Hirnwellen sorgen für Diskussion

Pressemitteilung vom 05.10.2006
Nach einer Erklärung für die Gammawellen im menschlichen Gehirn suchen internationale Experten in einem Workshop am Zentrum für Kognitionswissenschaften an der Uni Leipzig. Die Hirnströme mit hoher Frequenz treten beispielsweise dann auf, wenn jemand Aufgaben löst. Die genaue Funktion der Gammawellen ist den Wissenschaftlern jedoch bisher ein Rätsel.jeweils von 9:00 bis 19:00 Uhr
Zeit 12. Oktober 2006 bis 15. Oktober 2006
Ort Zentrum für Höhere Studien
Emil-Fuchs-Straße 1

Die Nervenzellen im Gehirn sind pausenlos elektrisch aktiv. Dabei entstehen wellenförmige Spannungsschwankungen auf der Kopfoberfläche - Hirnströme - die mit Elektroenzephalographie (EEG) gemessen werden können. So auch die Gammawellen. Sie zeigen sich im EEG als hochfrequente Hirnwellen, die ca. 40mal pro Sekunde auftreten. Welche Funktion diese elektrische Aktivität im Gehirn erfüllt, und wo sie ihren Ursprung hat, ist bislang unklar. Das Problem ist nicht neu: 20 Jahre schon wechselt eine wissenschaftlich Erklärung der Gammawellen die nächste ab.

"Es gibt verschiedene Ansätze", so Prof. Müller, vom Institut für Psychologie, der den Workshop gemeinsam mit Dr. Gruber organisiert. "Letztes Jahr fand unsere Arbeitsgruppe Belege dafür, das Gammawellen bei der Objekt-Wiedererkennung auftreten. Ein Bespiel: Sie sehen einen Stuhl, eine Sache die sie bereits kennen, dann treten dabei Gammawellen im Kopf auf. Sehen Sie hingegen ein seltsames, blaues, unbekanntes Objekt mit 9 Beinen, werden keine Gamma-Ströme resultieren". Andere Wissenschaftler vermuten, dass die besonderen Hirnwellen etwas mit der Steuerung von Aufmerksamkeit beim Lösen von Aufgaben zu tun haben, oder das sie immer dann auftreten, wenn verschiedene Eigenschaften eines Objektes (schwarz-weiß, rund, etc.) - die im Gehirn immer einzeln verarbeitet werden - zu eine Gesamtwahrnehmung des Objektes (Fußball) zusammengebunden werden.

"All diese Ansätze sollen nun im Workshop 'High Frequency Oszillations: the next step' vorgestellt und besprochen werden", erklärt Prof. Matthias Müller. "Die Veranstaltung bietet allen interessierten Doktoranden und Wissenschaftlern die Möglichkeit, mit internationalen Experten aus unterschiedlichen Disziplinen tier- und humanexperimentelle Ergebnisse zu diskutieren." Das Ziel: neue Ideen für die Aufdeckung der Funktion von Gammawellen zu finden.

Sandra Hasse/Romy Leidig