Ferienspiele - Spaß für Kinder und Hilfe für Eltern

Pressemitteilung vom 07.08.2006
Interview mit der Gleichstellungsbeauftragten der Universität Leipzig, Dr. Monika Benedix

Nach dem Modellprojekt 2005 ist auch in diesem Jahr MEFALE erfolgreich über die Bühne gegangen. Warum engagieren Sie sich als Gleichstellungsbeauftragte der Universität Leipzig für das Ferienprojekt der Medizinischen Fakultät und des Universitätsklinikums?

Als Gleichstellungsbeauftragte an der Universität unterstütze ich Familien, hier insbesondere die Frauen dabei, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen. In den Sommerferien stellt sich für viele, auch für die Angehörigen der Universität Leipzig die Frage: Wohin über die lange Ferienzeit mit den Kindern? Deshalb hatten wir die Idee, die Kinder an den Arbeitsplatz der Eltern zu holen und dabei gleich zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Die Kinder für eine Woche in guter Obhut zu wissen und zugleich Verständnis für die Arbeit von Mutter und Vater zu wecken bzw. zu vertiefen.

Wie muss man sich das vorstellen?

Wir betreuen Kinder von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Medizinischen Fakultät und des Universitätsklinikums in mittlerweile drei verschiedenen Altersgruppen mit Hilfe von sehr engagierten Studierenden der Erziehungswissenschaften über einen ganzen Tag und dies eine Woche lang und in zwei Durchgängen. Einen halben Tag gehen wir in verschiedene Einrichtungen, z. B. in die Augenklinik, wo die Kinder lernen, warum manche eine Brille tragen müssen und wie man die richtige Brille findet. Oder in die Universitätsfrauenklinik, wo sie nicht nur hören, woher die kommen, sondern gleich noch zuschauen können wie die Babys gewickelt und gefüttert werden. Oder in das Herzzentrum, wo sie gezeigt bekommen, was man machen kann, damit das Herz wieder richtig funktioniert. Die Klinikchefs zeigen sich sehr kooperativ und wenn sie die Kinder nicht selbst begrüßen können, geben sie diese in die Obhut verantwortlicher Ärztinnen und Ärzte. Am anderen halben Tag wird gebastelt, gespielt und geturnt. Gefrühstückt und Mittag gegessen wird in der Mensa. Da ist es ganz erstaunlich, wie manche Kinder kaum übers Tablett gucken können und trotzdem voll stolz ihr Mittagessen an ihren Platz tragen, genau wie Mama oder Papa.

Warum bieten Sie das Programm nicht auch für Kinder an, deren Eltern in den anderen Fakultäten arbeiten?

Nun, das letzte Jahr handelte es sich ja noch um ein Pilotprojekt. Nun haben wir MEFALE ein zweites Mal mit mehr Erfahrung durchgeführt und festgestellt, dass die Begeisterung der Kinder und der vielen Helfer eher gewachsen ist. Wir hatten nun auch Anfragen aus dem Hochschulbereich, aber noch nicht die nötige finanzielle und personelle Unterstützung das Projekt universitätsweit durchzuführen. Denn allein können wir es nicht schaffen

Unter welchen Voraussetzungen könnte auch der Hochschulbereich einbezogen werden?

Zunächst bräuchten wir personelle Unterstützung. D. h., die Fakultäten müssten eine Verantwortliche oder einen Verantwortlichen bestimmen, die die organisatorische Vorbereitung in die Hand nehmen. Wir stehen da selbstverständlich mit unseren Erfahrungen zur Seite. Dann fallen natürlich Kosten an: die Mensa, Bastel- und Spielmaterial, Fahrten zwischen den Einrichtungen, Betreuungskosten. Weiter brauchen wir an den Fakultäten begeisterte Mitstreiter, die sich der Kinder jeweils einen halben Tag annehmen. Ich könnte mir z. B. vorstellen, eine Chemievorlesung nach dem Vorbild unserer berühmten Weihnachtsvorlesungen, einen "Arbeitstag" im Botanischen Garten oder eine Lesestunde in der Universitätsbibliothek. Das alles muss geregelt werden und von allein wird nichts. Bis Oktober sollten sich die Fakultäten entschieden haben, ob sie an den Ferienspielen teilnehmen.

Bleiben wir bei den Kosten. Ist das nicht Sache der Eltern?

Natürlich. Auch an der Medizinischen Fakultät und am Universitätsklinikum bezahlen die Eltern rund 50 Euro für ihre Sprösslinge. Aber Fakultät und Klinikum lassen es sich nicht nehmen, etwas beizusteuern, ist es doch auch in ihrem Interesse, dass ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht nur eine Woche ruhiger in den Ferien arbeiten können, sondern dass die Kinder nach so einer erlebnisreichen Woche auch besser verstehen, wie wichtig die Arbeit ihrer Eltern ist und warum sie manchmal so spät nach Hause kommen. Alles in allem dienen auch die Ferienspiele dazu, Beruf und Familie besser zu vereinbaren.