Gesteigerte sexuelle Aktivität im Alter

Pressemitteilung vom 14.03.2006
Bei älteren Menschen hat sich in den letzten anderthalb Jahrzehnten ein deutlicher Wandel im Liebesleben vollzogen. Dies belegt eine jetzt veröffentlichte Studie des Medizinpsychologen Prof. Dr. Elmar Brähler von der Universität Leipzig.

Rund zwei Drittel der 61- bis 75-Jährigen erklärten in der repräsentativen Umfrage, dass ihnen Sex keineswegs gleichgültig sei. Bei Frauen lag der Wert bei 63,1 Prozent, bei Männern sogar bei 69,9 Prozent. Eine starke und sehr starke sexuelle
Gleichgültigkeit gaben in derselben Altersklasse lediglich 10,1 Prozent der Männer und 15,7 Prozent der Frauen an.

"Unter den über 75-Jährigen spürten immerhin noch 61 Prozent der Frauen und 58 Prozent der Männer ein regelmäßiges sexuelles Verlangen", erklärt Brähler. Der Leiter der Selbständigen Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie macht darin im Vergleich zu früheren Untersuchungen einen erheblichen Lustgewinn in höheren Altersklassen aus. Die sexuelle Aktivität der über 60-Jährigen ist seit der zurückliegenden Erhebung von 1995 um knapp sechs Prozent auf 39 Prozent gestiegen.

Ausschlaggebend dafür seien größere Offenheit und Unbefangenheit der Generation sowie der bessere Gesundheitszustand älterer Menschen. "Potenzsteigerungsmittel wie Viagra haben hingegen keinen nennenswerten Einfluss.", sagt Brähler. Auffällig sei zudem, dass nicht das Alter die entscheidende, bestimmende Größe sei, sondern ob Mann und Frau in einer Partnerschaft lebten. Während 64 Prozent der über 60-Jährigen, die in einer festen Beziehung leben, über regelmäßigen Sex berichteten,
waren es bei den gleichaltrigen Singles nur gut sieben Prozent.

Im Vergleich zur ersten Erhebung vor 17 Jahren fand der Leipziger Wissenschaftler auch heraus, dass sich die Zahl der sexuell aktiven Männer jenseits des siebten Lebensjahrzehnts fast verdoppelte. Berichteten 1989 noch knapp 28 Prozent der Männer dieser Altersklasse, die in einer Partnerschaft leben, über Geschlechtsverkehr, waren es jetzt 54 Prozent. Bei den gebundenen Frauen blieb der Anteil hingegen konstant bei 31 Prozent. Daraus folgert Prof. Brähler: "Die Differenz hängt
auch damit zusammen, dass ältere Männer oft jüngere Partnerinnen bevorzugen. Bei Frauen in diesem Alter sind die Marktchancen schlechter."

Die Häufigkeit des sexuellen Verlangens ebbte hingegen mit zunehmendem Alter bei Mann und Frau im Vergleich zu jüngeren Altersgruppen gleichsam spürbar ab. So berichteten von einem sehr hohen und hohen sexuellen Verlangen in den zurückliegenden vier Wochen nur 5,8 Prozent der Männer und 2,5 Prozent der Frauen (beide zwischen 61 und 75 Jahren). Bei den 14- bis 40-Jährigen lag der Wert bei 52,7 Prozent bei den Männern und 34,6 Prozent der Frauen, in der Altersgruppe 41 bis 60 Jahre lag der "Lustfaktor" bei 26,7 Prozent (Männern) und 15,2 Prozent (Frauen). "Bei den Alten gibt es keine Dampfdruckkessel-Sexualität mehr, sie gehen die Sache entspannter an", schließt Psychologe Brähler.

Für die Studie hatte Brähler Ende 2004 und Ende 2005 jeweils rund 2.500 Männer und Frauen in Ost- und Westdeutschland befragt. Ein Unterschied in den Ergebnissen zwischen alten und neuen Bundesländern lasse sich nicht ausmachen.

tob