Nachruf für PD Dr. rer. nat. Barbara Heller

Pressemitteilung vom 12.04.2005
Am Ostersonntag verstarb nach schwerer Krankheit Dr. Barbara Heller, Institut für Medizinische Informatik, Statistik und Epidemiologie im Alter von nur 47 Jahren. Institutsdirektor Prof. Dr. Markus Löffler, schrieb folgenden Nachruf:

Tief bewegt und voller Schmerz nehmen wir Abschied von Frau Dr. Barbara Heller, die uns am Ostersonntag im Alter von nur 47 Jahren für immer verließ.

Barbara Heller hatte nach einer Ausbildung zur Medizinisch-Technischen Assistentin Humanmedizin und Medizininformatik in Heidelberg studiert. Ihre Promotion in Informatik erwarb sie auf dem Gebiet der Wissensmodellierung. Barbara Heller kam 1997 an das Institut für Medizinische Informatik, Statistik und Epidemiologie in Leipzig, um nach einer längeren und erfolgreichen Beschäftigung bei IBM noch eine akademische Laufbahn im Bereich der Medizininformatik zu verfolgen. In den ersten beiden Jahren widmete sie sich in der Arbeitsgruppe von Professor Alfred Winter der Mitarbeit am Aufbau des Krankenhausinformationssystems des Universitätsklinikums Leipzig, zu dem sie wesentliche Grundlagen beitrug. Anschließend wechselte sie das Aufgabenfeld. Sie wurde verantwortlich für ein großes medizininformatisches Forschungs- und Entwicklungsvorhaben, das im Rahmen des BMBF-Kompetenznetzes Maligne Lymphome zur Förderung kam. Die Aufgabe bestand darin, mit medizininformatischen Methoden die Optimierung von Tumorbehandlungen im Rahmen klinischer Studien zu unterstützen. Viele der Werkzeuge, die sie konzipierte, stießen zunächst auf Skepsis, bis mit der Zeit immer mehr Nutzer erkannten, wie weitsichtig sie ersonnen waren.

Im Laufe der Jahre entwickelte Barbara Heller ein lebhaftes Interesse an den theoretischen Grundlagen ihres Fachgebietes. Sie wandte sich der Frage zu, welche Grundgesetze bei der Konzeption wissenschaftlicher Begriffssysteme zu beachten sind, wenn man sie formal konsistent algorithmisch abbilden will. Hierbei ergab sich eine kongeniale Zusammenarbeit mit dem theoretischen Informatiker Professor Heinrich Herre. Beide entwickelten zusammen ein allgemeines Konzept zur Bewertung solcher Begriffsontologien. Diese gemeinsamen Arbeiten haben erhebliche internationale Beachtung gefunden und ein grundlegendes Buch darüber wird in Kürze erscheinen. Barbara Heller hatte die Absicht, diese Erkenntnisse für die Konzeption medizinischer Ontologien zu nutzen und damit für die Medizin umfassende Wissensbasen aufzubauen, die aufgrund ihrer Architektur sehr flexibel und vielfältig zu nutzen sind. Das würde ermöglichen, dem Arzt und dem Patienten sehr viel leistungsfähigere Auskunfts- und Konsultationssysteme anzubieten, als wir uns heute vorstellen können. Viele dieser Visionen hat sie selbst skizziert und uns den Weg gewiesen, den wir nun ohne ihre imaginative Kraft tastend beschreiten werden.

Barbara Heller hat alle, die mit ihr zu tun hatten, durch ihre enorme Leistungsfähigkeit und Kreativität beeindruckt. Ihre Schnelligkeit war gleichermaßen geschätzt wie gefürchtet. Sie kümmerte sich um einfach alles. Sie war eine überaus beliebte Dozentin, obwohl sie von den Studenten viel verlangte. Sie hatte ein großes und immer hilfsbereites Herz. Viele fragten sie um wissenschaftlichen oder mitmenschlichen Rat, den sie stets freigiebigst gewährte.

An Barbara Heller hat uns besonders imponiert, wie sie mit ihrer Erkrankung umging. Vor mehr als vier Jahren erfuhr sie, dass sie an einem Ovarialkarzinom litt. Während der zahlreichen Therapien fehlte sie kaum einen Tag, im Gegenteil, ihr Elan und ihre Kreativität wurden nur noch stärker. In kaum begreiflichen drei Wochen verfasste sie im Frühjahr 2004 ihre Habilitationsschrift und anschließend zusammen mit Heinrich Herre das bereits erwähnte Buch. Dies war ihre Art, die Zuversicht zu wahren, dass sich ihre Krankheit noch zum Besseren wenden würde.

Wir verlieren mit Barbara Heller nicht nur eine wegweisende Wissenschaftlerin, sondern einen großartigen Menschen und Freund. Wir werden ihr Andenken ehren und die von ihr vorgezeigten Wege weitergehen.



Markus Löffler