Wie ticken wir im Kopf?

Pressemitteilung vom 24.11.2006
"Gehirn, Kognition und Sprache" heißt einer der sechs Profilbildenden Forschungsbereiche der Universität Leipzig, der sich am 6. Dezember erstmalig der Öffentlichkeit präsentiert. Wissenschaftler verschiedener Fachdisziplinen beschäftigen sich dort gemeinsam mit den Geheimnissen des Gehirns. Aus jeweils verschiedenen Perspektiven können sie auch erklären, was in unseren Köpfen passiert, beispielsweise während wir musizieren oder Weihnachtslieder hören.

Im nationalen und internationalen Wissenschaftswettbewerb gilt es, die vorhandenen Kompetenzen auszubauen. "Ein wesentlicher Bestandteil für diese Entwicklung sind die in den beiden letzten Jahren entstandenen sechs Profilbildenden Forschungsbereiche, die mit jeweils unterschiedlicher Gewichtung der Naturwissenschaften, Lebenswissenschaften, Geistes- und Sozialwissenschaften interdisziplinär arbeiten", erklärt Prof. Dr. Martin Schlegel, Prorektor für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs.
Der Profilbildende Forschungsbereich "Gehirn, Kognition und Sprache" untersucht höhere geistige Funktionen wie Aufmerksamkeit, Wahrnehmung, Lernen, Gedächtnis, Motorik und Sprache. "Wie ticken wir im Kopf - auch so könnte man die Forschungsfrage nach den hirnorganischen Grundlagen dieser kognitiven Prozesse umschreiben", beschreibt Prof. Dr. Rudolf Rübsamen, Neurobiologe im Institut für Biologie II sowie Sprecher dieses Profilbildenden Forschungsbereichs. Neben Neurobiologen arbeiten unter anderem auch Mediziner, Linguisten, Physiker, Mathematiker und Psychologen in diesem Forschungsbereich.

Hören so wichtig wie Sehen

"Dass wir uns durch den Sehsinn zurechtfinden ist klar, dass wir uns aber auch in hohem Maße mit unserem Gehör orientieren, ist den meisten Menschen nicht so bewusst", so der Neurobiologe Prof. Rübsamen vom Institut für Biologie II. Dabei hören wir ja ständig etwas. Auf dem Weihnachtsmarkt beispielsweise: Chorgesang, Gespräche und allerlei Geräusche die eine Menschenmenge verursacht. Dabei muss das Gehirn viel leisten. Wie es die eintreffende Geräuschmischung verarbeitet, erklärt Prof. Rübsamen und zeigt in seinem Labor, wie die Verarbeitung von Höreindrücken untersucht wird.

"Nobody is perfect": wenn unser Gehirn Fehler macht

Wie kommt es, dass wir bei Aktivitäten, die wir eigentlich perfekt beherrschen, manchmal Fehler machen? Was geschieht dann im Gehirn? Dies untersuchen Wissenschaftler am Max-Planck Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften. Die dabei auftretenden Hirnströme sind ein Fenster ins Gehirn: Sie erlauben den Einblick in die generellen Mechanismen der Fehlerverarbeitung. Der Direktor des MPI für Kognitions- und Neurowissenschaftern und Psychologen Prof. Dr. Wolfgang Prinz stellt die erstaunlichen Entdeckungen dazu vor.

Die Sprache: Spielregeln der Kommunikation

Beflaggung, Indexierung und strikte Positionierung sind die drei zentralen Verfahren natürlicher Sprachen, wie Verben ihre Mitspieler identifizieren, oder, in linguistischer Fachterminologie ausgedrückt, wie die grammatischen Funktionen von verbalen Argumenten syntaktisch und morphologisch kodiert werden. Ein Vergleich macht das deutlich: Unter dem Weihnachtsbaum liegen die schön verpackten Geschenke. Aber wer kriegt was? Von außen kann man das leider nicht sehen. Also muss man Verfahren ersinnen, die die Zuordnung von Geschenken zu Personen gewährleisten. Eine Möglichkeit ist, ein Schildchen mit Namen drauf an das Geschenk zu kleben; das kann man "Beflaggung'' nennen. Eine andere Strategie besteht darin, sich genau zu merken, was man verpackt hat, einfach auf die Geschenke zu zeigen und zu sagen, für wen sie jeweils sind; das kann man dann "Indexierung'' nennen. Drittens schließlich kann man vorher verabreden, wessen Geschenke in welchem Bereich unter dem Baum liegen dies ist die "strikte Positionierung''.
In der seit diesem Jahr von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Forschergruppe 742 "Grammatik und Verarbeitung verbaler Argumente'' bilden die genannten Verfahren einen Schwerpunkt. Darüber spricht Prof. Dr. Gereon Müller vom Institut für Linguistik der Universität Leipzig berichten wird.

Was getan werden kann, wenn das Hirn Schaden nimmt

Intakte Hirnfunktionen wie Hören, Sehen und Fühlen ermöglichen es uns am Leben teilzunehmen. Doch was ist wenn diese Funktionen durch Krankheit oder Unfall gestört werden? Hier kann in vielen Fällen die Medizin mit der Hirnchirurgie helfen. Dazu spricht der Neurochirurg und Dekan der Medizinischen Fakultät Prof. Dr. Jürgen Meixensberger.