Gesundheitsstörungen nach politischer Haft

Pressemitteilung vom 11.10.2006
Die ehemals politisch Inhaftierten der DDR zeigen vermutlich überdurchschnittlich häufig schwere Gesundheitsschäden und Suizidhandlungen. Ob dies zutrifft, wird die Selbständige Abteilung für Sozialmedizin der Universität Leipzig in einem neuen Forschungsprojekt klären. Ein brisantes Thema, sollte sich der zermürbende Einfluss der Gefangenschaft bestätigen, denn noch bis Ende 2007 können ehemals Inhaftierte einen Antrag auf Rehabilitation stellen.

Mehrere hunderttausend Bürger waren in der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR einer körperlich und seelisch hoch belastenden, politischen Verfolgung und Inhaftierung ausgesetzt. "Vorliegende Forschungsresultate zeigen Hinweise darauf, dass die Betroffenen extrem häufig unter körperlichen und seelischen Krankheiten leiden, beispielsweise unter Krebs, Herz-Kreislaufproblemen, Lungen- und Bronchialkrankheiten, Alkoholabhängigkeit oder selbstschädigendem Verhalten das bis hin zum Selbstmord führt. Fundiert bewiesen ist dies jedoch bisher nicht", so Prof. Reinhold Schwarz, Selbständige Abteilung für Sozialmedizin der Universität Leipzig. "Mit der neuen Studie wollen wir die Thematik auf der Basis einer repräsentativen Bevölkerungsstichprobe untersuchen und endlich objektivieren."

Dafür wird von ca. 1.300 ehemaligen Häftlingen unter anderem erfasst, wie häufig und wie schwer die gesundheitlichen Beeinträchtigungen sind, wie hoch die Sterblichkeit aufgrund der Erkrankungen war und wie viele Betroffene Suizid begingen. Interessiert sind die Wissenschaftler sowohl an der Auswirkung der belastenden Faktoren wie den Haftbedingungen, als auch am Einfluss von schützenden Faktoren wie den persönlichen Gegebenheiten oder der Unterstützung des ehemaligen Häftlings durch das soziale Umfeld. Davon erhoffen sie sich Erkenntnisse die dazu betragen, dass die Rehabilitation der ehemalig Inhaftierten verbessert wird, aber auch Aussagen darüber, wie Traumata dieser Art verarbeitet werden.

Die Aufarbeitung der Daten in dem kürzlich gestarteten Forschungsprojekt wird durch die Kooperation mit Gedenkstätten und Haftanstalten ermöglicht und zwei Jahre durch die Stiftung Aufarbeitung gefördert.

Sandra Hasse