Wissenschaft zum Anfassen

Pressemitteilung vom 21.08.2006
Direkt aus dem Leben gegriffen sind die Themen, die Wissenschaftler des Biotechnologisch-Biomedizinischen Zentrums (BBZ) der Universität Leipzig den interessierten Besuchern am "Tag der offenen Tür" präsentieren: Zecken in unserer Nachbarschaft - Kristalle: Faszination, Mystik und Nutzen für die Wissenschaft - Herstellung von Knorpelgewebe im Bioreaktor - Der Tanz der Zellen.
Zeit 03. September 2006, 11:00 Uhr bis 18:00 Uhr
Ort BIO CITY LEIPZIG
Deutschen Platz 5

Das ist eine Auswahl aus dem Themenspektrum anlässlich des Tages der offenen Tür in der Biocity. Wissenschaftler zeigen, womit sie sich beschäftigen und warum:

Nicht nur begehrte Schmuckstücke: Kristalle

Seit Urzeiten üben Kristalle eine besondere Faszination auf Menschen aus. Ihre Schönheit macht sie zu einem begehrten Schmuckstück, aber nicht nur das, manch einer schreibt ihnen sogar heilende oder gar magische Kräfte zu. In dem Vortrag von Prof. Norbert Sträter wird erklärt, worauf die Symmetrie und Regelmäßigkeit der Kristalle beruht und welcher Nutzen sich daraus für die Wissenschaft ergibt. (14:00 Uhr)

Infos zu Zecken in Wort, Bild und Exponaten

Jeder hat schon einmal eine Zecke an sich oder jemanden anderen hoch krabbeln gesehen. Meist handelt es sich in diesem Fall um ausgewachsene Holzböcke (Ixodes ricinus), die mit ca. 3 mm Körpergröße gut mit bloßem Auge zu erkennen sind. Wussten Sie aber, dass Zecken, keine Insekten, sondern Spinnentiere sind? Oder dass der Holzbock, wenn er frisch aus dem Ei schlüpft, weniger als einen halben Millimeter groß ist, also kleiner ist als ein i-Punkt dieses Textes? Ist Ihnen bewusst, dass eine Schildzecke in ihrem mehrjährigen Leben an drei verschiedenen Wirten Blut saugt, um sich anschließend weiterentwickeln zu können und dabei über Monate, manchmal Jahre ohne Nahrung auskommt und dabei geduldig wartet, bis ein passender Wirt in die Nähe kommt? Oder haben Sie gewusst, dass Zecken regelmäßig eine Vielzahl an Krankheitserregern beim Saugakt aufnehmen und dann Monate später beim nächsten Stich auf den nächsten Wirt übertragen? Diese und weitere detaillierte Informationen werden Ihnen in Wort, Bild und Exponaten von der Nachwuchsgruppe "Molekulare Infektionsmedizin" nahe gebracht. (16:00 Uhr)

Blick durch ein modernes Forschungsmikroskop ins Zellinnere

Durch ein modernes Forschungs-Mikroskop ermöglichen wir den Blick in das Innere menschlicher Zellen. Dabei können wir durch farbige Fluoreszenzfarbstoffe verschiedene Strukturen innerhalb von Zellen anfärben und somit direkt sichtbar machen. Ein besonderes Augenmerk soll dabei auf die Mitochondrien gelegt werden, die Kraftwerke der Zellen. Diese sind hauptsächlich bei der Energiegewinnung von großer Bedeutung und spielen weiterhin wichtige Rollen zum Beispiel bei entwicklungsbiologischen Prozessen als Schaltstellen für den programmierten Zelltod. Mitochondrien sind Zellorganellen, die ursprünglich von Bakterien abstammen und sich im Laufe der Evolution in eukaryontischen und somit auch in nahezu allen menschlichen Zellen angesiedelt haben. Außerdem zeigen wir durch verschiedene Färbungen das Erbgut des Menschen, die Desoxyribonukleinsäure (DNS). Diese enthält die Gene, auf der die Erbinformation verschlüsselt ist und liegt in einer besonderen Struktur der Zelle, dem Zellkern. Zudem kann beobachtet werden, wie sich die DNS während der Zellteilung verhält und mit etwas Glück werden einzelne Chromosomen sichtbar. (12:00 und 14:00 Uhr).

Die eigene Probe für die Erbgutbestimmung

"DNA" oder in der deutschen Abkürzung "DNS" für Desoxyribonukleinsäure ist der Träger der Erbinformation. In der Forschung und Diagnostik spielt DNA für unterschiedlichste Aufgaben eine große Rolle. So werden Gene aus Organismen isoliert und vervielfältigt oder Erbgutstücke zur Identifikation von Personen oder der Aufklärung von Verwandtschaftsbeziehungen genutzt. Durch Agarose-Gelelektrophorese werden dazu DNA-Moleküle nach ihrer Größe getrennt und analysiert. Die Besucher erhalten Gelegenheit eine solche Gelektrophorese zu sehen und selbst mit Proben zu bestücken.

Bioreaktoren für künstliches Körpergewebe

Der Gelenksknorpel besitzt eine geringe Selbstheilungsfähigkeit, so dass degenerative Erkrankungen dieses Zellgewebes meist Einschränkungen z. B. im Fortbewegungsapparat des Menschen zur Folge haben. Bei fortgeschrittener Schädigung des Knie- oder Hüftgelenkes konnte bisher nicht auf die Implantation eines künstlichen Gelenks verzichtet werden. Im vorliegenden Projekt soll ein steriles Bioreaktorsystem entwickelt werden, in dem aus primären humanen Zellmaterial autologes künstliches Knorpelgewebe in vitro angezüchtet wird. Diese Anlage soll die positiven Effekte von drei Knorpelzellstimulatoren, der organotypischen Stützstruktur, der scherkraftinduzierenden Perfusion sowie der mechanischen Kompression ausnutzen. Das gesamte System wird für eine sterile Kultivierung von autologem Zellmaterial unter GMP-Bedingungen ausgelegt sein.

Ohne Mäuse läuft nichts

Genauer gesagt: ohne transgene Mäuse. Das sind Mäuse mit bestimmten Mutationen. Es werden die Methoden zur Erzeugung transgener Tiere und deren Verwendung anhand eines Posters erläutert. Schwerpunkte sind (1) Analyse der Genfunktion, (2) Analyse der Genregulation, (3) Krankheitsmodelle, (4) Gene Pharming, (5) Xenotransplantation und (5) Nahrungsmittelproduktion. Anhand mikroskopischer Präparate werden Beispiele zur Analyse der Genfunktion und Genregulation demonstriert.

Interessant dürften auch die kleinen Küchenexperimente sein, die die enge Verbindung von Chemie und Alltag verdeutlichen.

Wie Forschung angewandt wird, das können Sie auch bei Besuchen der Firmen BIO Plant GmbH, VITA 34 AG, Haema Blutspendedienst, Zentrum für Therapiestudien, Fraunhofer Institut Zelltherapie und Immunologie in der BIO CITY am gleichen Tag erleben.

Diese Veranstaltungen des Biotechnologisch-Biomedizinischen Zentrums an der Universität Leipzig finden im Rahmen des "Tages der offenen Tür" - Alte Messe Leipzig statt. Weitere Einrichtungen wie das Max Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie oder die Deutsche Nationalbibliothek laden Sie ebenfalls zu Erkundungen ein.