Gesundheitsrisiken durch Mobilfunk?

Pressemitteilung vom 04.09.2006
Das ist eines der Themen, mit denen sich die 51. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS) an der Universität Leipzig beschäftigt. Rund 800 Teilnehmer aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik diskutieren über aktuelle Fragen der Quantifizierung von Gesundheitsrisiken und des Computereinsatzes in der Medizin. Eine Konferenz des KKS-Netzwerkes schließt sich an.
Zeit 10. September 2006 bis 14. September 2006
Ort Sportwissenschaftliche Fakultät
Hörsaalkomplex
Jahnallee 59

Die 51. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS), der bedeutendsten Fachgesellschaft dieser drei Wissenschaftsbereiche im deutschsprachigen Raum, findet erstmals in Leipzig statt.

"Die Themenpalette der Tagung ist breit. Sie reicht vom Einsatz von Computern im Krankenhaus, einschließlich bildgebender Verfahren und der computergestützten Chirurgie über epidemiologische Fragen zu Gesundheitsrisiken durch Umweltweinflüsse und genetische Veranlagungen bis hin zur Quantifizierung und Messung von Lebensprozessen. "Hier haben klinische Studien einen besonders hohen Stellenwert", sagt Tagungspräsident Prof. Dr. Markus Löffler, Direktor des Instituts für Medizinische Informatik, Statistik und Epidemiologie an der Universität Leipzig.

Im Anschluss an die Jahrestagung findet eine Konferenz des Netzwerkes der durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Koordinierungszentren für Klinische Studien (KKS) statt. Sprecher des Netzwerkes und des Leipziger Koordinierungszentrums ist ebenfalls Prof. Löffler.

Besondere Höhepunkte der Tagung sind folgende Themenkomplexe:

1. Gesundheitsrisiken durch Mobilfunk?

Diese Frage erhitzt immer wieder die Gemüter. Inzwischen gibt es neue Erkenntnisse, die auf großen nationalen und internationalen Studien basieren. Prof. Maria Blettner aus Mainz als deutsche Spezialistin auf diesem Gebiet geht auf solche Studien ein und kann über den jetzigen Kenntnisstand zu Gefährdungen durch Handys und Schnurlostelefon berichten.

2. Ein Gen für Fettleibigkeit?

Immer mehr Gene werden entdeckt, die für bestimmte Krankheiten verantwortlich sind. Kürzlich wies eine Forschergruppe um Prof. Erich Wichmann aus München z. B. ein Gen nach, dass möglicherweise verantwortlich für Adipositas (Übergewicht) ist. Sind damit alle Dicken aus dem Schneider? Prof. Wichmann erklärt die Zusammenhänge zwischen Gen und Erkrankung. Er geht auch auf die genetischen Risiken für andere Volkserkrankungen ein wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Asthma.

3. Wie verhelfen klinische Studien zu sicherer Innovation ?

Die biotechnologische und molekularbiologische Wissenschaft bringt derzeit viele innovative und vielversprechende Diagnose- und Behandlungsmethoden nahe an den klinischen Einsatz. Wie aber belegt man deren Nutzen und Risiken? Wie vermeidet man vorschnelle Schlüsse? Bei neuen Arzneimitteln ist die Vorgehensweise durch das Arzneimittelgesetz geregelt, denn nur auf der Basis aufwändiger klinischer Studien können neue Medikamente zugelassen werden, mit denen bestimmte Erkrankungen besser behandelt werden können. Diese müssen von Pharmafirmen durchgeführt werden, die das Medikament entwickeln und dann von dem Verkauf profitieren.

"Es gibt aber viele Behandlungs- und Diagnoseverfahren, die direkt aus der Wissenschaft kommen und bei denen wir derzeit nicht schnell und konsequent genug die erforderlichen klinischen Studien durchführen können. So kommt es zu jahrelangen Verzögerungen, bis wir die sichere Datenbasis erreichen. So werden wirksame Verfahren zu spät eingeführt und unwirksame oder gar schädliche Verfahren zu spät eingestellt", sagt Prof. Löffler. Dies betrifft z. B. viele bereits zugelassene Arzneimittel, neue Operationsmethoden, neue molekulare Diagnoseverfahren und computergestützte Behandlungsverfahren u.a.m. Auch sollte man im Auge behalten, ob teurere neue Medikamente überhaupt nötig sind. "Solche Studien sind von besonderem öffentlichen Interesse, aber sie sind derzeit ein echter Engpass", so Löffler. Als Sprecher des nationalen Netzwerkes für Klinischen Studien (KKS) stellt er aktuelle Beispiele solche Studien aus dem Bereich der Intensivtherapie und der Krebstherapie vor - mit z. T. überraschenden Resultaten. Diese Thematik wird auch auf der Konferenz der Koordinierungszentren für Klinische Studien mit sehr prominenten Vertretern aus Forschung, Wirtschaft und Forschungsförderern vertieft.

4. Die elektronische Patientenakte - was bringt sie dem Patienten?

Sie ist nicht nur die Gedächtnisstütze für einen Arzt, die ihm zeigt, mit welcher Krankheit der Patient zu ihm gekommen ist und wie er ihn behandelt. Sie ist auch mehr als eine Informationsbasis für alle Ärzte, die den Patienten behandeln. Sie soll vielmehr die Voraussetzung dafür sein, dass der Arzt aus der Fülle des medizinischen Wissens die für seinen Patienten optimale Behandlungsstrategie auswählen kann. Dazu verknüpft er die Informationen der Patientenakte mit neuartigen computerbasierten Konsultationswerkzeugen. Ein Stückchen näher also an die maßgeschneiderte Therapie. "Daraus können sich wiederum neue technologische Entwicklungen, aber auch eine Verbesserung in den Behandlungsabläufen ergeben", so Prof. Alfred Winter, Stellvertretender Tagungspräsident vom Institut für Medizinische Informatik, Statistik und Epidemiologie der Universität Leipzig. Er stellt neue Systeme vor und lässt dabei auch das Problem der elektronischen Chipkarte nicht aus.