Volksmedizin als Wissensquelle

Pressemitteilung vom 06.11.2007
Um "Neue Perspektiven in Ethnobotanik und Ethnopharmakologie" - also die Einbindung des Arzneischatzes der Volksmedizin in die moderne Heilkunde - geht es vom 8. bis zum 11. November im Grassi Museum für Völkerkunde zu Leipzig. Das Museum ist Schauplatz des "6th European Colloqium on Ethnopharmacology" und der "20. Fachkonferenz Ethnomedizin" (ESE & AGEM). Veranstalter ist die Arbeitsgemeinschaft Ethnomedizin, die von der Thyssen Stiftung unterstützt wird und an der Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen der Universität Leipzig beteiligt sind.

Organisator der Veranstaltung ist der Potsdamer Dr. Ekkehard Schröder, Leiter der Arbeitsgemeinschaft Ethnomedizin und Herausgeber der Zeitschrift "Curare". Unterstützt wird er von Prof. Ursula G. Froster, Direktorin des Instituts für Humangenetik der Medizinischen Fakultät an der Universität Leipzig. Weitere Mitorganisatoren sind Dr. Claus Deimel (Grassi-Museum) und von Seiten der Universität Leipzig Prof. Bernhard Streck (Institut für Ethnologie), Prof. Dr. Ortrun Riha (Carl-Sudhoff Institut) und Dr. Monika Krüger (Fakultät für Veterinärmedizin).

"Ethnobotanik und Ethnopahmakologie sind für Botaniker und Pharmakologen, aber auch für Kulturwissenschaftler, speziell Medizinethnologen aktueller denn je", erläutert Prof. Froster das Anliegen der Konferenz. "Die Erhaltung der biologischen Artenvielfalt, die Bewahrung traditionellen Wissens und die Förderung von medizinischen Traditionen zählen zu den wichtigsten wissenschaftlichen Aufgaben." So stellt jede ethnopharmakologische Forschung eine multidisziplinäre Anstrengung dar. Ethnobotaniker und Ethnopharmakologen sind zudem mit den Rechten von lokalen Bevölkerungen konfrontiert, ihre Ressourcen selbst zu nutzen, und mit den Ansprüchen von Staaten auf diese Ressourcen. Das sich aus diesen Interessen ergebende Konfliktpotential ist eines der Themen der Leipziger Konferenz.

Weitere Komplexe, die auf der Tagesordnung der Leipziger Konferenz stehen, sind unter anderem "Die Wertschätzung traditionellen Wissens", wo es unter anderem um tibetische Rezepturen geht, sowie "Haut und Hülle: Dermatologie, Kosmetik und Prävention", wo beispielsweise die Kultur des Haares in Brasilien und die traditionelle Kosmetik im Jemen eine Rolle spielen.

Die Arbeitsgemeinschaft Ethnomedizin ist 1970 in Hamburg gegründet worden. Sie fördert die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen der Medizin einschließlich der Medizinhistorie, der Humanbiologie, Pharmakologie und Botanik und angrenzender Naturwissenschaften einerseits und den Kultur- und Gesellschaftswissenschaften andererseits, insbesondere der Ethnologie, Kulturanthropologie, Soziologie, Psychologie und Volkskunde. Ziel ihrer Arbeit ist, das Studium der Volksmedizinen, aber auch der Humanökologie und Medizinsoziologie zu intensivieren.

mhz