„Es hätte alles vorbei sein können“

Pressemitteilung vom 14.11.2012
Fünffache Mutter überlebt dank reibungsloser Zusammenarbeit von Rettungsdienst und UKL-Medizinern
Bild vergrößern Hatten maßgeblichen Anteil daran, dass Constanze Fielder den Herzstillstand überlebt hat: Oberarzt Dr. Ludger Mende von der Internistischen Intensivstation (li.) und Dr. Michael Bernhard, Leitender Oberarzt der ZNA (re.). (Foto: Stefan Straube / UKL)  

Leipzig. Melanie (17), Janine (10), Victoria (5) und die 2jährigen Zwillinge Sebastian und Madlen aus Leipzig sind überglücklich. Endlich können sie ihre Mutter wieder in die Arme schließen. Ende Oktober war Constanze Fiedler (41) zu Hause plötzlich leblos zusammengebrochen: Herzstillstand. In einem beispielhaften Zusammenspiel von Rettungsdienst und Ärzten des Universitätsklinikums gelang die Wiederbelebung. Die fünffache Mutter konnte jetzt wieder nach Hause zu ihrer Familie.

„Wir freuen uns sehr, dass es der Patientin wieder gut geht, und dass die Familie wieder vollständig ist“, so Prof. Dr. André Gries. Zu verdanken sei dies vor allem der hochgradig professionellen und reibungslosen Zusammenarbeit aller Beteiligten. „Es war zu jedem Zeitpunkt klar, was wann wie durch wen passieren muss. Vom Rettungsdienst über die Zentrale Notaufnahme des UKL bis hin zur Internistischen Intensivstation und schließlich der Abteilung für Kardiologie/ Angiologie des Universitätsklinikums haben alle Bereiche wie Zahnräder ineinander gegriffen“, freut sich der Leiter der Zentralen Notfallaufnahme am UKL. „Jeder einzelne hat einen maßgeblichen Beitrag zur Rettung der Patientin geleistet. Ein großer Dank an alle Beteiligten.“

Möglich werden diese reibungslosen Informations- und Abstimmungsprozesse vor allem durch die am UKL etablierten standardisierten Arbeitsabläufe wie das Anmelde- und Übergabekonzept zwischen Rettungsdienst und der Zentralen Notaufnahme des UKL oder die mit den SOP (Standing Operation Procederes) eingeführten Behandlungsleitlinien für die Notfallbehandlung. „Mit interdisziplinär abgestimmten Behandlungsleitlinien wie diesen können wir das Notfallmanagement standardisieren und die Sicherheit unserer Patienten erheblich erhöhen“, erklärt Gries. „Dies kommt vor allem in der notfallmedizinischen Patientenversorgung zum Tragen. Hier zählt jede Sekunde.“

So auch im Fall von Constanze Fiedler. Als diese plötzlich zusammenbricht, verständigt der Ehemann sofort den Notarzt. Beim Eintreffen des Rettungsdienstes findet dieser eine leblose Patientin vor. Dank sofortiger Wiederbelebungsmaßnahmen kann ihr Kreislauf zunächst wieder in Gang gebracht werden. Zeitgleich meldet der Rettungsdienst die Patientin telefonisch in der Zentralen Notaufnahme des UKL an und gibt die wesentlichen Daten durch. Dank dieses Anmelde- und Übergabekonzepts für Notfallpatienten des Rettungs- und Notarztdienstes kann man am UKL nun bereits vor dem Eintreffen der Patientin die notwendigen diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen vorbereiten und die entsprechenden Abteilungen informieren.

Auf dem Weg ins Universitätsklinikum dann der erneute Herz-Kreislauf-Stillstand. Unter fortwährenden Wiederbelebungsmaßnahmen erreicht der Rettungswagen 20 Minuten nach Eingang des Notrufs das Uniklinikum, wo das Team der Notaufnahme die Patientin bereits erwartet.

Constanze Fiedler wird sofort in den Schockraum gebracht und an die UKL-Mediziner übergeben. Alles läuft nun auf Hochtouren, alles läuft parallel.

Während die Wiederbelebungsmaßnahmen weiterhin andauern, wird die Patientin umgelagert und an die Überwachungsgeräte angeschlossen. Noch immer ist Constanze Fiedler leblos. Die Echokardiografie bestätigt schließlich den Verdacht einer Lungenembolie: Ein Blutgerinnsel verstopft die Lungenarterie der Patientin, es gelangt kein Blut mehr vom Herzen in die Lunge. Die entsprechenden SOP geben den Ärzten nun genau vor, wie weiter zu verfahren ist. Die Abteilung Kardiologie/Angiologie wird hinzugezogen. Die Patientin erhält ein Thrombolytikum, um das Blutgerinnsel aufzulösen. Kurze Zeit später kann ihr Kreislauf stabilisiert werden, das Herz schlägt wieder.

Noch in der ZNA wird die Hypothermie eingeleitet. „Das ist ein etabliertes Verfahren, um dem Auftreten oder Fortschreiten neurologischer Schäden, zum Beispiel nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand, entgegen zu wirken. Der Stoffwechsel des Gehirns wird quasi runtergefahren, der Sauerstoffverbrauch reduziert“, erklärt Prof. Gries. Auf der Internistischen Intensivstation wird Constanze Fiedlers Körpertemperatur auf 32 bis 34°C runtergekühlt. Als die Patientin einige Zeit später wieder stabil ist, wird die Körpertemperatur langsam erhöht und die Narkose abgestellt. Im Anschluss an die intensivmedizinische Behandlung wird die Patientin in die Abteilung für Angiologie verlegt und dort bis zu ihrer Entlassung weiter betreut.

Constanze Fiedler hat Glück gehabt. „Ich bin über die Maßen froh, dass mir so schnell und professionell geholfen wurde. Es hätte alles vorbei sein können.“

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Kathrin Winkler.