Wenn das Herz stolpert oder rast

Pressemitteilung vom 25.10.2006
Fast jeder Mensch hat irgendwann einmal Herzrhythmusstörungen. Wie sollte er damit umgehen? Auf einem Patientenforum anlässlich der Herzwoche will die Deutsche "Herzwoche 2006" widmet sich Herzrhythmusstörungen.
Zeit 01. November 2006, 15:18 Uhr
Ort Neues Rathaus der Stadt Leipzig
Sitzungssaal
Martin-Luther-Ring 4-6

Fast jeder Mensch hat irgendwann einmal Herzrhythmusstörungen. Wie sollte er damit umgehen? Auf einem Patientenforum anlässlich der Herzwoche will die Deutsche Herzstiftung Antworten auf diese Frage geben. Die Veranstaltung beginnt mit einigen kurzen Vorträgen zu Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten von Rhythmusstörungen und bietet im zweiten Teil Gelegenheit, mit Experten ins Gespräch zu kommen. Zu den Referenten und Gesprächspartnern zählt Prof. Dr. Dietrich Pfeiffer, Leiter des Fachbereiches Kardiologie / Angiologie am Zentrum für Innere Medizin der Universität Leipzig.


Die Deutsche Herzstiftung hat in diesem Jahr die Herzrhythmusstörungen zum Thema der Herzwoche gemacht. Im vergangenen Jahr war es der Herzinfarkt. Sind die beiden Ereignisse in ihrer Dramatik überhaupt vergleichbar? Gilt ein gelegentliches Stolpern nicht in den meisten Fällen als harmlos?

Gerade darin liegt die Problematik: Es gibt Arrhythmien, die tatsächlich völlig ungefährlich sind, und mit denen der Betroffene sich einrichten muss. Es gibt solche, die nicht lebensbedrohlich, aber krankhaft sind. Und es gibt jene, die möglicherweise tödlich enden; immerhin versterben pro Jahr rund 300.000 Menschen an Rhythmusstörungen. Die Ursachen reichen vor der Erkrankung der elektrischen Impulsgeber des Herzens über alle Erkrankungen des Herzens (wie z. B. der Durchblutung, der Herzklappen oder der Herzmuskulatur) bis zu Faktoren wie beispielsweise Schilddrüsenüberfunktion und Nebennierenschäden oder übermäßigem Genuss von Nikotin und Alkohol.

Was kann angesichts dieser Differenziertheit die Botschaft der Herzwoche sein?

Rhythmusstörungen nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, sondern ihre Ursache beim Arzt abklären zu lassen, denn die Rhythmusstörung ist keine Krankheit, sondern ein Symptom. Wer allerdings gesagt bekommt, dass seine Störungen simple "Fehlzündungen" sind, der sollte sich keine Sorgen mehr machen - aber eben nur der.

Nun ist dieses Abklären ja nicht so einfach. Zumeist findet das Herzstolpern oder -rasen ja nicht gerade in der Praxis des Kardiologen statt. Welche diagnostischen Möglichkeiten haben Sie Stunden oder Tage danach?

Vor allem sind wir auf die genauen Angaben des Patienten angewiesen. Mit Aussagen wie "Plötzlich ging es los" ist wenig anzufangen. Hilfreich ist, den Puls und seine Schwankungen genau zu messen und zu notieren. Wer alles zum ersten Male erlebt, ohnmächtig war oder sich sehr schlecht fühlt, sollte unbedingt den Notarzt rufen und ein EKG schreiben lassen, möglichst einen etwas längeren Streifen, damit auch der weiterbehandelnde Arzt ein Stück davon bekommen kann. Das EKG einer Rhythmusstörung ist nämlich das aussagestärkste Dokument für die Diagnose. Wer unterwegs ist und plötzliche Probleme bemerkt, kann auch in die nächstgelegene Arztpraxis gehen und um ein sofortiges EKG bitten. Für Patienten, die ständig von Herzrhythmusstörungen bedroht sind, gibt es inzwischen auch kleine EKG-Speicher-Geräte in Form einer Armbanduhr oder eines Bandspeichergeräts. In der Klinik haben die Kardiologen dann weitere Diagnosemöglichkeiten. So können sie per Katheter Rhythmusstörungen provozieren und dann beobachten, wo das Problem der Rhythmusstörung liegt.

Welche Therapien gibt es für die Herzrhythmusstörungen?

Die Vielgestaltigkeit dieser Störungen verlangt auch eine sehr vielgestaltige Therapie. Die reicht von einem informierenden und beruhigenden Gespräch bis zur Operation, wenn Fehler im Herzen vorliegen. Gefährdeten Patienten hinsichtlich eines Herzstillstandes stehen Herzschrittmacher und bei bestimmten Formen des Herzrasens implantierbare Defibrillatoren zur Verfügung. Per Katheter können gezielt jene Herzzellen verödet werden, die die Störungen auslösen. Hinzu kommen zahlreiche medikamentöse Behandlungen, die allerdings bei sehr seltenen Arrhythmien den Nachteil haben, dass möglicherweise 364 Tage im Jahr ein Medikament prophylaktisch geschluckt wird, mit allen Nebenwirkungen. Und das nur, um an einem einzigen Tag im Jahr die Störungen zu verhindern. Bei herzgesunden Patienten geht die Entwicklung hier eher in Richtung "Pill in the pocket", also des Medikaments für den Augenblick des Anfalls. Welches da das richtige ist, wird möglicherweise ebenfalls mit künstlich hervorgerufenen Störungen getestet.

Immer wieder ist der von jedermann zu bedienende Laien-Defibrillator im Gespräch. Was halten Sie von dem?

Der ist für die erste Hilfe bei Rhythmusstörungen sehr nützlich und durch seine klaren Sprachanweisungen tatsächlich von Laien risikolos zu bedienen. Er verfügt über ein Analysesystem, welches das EKG des Betroffenen selbstständig auswertet. Das Gerät entscheidet dann darüber, ob und wann ein Elektroschock abgegeben werden soll. Solche Geräte sind schon unter 2.000 Euro erhältlich. Eigentlich sollte an jedem Ort, wo viele Menschen zusammenkommen oder arbeiten, ob nun im Supermarkt, auf Bahnhöfen, Flugplätzen, in Unternehmen oder im Sportstadion, eines greifbar sein. Es kann Leben retten.

Marlis Heinz