Ausmaß der Schulterinstabilität lässt sich durch dreidimensionale Darstellung beurteilen

Pressemitteilung vom 04.04.2006
Eine dreidimensionale Darstellung des Schultergelenkes bei Patienten mit Schulterinstabilitäten im Vergleich mit Gesunden zeigt: Die Verschiebbarkeit des Gelenkkopfes in der Gelenkpfanne ist bei den Patienten besonders hoch. Für diesen Nachweis erhielt der Leipziger Orthopäde Dr. Michael Thomas den HEINE-Preis der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie e.V.

Bei einer Luxation des Schultergelenkes, gemeinhin auch als Arm-Auskugeln oder Schulter-Verrenkung bezeichnet, springt der Oberarmkopf aus der Gelenkpfanne. Diese sehr schmerzhafte Luxation ist die häufigste Verrenkung der Gelenke, begünstigt durch die anatomische Beschaffenheit des Schultergelenkes mit relativ großem Kopf und kleiner Pfanne, die die große Beweglichkeit der Schulter erst möglich macht. Ist die Verschiebbarkeit des Oberarmkopfes in der Gelenkpfanne, fachsprachlich auch glenohumorale Translation genannt, aber besonders hoch, kann daraus eine Schulterinstabilität resultieren, die dann leicht zur Schulterluxation führen kann. Durch eine Operation mit anschließender Rehabilitation kann der Zustand normalisiert werden.

Diesen Zusammenhang untersuchte Dr. med. Michael Thomas von der Orthopädischen Klinik in Zusammenarbeit mit der Klinik für Diagnostische Radiologie und dem Institut für Sportmedizin, alle Universität Leipzig, in seiner Habilitationsschrift. Das genaue Thema seiner Arbeit lautete "Quantitative Bestimmung der dreidimensionalen glenohumeralen Translation bei Patienten mit vorderer Schulterinstabilität: Untersuchungen bei schultergesunden Personen und bei Patienten vor und nach operativer Stabilisierung einschließlich Scorebewertung".

Normalerweise wird die Verschiebbarkeit des Gelenkkopfes durch Ultraschall oder mittels elektromagnetischer Sensoren gemessen. Diese Messungen sind aber auf zwei Dimensionen (Ebenen) beschränkt. Die natürliche Translation des Oberarmkopfes findet jedoch im dreidimensionalen Raum statt. Mit einer dreidimensionalen Translationsmessung kann die räumliche Positionsänderung des Oberarmkopfes wesentlich genauer erfasst werden. Das gelang dem Leipziger Orthopäden mit Magnet-Resonanztomografieaufnahmen, die anschließend dreidimensional bearbeitet wurden. Die Bilder ergaben bei Patienten mit Schulterinstabilität eindeutig eine vermehrte Verschiebbarkeit des Oberarmkopfes in der Instabilitätsrichtung, d. h. in Richtung des vorderen Pfannenrandes, die hauptsächlich für nachfolgende Verletzungen verantwortlich ist. Dem Orthopäden gelang es weiterhin, das Ausmaß der Instabilität zu beurteilen. Bei schulteroperierten Patienten konnte das Ergebnis der Operation mit anschließender standardisierter Rehabilitation quantitativ eingeschätzt werden.

Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie e.V. vergab für diese wissenschaftliche Arbeit den HEINE-Preis, der alle zwei Jahre für hervorragende Arbeiten aus dem klinisch experimentellen Bereich verliehen wird.