Die Vererbung von Atherosklerose ist geschlechtsabhängig

Pressemitteilung vom 18.04.2006
Auf der Suche nach dem Gen, das für Atherosklerose (Arterienverkalkung) verantwortlich ist, machte ein junger Wissenschaftler der Universität Leipzig eine erstaunliche Entdeckung: Atherosklerose kann nur vom gegenteiligen Geschlecht vererbt werden.

Dr. Daniel Teupser, Institut für Laboratoriumsmedizin, Klinische Chemie und Molekulare Diagnostik der Universität Leipzig, untersuchte während seines Aufenthalts an der Rockefeller University New York die Genetik von Atherosklerose, im Volksmund auch Arterienverkalkung genannt. Die Atherosklerose ist die Ursache vieler gefährlicher Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder Bluthochdruck. Sie ist zum einen umwelt- zum anderen genetisch bedingt.

Für seine Forschung nutzten Dr. Teupser und sein Team zwei unterschiedliche Mäusestämme: einen, der resistent gegen Atherosklerose ist und einen atheroskleroseanfälligen. Sie fanden heraus, dass die genetische Anfälligkeit für Atherosklerose geschlechtsabhängig ist: Die atheroskleroseanfälligen Vorfahren müssen gegenteiligen Geschlechts sein.

Untersuchungsmethoden und -ergebnisse

Die Wissenschaftler kreuzten atheroskleroseanfällige, sogenannte C57BL/6-Mäuse, mit atheroskleroseresistenten Mäusen, sogenannte FVB/N- Mäuse. Die folgenden Generationen wurden auf ihre Anfälligkeit für Atherosklerose geprüft. Dazu nutzten die Wissenschaftler eine Software, mit der die Genabschnitte identifiziert werden konnten, die für die Atheroskleroseanfälligkeit verantwortlich sind. Sie identifizierten das Chromosom 10 bei den männlichen und weiblichen Mäusen, das Chromosom 3 nur bei den weiblichen Mäusen und das Chromosom 12 bei weiblichen Mäusen, aber nur dann, wenn sie aus einer Linie stammten, deren männlicher Vorfahre Träger eines atheroskleroseanfälligen Gens war. Umgekehrt fand sich das entsprechende Chromosom 12 nur in männlichen Mäusen, wenn der weibliche Vorfahr das Anfälligkeits-Gen hatte.

Schlussfolgerung

"Die Weitergabe des Gens, das für Atherosklerose verantwortlich ist, ist abhängig vom Geschlecht der Elterngeneration. Trägt ein männlicher Nachkomme dieses Gen, muss zuvor die Mutter dieses Gen getragen haben. Umgekehrt erfordert ein weiblicher Nachkomme mit diesem Gen einen entsprechenden männlichen Vorfahren.", sagt Dr. Teupser. "Wenn wir also beim Menschen dahinter kommen wollen, wie Atherosklerose und damit Herzinfarkt oder Schlaganfall vererbt werden können, müssen wir die Vererbungslinie beachten."

"Mit dieser Erkenntnis sind wir auf der Suche nach den genetischen Grundlagen der Atherosklerose ein beträchtliches Stück vorangekommen", freut sich Prof. Dr. Joachim Thiery, Direktor des Instituts für Laboratoriumsmedizin, Klinische Chemie und Molekulare Diagnostik der Universität Leipzig. "Dr. Teupser wird in dieser Richtung weiterforschen."

Die Entdeckung wurde jetzt veröffentlicht in den "Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America".