Translationszentrum für Regenerative Medizin in Leipzig

Pressemitteilung vom 15.11.2006
Mit insgesamt rund 20 Millionen Euro fördern BMBF, SMWK und Universität Leipzig den Aufbau eines Translationszentrums für Regenerative Medizin in Leipzig. Das verkündete Bundesforschungsministerin Annette Schavan gestern abend auf der weltweit größten Medizinmesse "Medica" in Düsseldorf. Mit dem neuen Exzellenz-Zentrum können die in Leipzig vorhandenen Forschungspools auf dem Gebiet der Lebenswissenschaften gestärkt und weiter ausgebaut werden.

Rund 15 Millionen Euro stellt das Bundesministerium für Bildung und Forschung für den Aufbau eines Translationszentrums für Regenerative Medizin (TRM) in Leipzig zur Verfügung. Hinzu kommen rund fünf Millionen Euro als Beitrag Sachsens. "Die außergewöhnlich hohe Fördersumme ist Anerkennung für die herausragenden Leistungen unserer Wissenschaftler auf dem Gebiet der regenerativen Medizin und eröffnet neue Dimensionen für den Aufbau eines Exzellenzentrums der Lebenswissenschaften an der Universität Leipzig und in den kooperierenden Forschungseinrichtungen.", erklärt der Rektor der Universität Leipzig, Prof. Dr. Franz Häuser.

Prof. Dr. Frank Emmrich, Direktor des Instituts für Immunologie und Transfusionsmedizin an der Universität Leipzig und Direktor des Fraunhofer-Instituts für Zelltherapie und Immunologie Leipzig, freut sich über "den Erfolg des zukunftsfähigen Konzeptes, das von internationalen Gutachtern bestätigt wurde."

Von Tissue Engineering bis mathematische Modellierung

Die regenerative Medizin umfasst die wissenschaftlichen Projekte, die sich mit der Entwicklung von Verfahren zum Gewebsersatz oder zur natürlichen Organerneuerung befassen. Die Leipziger Wissenschaftler arbeiten dazu in vier Bereichen:

  1. Tissue Engineering, Interfaces und Material Sciences. Hierbei geht es um die Entwicklung von in vitro Gewebekultur-Systemen, Bioreaktoren und neuen Material- und Oberflächenkonzepten.

  2. Cell Therapies for Repair and Replacement. Untersucht werden hier Stammzellen unterschiedlicher Herkunft in Bezug auf ihre Einsatzmöglichkeiten für medizinische Therapien.

  3. Regulatory Molecules and Delivery Systems. Hier erforschen die Wissenschaftler Mechanismen der körpereigenen Regenerationsstrategien, um diese für neue Therapien nutzen zu können.

  4. Imaging, Modelling and Monitoring. Das ist die mathematische Modellierung zellbiologischer Prozesse, zur Kontrolle und Quantifizierung regenerativer Prozesse, einschließlich ihrer Visualisierung durch bildgebende Verfahren.
Das Forschungsspektrum reicht dabei von der Grundlagenforschung bis zur angewandten Forschung. "Uns geht es aber auch darum, biotechnologische Verfahren zu entwickeln, die die wissenschaftlichen Erkenntnisse möglichst schnell in die Praxis umsetzen. Vom Labor zum Patienten lautet daher unsere Devise.", so Prof. Emmrich.

Fachübergreifend und multizentrisch

Das TRM-Leipzig wird seinen zentralen Standort in der früheren Universitäts-Frauenklinik in der Philipp-Rosenthal-Straße im Südosten Leipzigs erhalten. Die Gebäude sind grundsaniert und werden in moderne Forschungslabors umgestaltet. Wenige 100 Meter entfernt liegen die Institute und Kliniken der Medizinischen und Biowissenschaftlichen Fakultät sowie der Veterinärmedizinischen Fakultät. Weiterhin befinden sich in der Nähe der neue Wissenschaftscampus mit dem Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie, der BioCity und dem Fraunhofer Institut für Zelltherapie und Immunologie.

Nicht zuletzt ist dieser Standort eine ausgezeichnete Voraussetzung für die interdisziplinäre Zusammenarbeit zahlreicher Wissenschaftseinrichtungen, Kliniken, kleinerer und größerer Unternehmen im Translationszentrum für Regenerative Medizin. Im TRM-Leipzig arbeiten u. a. mit: Die Universität Leipzig, das Universitätsklinikum Leipzig, das Herzzentrum Leipzig, die Universität Halle-Wittenberg, das Hallenser Fraunhofer Institut für Werkstoffmechanik, das Leibniz Institut für Oberflächenmodifizierung, das Kunststoffzentrum Leipzig, das Regenerative Medizin Netzwerk Leipzig-Halle, die Berufsgenossenschaftlichen Kliniken Bergmannstrost Halle, das Fraunhofer Institut für Zelltherapie und Immunologie. Auch regionale Firmen wie Neuroprogen, Euroderm, Serono, Nova Tissue oder Biotectid haben Interesse an einer Zusammenarbeit signalisiert.

Neben dem Leipziger Zentrum fördert das BMBF ein weiteres Zentrum an der Charite in Berlin, das Berlin Centre of Regenerative Therapies. Mit dem DFG Zentrum für Regenerative Therapien Dresden und dem Exzellenzcluster der Universität und Medizinischen Hochschule Hannover entstehen damit zwei weitere klinisch orientierte Forschungszentren, um Deutschland auf dem Forschungsgebiet der regenerativen Medizin national und international sichtbar zu machen und die Entwicklung neuer innovativer Therapien und diagnostischen Verfahren vorantreiben.