Festschrift: 100 Jahre Karl-Sudhoff-Institut

Pressemitteilung vom 02.05.2006
Das älteste medizinhistorische Institut der Welt, das Karl-Sudhoff-Institut für Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften der Universität Leipzig, gibt anlässlich seines 100jährigen Jubiläums eine kleine Festschrift heraus, die einen Überblick über die Arbeit des Institutes in Vergangenheit und Gegenwart gibt.

"Was wir hier als Gemeinschaftsarbeit vorlegen, [...] ist die Vergangenheit in aller gebotenen Kürze zumindest skizzenhaft so dargestellt, dass die Stationen des Instituts, seine Forschungsschwerpunkte unter den verschiedenen Direktoren, seine Aufgaben und seine Leistungen erkennbar werden. [...] Gleichzeitig wird auch deutlich, wie sich die aktuelle Forschungssituation, die Einbindung in die Medizinische Fakultät und in die Universität Leipzig als Ganzes sowie die Außenwirksamkeit heute darstellen.", so beschreibt die jetzige Direktorin des Karl-Sudhoff-Instituts für Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften der Universität Leipzig, Prof. Dr. med. Dr. phil Ortrun Riha, den Inhalt der Festschrift, der ergänzt wird durch ein Personalverzeichnis, eine Auswahlbibliographie und eine Veranstaltungsübersicht, aber auch durch eine Reihe von Fotos, die Personen darstellen bzw. Ereignisse und Örtlichkeiten illustrieren.

Die Festschrift geht nicht, wie gemeinhin üblich, vom Beginn des Institutes aus, sondern beginnt mit einer Standortbestimmung für die Gegenwart durch die Institutsdirektorin Prof. Riha. "Wozu Geschichte?" ist hier ein Abschnitt betitelt, die am didaktischen Ansatz und ethischen Anspruch der Wissenschaftlerin keinen Zweifel lässt: "Nun soll das Medizinstudium auch Fertigkeiten [...] vermitteln und zwei [...] sind im Alltag der Medizin unverzichtbar [...] - ein kritischer Umgang mit Quellen und die Fähigkeit zum Perspektivenwechsel: Ohne hermeneutische Grundbegriffe wird der Arzt zum unkritischen Verbraucher, denn er hat nie gelernt, dass auch eine Wirksamkeitsstudie, eine Werbebroschüre oder eine Internetseite eben nur Texte sind, [...] die der Interpretation bedürfen, und keine Offenbarung objektiver Wahrheit. Und wer nie erfahren hat, dass die gegenwärtige mitteleuropäische medizinisch-ärztliche Sichtweise keineswegs die einzige mögliche ist, wird nie die Empathie aufbringen, die Patienten als Laien, als Kranke und Hilfsbedürftige [...] benötigen und erwarten."

Es ist wie immer ein Vergnügen, den Ausführungen der Medizinhistorikerin zu folgen, denen provozierende Fragen [Was hat sich der Wissenschaftsrat nun bei dieser Aufwertung der geisteswissenschaftlichen Anteile im Medizinstudium gedacht?] ebenso wenig fehlen wie ironische Kommentare [Noch heute erwarten viele Studierende als Gegenstand der Medizingeschichte lediglich eine Anhäufung von Namen "großer Männer" und von Daten wichtiger Entdeckungen und Erstbeschreibungen, die zielstrebig und zwangsläufig auf unser gegenwärtiges Niveau hinführen.]

Es folgen ein Kapitel zur Geschichte des Institutes von Prof. Dr. med. Ingrid Kästner und zur Geschichte der Naturwissenschaften, die 1957 in das Institut integriert wurde, von Prof. Dr. rer.nat. Hans Wußing und Dr. rer.nat. Wolfgang Schreier. Neben der Darstellung einzelner Forschungsprojekte und des wichtigsten Arbeitsmittels des Institutes, die Bibliothek, darf natürlich auch die medizinhistorische Sammlung nicht fehlen: Dr. phil. Sabine Fahrenbach, die sich im Rahmen einer Revisionsinventarisierung um die Vereinheitlichung der vorhandenen Dokumentationen verdient gemacht hat, beschreibt das Inventar der Sammlung und gibt einen Überblick über die Ausstellungen, die sie seit der Übernahme der Sammlung 1995 zu verantworten hatte. Bleibt zu hoffen, dass ihre Zukunftsvision recht bald doch einmal umgesetzt wird, die Sammlung in eigenen Räumlichkeiten einer breiten Öffentlichkeit präsentieren zu können.