Praxis-Leitlinien der Deutschen Diabetes-Gesellschaft erstmals als Gesamtausgabe

Pressemitteilung vom 24.05.2006
Von der 41. Jahrestagung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) in Leipzig: Neue Praxis-Leitlinien zu "Diabetes im Alter" sowie "Diabetes, Sport und Bewegung".
Zeit 24. Mai 2006 bis 27. Mai 2006
Ort Congress Center Leipzig
Messe-Allee 1

Die DDG veröffentlicht zur diesjährigen Jahrestagung im Mai 2006 erstmalig eine Gesamtausgabe aller Praxis-Leitlinien. Diese Gesamtausgabe enthält alle 14 Praxis-Leitlinien, didaktisch optimiert und ergänzt durch nützliche Tools für die Anwendung in der Arztpraxis.

Zahlreiche Praxis-Leitlinien wurden aktualisiert und zwei Praxis-Leitlinien neu entwickelt: Die neue Praxis-Leitlinien befassen sich mit den wichtigen Themen "Diabetes, Sport und Bewegung" sowie "Diabetes im Alter" und ergänzen damit das Leitlinienprogramm der DDG um zwei wesentliche Anwendungsempfehlungen für die tägliche Praxis. Um die Implementierung der Empfehlungen in die Praxis zu unterstützen, wurden alle Praxis-Leitlinien didaktisch überarbeitet. Die wichtigsten Bereiche werden übersichtlicher dargestellt. Praxistools im Anhang jeder Leitlinie dienen dem schnellen Nachschlagen von Messwerten, Empfehlungen oder Untersuchungsbögen. Weiterführende Internetadressen informieren über angrenzende Fachdisziplinen.

Komplett überarbeitet liegt nun auch die evidenzbasierte Leitlinie "Diagnostik und Therapie von Herzerkrankungen bei Diabetes mellitus" vor. Diese DDG-Leitlinie wurde mit der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie abgestimmt und ist damit gleichermaßen relevant für Diabetologen und Kardiologen. Erneut aktualisiert wurde die evidenzbasierte Leitlinie "Adipositas und Diabetes mellitus" als gemeinsame Leitlinie der DDG, der Deutschen Adipositas-Gesellschaft, der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. und der Gesellschaft für Ernährungsmedizin. Weitere Aktualisierungen von evidenzbasierten DDG-Leitlinien werden in Kürze zum diabetischen Fußsyndrom, Diabetes mellitus im Kindes- und Jugendalter sowie zur Thematik Psychosoziales und Diabetes mellitus auf den Webseiten der DDG veröffentlicht werden.

Damit hat die DDG nun 14 Praxis-Leitlinien und 15 evidenzbasierte Leitlinien entwickelt und herausgegeben. Alle DDG-Leitlinien verfolgen das Ziel, ärztliche Entscheidungen und medizinische Abläufe in Prävention, Diagnostik, Therapie und Langzeitbehandlung des Diabetes mellitus und seiner Begleit-und Folgekrankheiten zu unterstützen. Für die Praxis heißt das, bei möglichst vielen Patienten optimale Behandlungserfolge zu erzielen. Für Patienten und Interessierte stellt das Deutsche Diabetes-Zentrum DDZ Düsseldorf leitlinienbasierte und qualitätsgesicherte Bürger- und Patienteninformationen im Internet (www.diabetes-deutschland.de) bereit. Damit ist es der DDG gelungen, ein einheitliches, aufeinander aufbauendes Leitliniensystem für Experten, Praktiker und Laien anzubieten.

Praxis-Leitlinie "Diabetes, Sport und Bewegung"

Unterschiedlicher Stellenwert von Sport und Bewegung im Therapiekonzept des Typ 1 und Typ 2 Diabetes

Im Therapiekonzept des Diabetes mellitus haben Sport und Bewegung für Menschen mit Typ 1 und Typ 2 einen grundsätzlich unterschiedlichen Stellenwert. Die Insulinsubstitution beim Typ 1 Diabetes erhöht das Risiko für Stoffwechselentgleisungen (Hypoglykämien und Ketoazidosen) bei körperlicher Aktivität und Sport. Wichtiges Behandlungsziel ist daher die risikoarme Integration von Sport und Bewegung in das Alltagsleben dieser Menschen mit Diabetes. Die Wissensvermittlung über den Zusammenhang von Insulinbehandlung und Bewegung muss Bestandteil jeder strukturierten Schulung für Typ 1 Diabetiker sein. Bei Typ 2 Diabetes ist die gestörte Insulinwirksamkeit der grundlegende Defekt dieser Form des Diabetes. Maßnahmen, die die Steigerung der Insulinwirksamkeit bewirken, bieten eine therapeutische Option zur kausalen Behandlung des Typ 2 Diabetes. Nur die lebenslange Umstellung auf einen körperlich aktiven Lebensstil kann bei Menschen mit bereits vorhandenem Typ 2 Diabetes zur Besserung der Blutzuckereinstellung, Senkung erhöhter Blutfette und Normalisierung des Blutdrucks beitragen. Bei Menschen mit gestörter Glukosetoleranz kann ein aktiver Lebensstil das Manifestationsrisiko für Typ 2 Diabetes senken. Die neue Praxis-Leitlinie verdeutlicht auch die Prinzipien der medikamentösen Therapie des Typ 2 Diabetes.

Praxis-Leitlinie "Diabetes im Alter"

Ältere Menschen brauchen altersspezifische multimodale Therapiekonzepte

Ältere Menschen sind besonders häufig von einem Diabetes mellitus betroffen. So leidet nahezu jeder fünfte (18,7 Prozent) Mensch im Alter zwischen 65 und 74 Jahren an Diabetes. Weitere 23 Prozent der älteren Menschen erfüllen die Kriterien der gestörten Glukosetoleranz. Neben den bekannten mikroangiopathischen Folgen der Erkrankung wie Nephropathie, Retinopathie und Neuropathie stehen beim älteren Menschen zwei andere wichtige Krankheitsgruppen im Vordergrund. Dies ist zum einen die Arteriosklerose mit den typischen Folgen Schlaganfall und Herzinfarkt, aber auch die weniger bekannten Folgen wie die vaskuläre Demenz oder Impotenz. Diese Erkrankungen sind durch Blutzuckersenkung nur wenig zu beeinflussen und benötigen alterspezifische multimodale Therapiekonzepte. Die zweite große Krankheitsgruppe betrifft die Störungen der Alltagsfähigkeit des älteren Menschen (geriatrische Funktionsstörungen). Sturzneigungen, Depressionen, Gedächtnisverlust oder auch Schlafstörungen können durch Diabetes bei älteren Menschen noch verschlimmert werden. Mit der neuen Praxis-Leitlinie wird den Hausärzten und Diabetologen ein übersichtliches Hilfsmittel an die Hand gegeben, welches checklistenartig die zahlreichen Störungen aufzählt. Zu jeder Folge oder Begleiterkrankung finden sich Hinweise, wie man sich der Problemstellung nähern kann und welche Besonderheiten beim älteren Menschen zu beachten sind.

Überarbeitete evidenzbasierte Leitlinie "Diabetes und Herz" mit Relevanz für Diabetologie und Kardiologie

Mit der Vorlage der völlig überarbeiteten Leitlinie "Diagnostik und Therapie von Herzerkrankungen bei Diabetes mellitus" wird die bestehende Version "Diabetes und Herz" ersetzt. Wie bereits die Spezifizierung des Titels aufzeigt, sind die Verfahren und neuen Methoden zur Diagnostik und zur Prävention der progredienten Herzerkrankung besonders bei Patienten mit Diabetes mellitus stärker in den Focus der Leitlinie gerückt, um gerade die enorme Wichtigkeit der direkten Zusammenhänge zu betonen.

Neueste praktische Erkenntnisse aus relevanten, teils noch nicht publizierten Studien wie der CHARISMA-Studie sowie Erfahrungen aus der alltäglichen kardiologischen Praxis sind in die Neuformulierung der Leitlinie eingeflossen. Berücksichtigung wurden ebenfalls bestehende Leitlinien wie etwa die der ADA oder der ACC oder aber auch Expertenmeinungen der EU-Konferenz zur Prävention des Diabetes mellitus Typ 2.

Bei der Leitlinie handelt es sich um eine komplett überarbeitete Version und um ein Dokument, dass gleichermaßen für die Diabetologie als auch für die Kardiologie von großer Relevanz ist.

Alle Leitlinien der DDG sind in die höchste Qualitätsstufe S 3 des Leitlinien-Bewertungssystems der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) eingearbeitet worden. Die Leitlinien werden regelmäßig aktualisiert. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse zwischen den Terminen werden zeitnah in den Online-Versionen auf den DDG-Webseiten veröffentlicht.

Die Diabetes-Leitlinien sind ein Projekt der DDG. Sie werden finanziert mit Mitteln der DDG und des Nationalen Aktionsforums Diabetes mellitus (NAFDM), das von der Deutschen Diabetes-Union koordiniert wird. Alle Leitlinien werden von den Mitgliedern der DDG sowie anderen Gruppierungen ehrenamtlich erstellt.

Sämtliche DDG-Leitlinien sind auf den Webseiten der DDG unter www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de, die Patienten- und Bürgerversion unter www.diabetes-deutschland.de abrufbar.

Anfragen oder Kommentare zu den Leitlinien nimmt der Vorsitzende der Leitlinien-Kommission der DDG, Professor Dr. W. A. Scherbaum, Deutsches Diabetes-Zentrum DDZ Düsseldorf, E-Mail: scherbaum@ddz.uni-duesseldorf.de entgegen.

Deutsche Diabetes-Klinik
Direktor: Prof. Dr. med. W. A. Scherbaum
Tel.: 0211 3382-200, Fax: 0211 3369-103
E-Mail: scherbaum@ddz.uni-duesseldorf.de

Institut für Klin. Biochemie und Pathobiochemie
Direktor: Prof. Dr. med. D. Müller-Wieland
Tel.: 0211 3382-240, Fax: 0211 3382-430
E-Mail: mueller-wieland@ddz.uni-duesseldorf.de

Institut für Biometrie und Epidemiologie
Direktor: Prof. Dr. rer. nat. G. Giani
Tel.: 0211 3382-259, Fax: 0211 3382-677
E-Mail: giani@ddz.uni-duesseldorf.de