Weltneuheit: Navigationskontrollierte Instrumente setzen Grenzen während der Operation

Pressemitteilung vom 03.05.2005
In einer Kooperation zwischen dem kürzlich an der Universität Leipzig gegründeten Innovationszentrum für Computergestützte Chirurgie (ICCAS) und der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Tim Lüth (Berlin) entstand ein neuartiges navigationskontrolliertes Instrumentarium für den Einsatz im sensiblen Kopfbereich, das nicht nur die Grenzen des operativen Eingriffes festschreibt, sondern deren Überschreitung durch Abschaltung der eingesetzten Geräte verhindert.

Eingriffe an den Nasennebenhöhlen oder dem Felsenbein sind mit dem Risiko schwerwiegender Komplikationen wie Verletzung der Hirnhaut, des Auges, des Innenohres oder des Gesichtsnerves verbunden. Bei den häufigsten Operationen auf diesem Gebiet, der sogenannten Nasennebenhöhlenoperation und der Tympanoplastik des Felsenbeines, werden seit Jahrzehnten kraftgetriebene Instrumente verwendet, die die knöchernen Strukturen abtragen (Resektion), um das Operationsfeld freizulegen.

Dabei muss der Chirurg aus den geschilderten Gründen äußerst behutsam vorgehen. Die Überlegung des Entwicklerteams aus Berlin und Leipzig war nun, mit Hilfe der computergestützten Navigation den Chirurgen zu zwingen, sich nur innerhalb eines bestimmten Spielraumes mit seinen Resektionsinstrumenten zu bewegen.

Prof. Dr. Tim Lüth und Mitarbeiter entwickelten dazu ein System, mit dem die Position der eingesetzten Instrumente und des Patienten ständig erfasst werden und signalisiert werden kann. "Der weltweit erstmalige Einsatz eines solchen Instrumentariums wurde möglich durch die Zusammenarbeit von Chirurgen und Ingienieuren", erklärt Prof. Tim Lüth, "Besonders die Kollegen der Leipziger Hals-, Nasen-, Ohren-Universitätsklinik um Dr. Gero Strauß haben das neue System für den Einsatz während der Operation angepasst und erprobt. Die Resektionsgeräte schalten sich nunmehr automatisch ab, sobald sie die Grenzen des errechneten Arbeitsfeldes überschreiten."

Prof. Dr. Andreas Dietz, Direktor der Hals-, Nasen-, Ohren-Universitätsklinik und Vorstandsmitglied von ICCAS sieht "die neuartige Form der Kooperation im Bereich der computerassistierten Chirurgie, bei der fundierte technische Problembeschreibungen aus dem OP-Saal geliefert und verarbeitet werden, als Basis für die ersten wissenschaftlichen Erfolge des neuen Zentrums".

Die eigentliche Operation verändert sich dadurch nur unwesentlich, die Sicherheitssysteme arbeiten im Hintergrund und greifen erst bei Bedarf ein. Die Sicherheit der Patienten dürfte dadurch wesentlich erhöht werden; eventuell verkürzen sich dadurch auch die Operationszeiten, weil zügiger gearbeitet werden kann. Und verkürzte OP-Zeiten sind ein weiterer Gewinn für den Patienten.

Auf der 76. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde/Kopf- und Hals-Chirurgie vom 4. bis 8. Mai 2005 in Erfurt wird ein navigiert-kontrolliertes Fräse/Shaver-System vorgestellt, das in Zusammenarbeit mit der Firma Karl Storz, Tuttlingen entwickelt wurde.