Der Streit um die Insulinanaloga

Pressemitteilung vom 19.05.2006
Das ist eines der Themen, die auf der 41. Jahrestagung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft eine Rolle spielen. Dieses Problem und andere Fragen rund um das Thema Diabetes werden auf der Kongresspressekonferenz behandelt.
Zeit 26. Mai 2006, 12:00 Uhr
Ort Neue Messe Leipzig
Congress Center
Messeallee 1

Nach der Eröffnungspressekonferenz am 23. Mai 2006, auf der aktuelle Fragen von Diagnose, Behandlung und Prävention des Diabetes auf der Tagesordnung stehen, behandelt die Kongresspressekonferenz wichtige Ergebnisse der Tagung. Neben allgemein interessierenden Fragen werden auf dieser Pressekonferenz auch Probleme behandelt, die besonders für Fachjournalisten interessant sind:

  1. Ergebnisse des Kongresses

    Prof. Dr. Wieland Kiess, Direktor der Universitätskinderklinik Leipzig und Tagungspräsident der 41. Jahrestagung der DDG, reflektiert das Anliegen und die vorläufigen Ergebnisse des Kongresses und gibt einen Ausblick auf die Zukunft der Diabetesversorgung in Deutschland - keine leichte Aufgabe, bedenkt man die zunehmende Zahl von Typ-2-Diabetikern.


  2. Der Streit um die Insulinanaloga

    Der so genannte "Streit um die Analoga" beschäftigt seit kurzem Ärzte, Betroffene und Medien. Die Hintergründe: Insulinanaloga sind veränderte Insuline, deren Wirkung der Physiologie und den Bedürfnissen der Patienten angepasst werden kann. Man unterscheidet zwischen kurzwirksamen und langwirksamen Insulinanaloga. Die kurzwirksamen Analoga sollen künftig für Typ-2-Diabetiker nicht mehr verschreibbar sein. Diesbezüglich werden unterschiedlichste Ansichten vertreten, der "Streit um die Analoga" ist in vollem Gange, eine Anhörung im Bundesausschuss steht bevor. Was genau steckt hinter dem Streit? Wird der Wegfall in der Insulintherapie nun gesetzlich verordnet? Was bedeutet das für die Patienten und unsere Gesellschaft? Fragen, auf die Prof. Dr. Wolfgang Kerner, Klinik für Diabetes und Stoffwechselerkrankungen in Karlsburg und Präsident der DDG, die Antworten gibt. Er spricht über die Versorgung der an Typ-2-Diabetes erkrankten Menschen in Deutschland nicht nur aus der Sicht des Arztes.


  3. Diabetes - Ernährung - Prävention: Kritisch diskutiert

    Das Diabetesrisiko steigt rasant mit dem Körpergewicht: jeweils 4 kg Gewichtszunahme verdoppeln das Risiko, und 4 kg Gewichtsreduktion halbieren es. Die Zunahme des Übergewichts und damit des Diabetes in der Bevölkerung könnte durch eine "klügere" Ernährung reduziert oder sogar umgekehrt werden - ein wichtiger Schritt zur Prävention. Aber wie sieht eine klügere Ernährung aus? Gibt es das Allheilmittel? Welche aktuellen Fragen beschäftigen die Ernährungsmediziner? Was ist noch ungeklärt? Prof. Dr. Andreas Pfeiffer von der Charité Berlin wird das Thema "Diabetes - Ernährung und Prävention" kritisch diskutieren.


  4. Intra-abdominale Adipositas: Mythen und Mechanismen

    Über "Intra-abdominale Adipositas: Mythen und Mechanismen" spricht Prof. Dr. Hans Hauner aus München. Die Adipositas ist der mit Abstand wichtigste Risikofaktor für die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes. Eine Vielzahl klinischer Studien hat in den letzten Jahren gezeigt, dass es dabei nicht nur auf die Größe, sondern auch auf die anatomische/regionale Verteilung der Fettdepots ankommt. Vor allem eine stammbetonte Fettverteilung mit vergrößerten intra-abdominalen Fettdepots, also Fettansammlungen im Bauchraum, ist eng mit einem erhöhten Diabetesrisiko verknüpft. Prof. Hauner erklärt, warum die intra-abdominale Adipositas so gefährlich ist.


  5. Betazellen aus adulten Stammzellen - Könnte das die Heilung von Diabetes bedeuten?

    "Diabetes - Möglichkeiten der Heilung" ist das Thema von Prof. Dr. Jochen Seißler, Universitätsklinikum München. In Deutschland ist momentan bei etwa 5 bis 6 Prozent der Bevölkerung ein Diabetes mellitus bekannt. Nach aktuellen Daten einer Studie in Süddeutschland ist bei den über 55-Jährigen in mehr als 40 Prozent eine Störung des Blutzuckerstoffwechsels zu beobachten. Diese Ergebnisse lassen vermuten, dass in den nächsten Jahren die Häufigkeit des Diabetes epidemieartig zunehmen wird. In den nächsten 20 Jahren wird sogar eine Verdopplung der Patientenzahlen erwartet. Die Auswirkungen des Diabetes führen zu einer erheblichen Minderung der Lebensqualität der Betroffenen. Die Behandlung der Krankheit ist aber auch eine enorme Belastung für unser Gesundheitssystem. Angesichts dieser Situation werden bessere Behandlungsformen dringend benötigt. Prof. Seißler berichtet, wie jüngste Erfolge auf dem Gebiet der Stammzellforschung neue Perspektiven für die Behandlung des Diabetes mellitus eröffnen: Aus adulten Stammzellen werden Betazellen hergestellt und anschließend dem Diabetiker retransplantiert. "Mit dieser neuen Therapieoption könnte es erstmals gelingen, den Diabetes mellitus bei einer großen Zahl von Patienten zu heilen und das Auftreten schwerer Folgeerkrankungen komplett zu verhindern", so Prof. Seissler.


  6. Ökonomie und Ethik in der Medizin: Sind innovative medizinische Leistungen angesichts knapper werdender Ressourcen noch finanzierbar?

    Unter dem Motto "Ökonomie und Ethik" diskutiert Dr. Alexander Risse, Städtische Kliniken Dortmund, Fragen des ethisch-moralisch-ökonomischen Schnittgebietes innerhalb der Medizin bzw. der Diabetologie. Ethik, Moral, Sitte, Sittlichkeit sind Dimensionen, die in den letzten Dekaden aufgrund des vorherrschenden naturwissenschaftlich-reduktionistischen Paradigmas der Medizin permanent vernachlässigt wurden. Im Vordergrund standen Fragen der Innovation und der wissenschaftlichen Entdeckungen. Mit der zunehmenden Verknappung der finanziellen Ressourcen werden aber Fragen der ökonomischen Relevanz medizinischer und wissenschaftlicher Leistungen und damit ihre Finanzierbarkeit immer drängender. Dr. Risse: "Spätestens seit den konkreten Überlegungen des gemeinsamen Bundesausschusses, bestimmte Pharmaka aus der Versorgung zu entfernen, ist klar, dass VOR derartigen Entscheidungen die WERTEFRAGEN zu klären sind, um nicht in den affektiv hochaufgeladenen Dauerdiskussionen mit mutuellen Beleidigungen zu enden, wie es derzeit der Fall ist."

Bitte informieren Sie uns rechtzeitig über Ihre Teilnahme an der Kongresspressekonferenz. Für weitere Fragen im Vorfeld der Veranstaltung stehen wir Ihnen gern zur Verfügung.