Depressionen besser verstehen

Pressemitteilung vom 20.11.2007
Mitglieder des Online-Diskussionsforum des Kompetenznetzes "Depression, Suizidalität" schreiben Ratgeber von Betroffenen, für Betroffene

Über 10.000 Menschen nehmen sich jedes Jahr in Deutschland das Leben. 90 Prozent aller Suizide stehen in Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen, meist einer Depression. Die immer noch nicht verstandene Krankheit beschäftigt immer mehr Wissenschaftler und Betroffene. Inzwischen gibt es viele Bücher zur Depression: Ratgeber oder Fachbücher, geschrieben von Ärzten, Psychotherapeuten oder anderen Spezialisten einerseits, Erfahrungsberichte Einzelner andererseits. Mit "Schattendasein - Das unverstandene Leiden Depression" ist jetzt ein Buch erschienen, das einen vollkommen neuen Weg geht.

"Schattendasein" ist das erste Buch zur Depression, das die "subjektive" Sicht der Betroffenen mit der "objektiven" Sicht der Fachleute verbindet. Gedanken und Einsichten Betroffener und Angehöriger stehen dabei im Mittelpunkt des Buches. Dafür haben die Autoren unzählige Beiträge aus dem Internetforum des Kompetenznetzes "Depression, Suizidalität" zusammengetragen und ausgewertet. Die Beiträge der Betroffenen, so genannte "Postings", vermitteln unmittelbar und authentisch die komplexen Erfahrungen depressiv Erkrankter aller Gesellschaftsschichten und Altersklassen: "Mit ihrer Hilfe zeigen wir auf, was die Krankheit aus den Menschen macht, wie sie sich anfühlt, welche Probleme durch sie entstehen, und wie man Wege findet, um herauszukommen aus der Hoffnungslosigkeit... um wieder zurück ins Leben zu finden", erläutern die Autoren. Ergänzt werden die Postings durch Fachinformationen, die den neuesten Forschungs- und Wissensstand der Psychiatrie zum Thema Depression wiedergeben. "Unser Buch sollte hautnah sein und doch sachlich und praxisbezogen. Wir verstehen es als ein Kompendium von Erfahrungen mit der Depression. Betroffenen, ihren Familien sowie den niedergelassenen Ärzten und Therapeuten soll es eine Hilfestellung sein, die komplexe Krankheit besser zu verstehen", so die Autoren.

Das Online-Diskussionsforum des Kompetenznetzes "Depression, Suizidalität"

Alle fünf Autoren des Buches haben persönliche Erfahrungen mit der Krankheit Depression gemacht. Zusammengefunden haben sie durch das öffentliche Online-Diskussionsforum des Kompetenznetzes "Depression, Suizidalität", einem der größten Internetauftritte zum Thema Depression. "Für mich ist es eine sehr große Freude, dass von den Nutzern unseres Diskussionsforums dieses erstaunliche und beeindruckende Werk verfasst worden ist", wertschätzt Prof. Ulrich Hegerl, Sprecher des Kompetenznetzes "Depression, Suizidalität" und Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie der Universität Leipzig, die Leistung der Autoren.
Seit seiner Gründung im Jahr 2000 ist das Forum für 7.000 Betroffene und Angehörige zu einer wichtigen Plattform des Austausches und des Miteinanders in der Krankheitsbewältigung avanciert. Bislang wurden mehr als 200.000 Beiträge verfasst und stündlich kommen neue hinzu. Moderiert wird das Forum von einer Mitarbeiterin der Klinik für Psychiatrie an der Universität Leipzig und einem Münchner Facharzt für psychotherapeutische Medizin. Ziel des niederschwelligen Betreuungsangebotes ist es, Patienten und Angehörige im Sinne von "Hilfe zur Selbsthilfe" während der Erkrankung begleitend zu unterstützen.

Volkskrankheit Depression - Aufklärung hilft Depressionen erkennen und Suizide vermeiden

Die Depression ist eine der häufigsten psychischen Störungen überhaupt. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO gehen den Menschen in den Industrieländern durch keine andere Erkrankung mehr gesunde Lebensjahre verloren als durch die Depression. Circa jede vierte Frau und jeder achte Mann erkranken einmal im Leben an der schweren Krankheit. Im schlimmsten Fall ist der Leidensdruck der Betroffenen so hoch, dass sie nicht mehr leben wollen. Bei rund zehn bis 15 Prozent der schwer depressiv Erkrankten führt die Depression zum Suizid, die Zahl der Suizidversuche ist noch weitaus höher.

Wird eine Depression rechtzeitig erkannt und behandelt, kann das Schlimmste verhindert werden - derzeit ist das jedoch nur bei jeder zehnten Depression der Fall. Das Kompetenznetz "Depression, Suizidalität" und der gemeinnützige Verein "Deutsches Bündnis gegen Depression e.V." sind Deutschlands wichtigste Institutionen für Aufklärung, Forschung und Verbesserung der Versorgung im Bereich depressiver Erkrankungen. Auf den Website www.kompetenznetz-depression.de sowie www.buendnis-depression.de finden Betroffene, Angehörige und Freunde sowie Fachleute umfangreiche Informationen zum Krankheitsbild Depression, wichtige Adressen, einen Selbsttest Depression und ein Online-Diskussionsforum.

Das Kompetenznetz "Depression, Suizidalität" ist ein bundesweites Netzwerk zur Optimierung von Forschung und Versorgung im Bereich depressiver Erkrankungen. Das Projekt wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).


Zum Buch:
Müller-Rörich, Hass, Margue, van den Broek, Wagner (2007) "Schattendasein. Das unverstandene Leiden Depression", erschienen im Springer Medizin Verlag Heidelberg.

Weitere Angaben:
www.buendnis-depression.de
www.schattendasein.info

Kathrin Winkler