Reinräume übergeben

Pressemitteilung vom 04.07.2006
Heute übergab Carla Smok, stellvertretende Niederlassungsleiterin der Niederlassung Leipzig II des Staatsbetriebs Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB), die neuen Reinräume an Professor Franz Häuser, Rektor der Universität Leipzig. Die Maßnahme wurde aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) zur Verbesserung der Forschungsinfrastruktur in Höhe von rund 1,14 Millionen Euro finanziert.

So konnten für das 2003 in Nutzung gegangene Biotechnologisch-Biomedizinische Zentrum (BBZ) der Universität Leipzig ein Reinraum zur Chip- und Materialoberflächenstrukturierung und -fertigung sowie ein Reinraum für Tissue-Engineering & Stammzellenpräparation im vierten Obergeschoss des BBZ etabliert werden.

Mit diesen neu geschaffenen Reinräumen wurde die gemeinsam zu nutzende Forschungsinfrastruktur am BBZ ausgebaut. Hier kann nun hochspezialisierte Forschung im Bereich der Chipentwicklung durchgeführt werden.

Die Federführung für die Chip- & Materialoberflächenstrukturierung obliegt dem Lehrstuhl für Molekularbiologisch-Biochemische Prozesstechnik und für Tissue Engineering & Stammzellenpräparation dem Lehrstuhl für Zelltechniken und angewandte Stammzellbiologie.

Hintergrund:

Der Reinraum für Chip-und Materialoberflächenstrukturierung umfasst eine Fläche von ca. 30 Quadratmetern mit ISO 6.0 (Klasse 1000) bis 5.0-Bereichen (Klasse 100). Für die Entwicklung von Chipsystemen und Mikroimplantaten werden hochmoderne Technologien zur Strukturierung von Silizium- und oxidkeramischen Substratoberflächen (Kavitäten, Gräben, Kanäle usw.), Isolations- und Passivierungsschichten (SiN, SiO, SU-8 usw.), metallisch leitenden Schichten zur Realisierung von Elektroden und Leiterbahnen (Au, Pt, Ir usw.), Silanschichten (Hexamethyldisilasan) sowie von biokompatiblen Polymerschichten (Polyimid) eingesetzt.

Fokus dieser Technologieplattform sind unter anderem photolithographische Prozesse sowie physikalische und nasschemische Ätztechniken. In diesem Bereich entstehen Entwicklungen an der Schnittstelle zur Nanotechnologie, Nanoelektronik, Mikrosystemtechnik und Sensortechnologie.

Der Reinraum für Tissue-Engineering & Stammzellenpräparation umfasst ebenfalls eine Fläche von ca. 30 Quadratmetern. In ihm werden unter GMP-gerechten Bedingungen, adulte Stammzellen und Gewebe humanen und tierischen Ursprungs, sowie allogene Zellen auf geeigneten Matrices und bei angepasster Nährstoffversorgung in offenen und geschlossenen Kultursystemen gezüchtet. Im keimdichten Behältnis befindliche Zellen gelangen über die Eingangsschleuse in den B-Bereich und werden in der Workbench, A-Bereich (S2-Klasse), geöffnet und in geschlossenen Systemen kultiviert. Je nach Gewebetyp geschieht die Kultivierung in geschlossenen Systemen bei Raumtemperatur auf dem Arbeitstisch oder bei konstanten Kulturbedingungen im Inkubator. Die hergestellten Proben gelangen steril verschlossen über die Ausgangsschleuse aus dem B-in den C-respektive D-Bereich nach draußen. So gewonnene Proben sollen dann zunächst im Tierversuch getestet werden oder gegebenenfalls beim Patienten implantiert oder extrakoporal angeschlossen werden. Die einzelnen Arbeitsprozesse sind in den SOP's (standard operating procedures) festgehalten.

In dem Reinraum für Tissue Engineering und Stammzelltechnologie werden zelltherapeutische Prozesse in Kooperation mit den klinischen Partnern vorbereitet. Die Professur für Stammzellbiologie hat Entwicklungen im Bereich Knochen/Knorpel-, Leber- und Hautsysteme bereits in der präklinischen Entwicklung erbracht. Hier wurden zahlreiche Kooperationen mit den klinischen Partnern an der Universität Leipzig initiiert.
Mit dieser neuen Reinraumanlage wird es gelingen, diese zelltherapeutischen Prozesse für präklinische aber auch klinische Entwicklungen verfügbar zu machen. Eine intensive Zusammenarbeit mit den klinischen Partnern ist hierfür vorgesehen. Diese Infrastruktur kann auch in Kooperation mit der Stammzellbiologie genutzt werden, um Projektvorscläge von Seiten der klinischen Partner umzusetzen und die technologische Unterstützung von Seiten des BBZ einzubringen und damit gemeinsame Entwicklungen für die Medizinische Fakultät zu ermöglichen.

In praktischen Kursen werden Studenten und auch Anwender der Zellkulturtechnik an das GMP-gerechte Arbeiten in derartigen Systemen vertraut gemacht. Expansion und Differenzierung von Zellkulturen, das Handling und die Kontrolle der Geräte werden geschult. Die Erstellung von SOP's gehört ebenso zum Ausbildungskonzept.

(GPM - Good Manufacturing Practise. Es bedeutet, dass Räumlichkeiten so ausgelegt werden, dass das Produkt geschützt wird - Keimfreiheit, Staubschutz)