15. Lipid Meeting Leipzig - Fettstoffwechselerkrankungen und klinische Genomforschung

Pressemitteilung vom 04.12.2007
Rund 200 Wissenschaftler aus Deutschland, Europa und Übersee kommen an diesem Freitag (7.12.) zu einem interdisziplinären Kongress über Stoffwechsel- und Gefäßerkrankungen in Leipzig zusammen. Auf dem Programm stehen mehr als ein Dutzend Vorträge, acht Workshops und über 40 Posterpräsentationen zu neuen Erkenntnissen aus Forschung und Klinik.
Zeit 07. Dezember 2007 bis 08. Dezember 2007
Ort Bio City Leipzig
Deutscher Platz 5

Im Mittelpunkt des Lipid Meetings stehen aktuelle Ergebnisse aus genomweiten Analysen der Lipidregulation und lipidassoziierter Gefäßerkrankungen, neu entdeckte Funktionen der Lipide in der Signalübertragung und bei Transportprozessen sowie der Stoffwechsel bei Diabetes mellitus, Adipositas und der Atherosklerose. "Es ist unser Ziel, durch die enge Verknüpfung von medizinischer Grundlagenforschung mit der klinischen Anwendung neue Präventionsstrategien zur Bekämpfung von Folgeerkrankungen eines gestörten Lipidstoffwechsels wie Herzinfarkt und Schlaganfall erfolgreich voranzubringen", sagt Professor Dr. Joachim Thiery. Der Direktor des Instituts für Laboratoriumsmedizin der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig und des Universitätsklinikums ist Organisator des Lipid Meetings Leipzig.

Stoffwechselerkrankungen, allen voran der Herzinfarkt, sind in den westlichen Industrieländern die Todesursache Nummer eins. "Wir müssen daran arbeiten, die dafür verantwortlichen Faktoren frühzeitig zu entdecken, um den durch Lipide verursachten Verlauf zu beeinflussen und so Gefäßerkrankung hinauszuzögern oder zur Rückbildung zu bringen", so Prof. Thiery. Stoffwechselkrankheiten sind eng mit ungesundem Lebensstil, zu hohem Körpergewicht und zu wenig Bewegung verbunden. Unklar sei jedoch, warum Menschen unterschiedlich auf dieselben Belastungen reagierten. "Erst wenn wir besser verstehen, wann und warum ein Patient bei vergleichbarer Risikobelastung eine Atherosklerose entwickelt und ein anderer dagegen gesund bleibt, können wir eine gezielte Diagnostik und Therapie darauf ausrichten."

Die Entdeckung solcher "molekularer Signaturen" wird durch die rasanten Fortschritte in der genomweiten Analyse mehr und mehr möglich, die die individuelle Neigung einer Person zur Krankheitsempfindlichkeit oder Resistenz erkennbar werden lassen. Diese Thematik bildet in diesem Jahr einen besonderen Schwerpunkt des Lipidkongresses. Vorgestellt werden aktuelle Studien, bei der bei mehreren tausend Menschen eine Genomanalytik und eine Bestimmung von Stoffwechselparametern und Zeichen von Gefäßerkrankungen durchgeführt wurden. In diesen Untersuchungen wurden pro Proband 500.000 Genvarianten untersucht und in Relation zu besonderen klinischen Merkmalen gesetzt. Auch Leipziger Forscher sind laut Prof. Thiery in diesen durch das Nationalen Genomforschungsnetz geförderten Wissenschaftsprogramm beteiligt.

"Der Bedarf an einem wissenschaftlichen Meinungsaustausch zur Lipid-Geninteraktion und völlig neuen Lipidfunktionen ist aufgrund der herausragenden biologischen und klinischen Bedeutung der Lipide in den letzten Jahren auch international ständig gewachsen", weiß Prof. Thiery. Viele Forschergruppen kämen mittlerweile regelmäßig nach Leipzig, um sich hier über Neuigkeiten der Lipid- Gefäß und Genomforschung auszutauschen. So wird auf dem 15. Lipid Meeting diesmal auch ein neues Medikament vorgestellt werden, dass Cholesterin im Darm bindet und möglicherweise bei angeborenen Fettwechselstörungen helfen kann.

Die Fettstoffwechsel-Forschung geht an der Universität Leipzig bis auf die 1920er Jahre zurück und ist mit den Arbeiten des Biochemikers Rudolph Schönheimer zu Schlüsselfunktionen der Cholesterinsynthese und des Internisten Max Bürger verbunden. Dem Internisten ist die Erstbeschreibung angeborener Fettstoffwechselstörungen zu verdanken.

Gefördert wird das zweitägige Lipid Meeting dieses Jahr erstmals von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Das Lipid Meeting Leipzig ist ein etabliertes universitäres Forum zur wissenschaftlichen Diskussion und interdisziplinären Zusammenarbeit auf allen medizinisch relevanten Gebieten des Lipidstoffwechsels, der Lipid-Zell- und der Lipid-Geninteraktion.