorisierte Methode. Diese Methode wird auch Katheterdilatation genannt.

"Erst jüngst wurden im New England Journal of Medicine die Ergebnisse einer Studie veröffentlicht, die eindeutig belegt, dass operierte Patienten länger und besser leben als katheterdilatierte", hält Prof. Mohr dagegen. Allerdings sind sich beide einig, dass es ein absolutes Pro und Kontra nicht geben könne. "Nicht alle Zustände sind interventionell behandelbar", meint Schuler, und "Nicht für jeden Patienten kommt ein chirurgischer Eingriff in Frage.", räumt Mohr ein. "Bei bei einem über 80 jährigen Patienten würde ich mir die Herzoperation besonders genau überlegen."

Patientenforum

Am 05. Juni 2005, 10:00 bis 15:00 Uhr findet unter dem Motto "Patienten fragen - Experten antworten" ein Patientenforum zu ausgewählten Herzkreislauferkrankungen im Herzzentrum statt.