Frauenarzt - kein Beruf für Männer?

Pressemitteilung vom 24.02.2005
Die 34. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Frauenheilkunde und Geburtshilfe widmet sich dem Thema "Anspruch und Wirklichkeit" und setzt sich mit Problemen auseinander, denen Gynäkologen und Psychologen in ihrer täglichen Praxis begegnen.
Zeit 02. März 2005 bis 05. März 2005
Ort Hochschule für Musik und Theater
Grassistraße 8

"In keiner anderen medizinischen Disziplin greifen Ärztin oder Arzt in so hohem Maße in die körperliche und seelische Intimität der Patientin ein, wie in der psychosomatischen Frauenheilkunde.", führt die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Frauenheilkunde und Geburtshilfe e.V. (DGPFG), Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Mechthild Neises, aus. Das stellt besondere Anforderungen an das Berufsbild im allgemeinen und an die Bewältigung des Berufsalltages im besonderen. Dementsprechend setzt sich die 34. Jahrestagung der DGPFG auseinander mit der ganzen Bandbreite der Fragen, die dem Fachmann unter gewählten Thematik "Anspruch und Wirklichkeit" begegnen.

Viele dieser Fragen sind auch der breiten Öffentlichkeit nicht fremd. In der besonders sensiblen Zeit einer Schwangerschaft, die einhergeht mit einer Fülle von Untersuchungen, die der Gesundheit von Mutter und Kind dienen sollen (pränatale Diagnostik), fühlen sich viele Frauen zwar medizinisch umsorgt, aber emotional alleingelassen. Prof. Dr. med. Anke Rohde, Professorin für Gynäkologische Psychosomatik an der Universität Bonn, befasst sich deshalb mit der Sicht der Patientinnen zur psychosozialen Beratung bei der Pränataldiagnostik und mit den Themen Babyklappe und anonyme Geburt. Davon ausgehend stellt sie die Frage, ob das Konzept "Mütter in Not" seine Adressaten erreicht.

In den letzten Jahren droht eine medizinische Errungenschaft zur Modeerscheinung zu werden: der Kaiserschnitt, medizinisch: sectio. Immer mehr werdende Mütter wünschen für die Entbindung einen Kaiserschnitt, weil sie den Geburtsschmerz vermeiden wollen. Im Westen Deutschlands sind es bereits 20 Prozent aller Frauen! "Sectio - eine gesunde Entscheidung?", fragt deshalb Prof. Dr. med. Beate Schücking, Professorin für Gesundheits- und Krankheitslehre sowie Vizepräsidentin für Forschung und Nachwuchsförderung der Universität Osnabrück.

Manchmal wurde den psychosomatisch denkenden und handelnden Ärzten von ihren Kollegen der Vorwurf gemacht, sie wollten die ganze Medizin psychologisieren. "Stimmt - genau das wollen wir.", antwortet Dr med. Paul. R. Franke, Facharzt für Psychotherapeutische Medizin und Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe aus Magdeburg. Der Gynäkologe und Psychotherapeut begründet, warum ein Umdenken in der rein somatisch ausgerichteten Medizin dringend notwendig ist. Er will keinen Gegensatz zwischen Körper und Psyche konstruiert sehen, sondern plädiert für ein ganzheitliches Herangehen.

Der für seine Umfragen bekannte Wissenschaftler Prof. Dr. Elmar Brähler, Leiter der Selbständigen Abteilung Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie sowie Prodekan der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig geht der Frage nach, warum immer weniger Männer Frauenarzt werden wollen. Er zieht dazu seine Umfrage zur Lebensqualität sächsischer Gynäkologen heran und klärt dabei Fragen wie Stress im Beruf, Einkommen und Freizeit.

Veranstaltungsprogramm unter:
www.dgpfg-kongress-leipzig.de