Deutschlandweiter Aktionstag zum Bauchspeicheldrüsenkrebs

Pressemitteilung vom 01.11.2007
Interview mit Prof. Dr. med. Joachim Mössner, Direktor der Klinik und Poliklinik II am Universitätsklinikum Leipzig und Leiter des Projekts Bauchspeicheldrüsentag der Gastro-Liga e.V.
Zeit 03. November 2007, 10:00 Uhr
Ort Hörsaal der Inneren Medizin
Johannisallee 32

Zum ersten Mal widmet sich in diesem Jahr ein deutschlandweiter Aktionstag der Bauchspeicheldrüse. Am 3. November steht in öffentlichen Informationsveranstaltungen das kleine, aber sehr wichtige Körperorgan im Mittelpunkt. "Wir wollen über mögliche Erkrankungen und neueste wissenschaftliche Erkenntnisse informieren", sagt Prof. Joachim Mössner, Direktor der Klinik und Poliklinik II am Universitätsklinikum Leipzig und Leiter des Projekts Bauchspeicheldrüsentag der Gastro-Liga e.V., im Interview. "Gerade der Bauchspeicheldrüsenkrebs ist eine der tückischsten Tumorarten, weil er erst sehr spät und auch sehr unspezifische Symptome hervorruft."

Während die Lunge rasseln, das Herz klopfen und der Magen schmerzen kann, verrichtet die Bauchspeicheldrüse unauffällig ihren Dienst - selbst unter höchsten Belastungen. Wie kann ich dieses kleine, aber sehr wichtige Organ pfleglich behandeln?

Prof. Mössner: Da muss man erst einmal wissen, welche Aufgaben die Bauchspeicheldrüse hat: Sie produziert einerseits Verdauungssäfte mit wichtigen Enzymen, die verschiedene Nahrungsbestandteile im Darm aufspalten können. Zudem ist sie ein Hauptlieferant überlebenswichtiger Hormone wie Insulin, mit denen die Blutzuckerkonzentration im Körper geregelt wird. Wenn also vom Körper bei zu reichlicher Nahrungsaufnahme ständig zuviel Insulin verlangt wird, kann zu einer "Erschöpfung" der Insulinsekretion der Drüse kommen. Deshalb sagen wir, dass großes Übergewicht eine stetige, hohe Stoffwechselbelastung darstellt, an der auch die Bauchspeicheldrüse scheitern kann. Übergewicht ist ferner ein Risikofaktor für einige bösartige Erkrankungen, so auch ein Risikofaktor für den Bauchspeicheldrüsenkrebs, das Pankreaskarzinom. Der Star-Tenor Luciano Pavarotti, der kürzlich an einem Pankreaskarzinom starb, war ja nicht gerade der Schlankste. Aber auch Rauchen und Alkohol schaden, können zu akuten oder chronischen Entzündungen des Pankreas und zum Bauchspeicheledrüsenkrebs führen. Jedes dritte Pankreaskarzinom wäre zu verhindern, wenn nicht geraucht würde.

Wenn es zu Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse kommt - welche Symptome gibt es da?

Bei akuten und chronischen Entzündungen entstehen starke Schmerzen im Oberbauch, die auch in den Rücken ausstrahlen können. Denn die Bauchspeicheldrüse liegt im mittleren bis oberen Bereich der Bauchhöhle hinter und unter dem Magen, nahe der Wirbelsäule und vor den Nieren. Ein weiteres Symptom kann Erbrechen sein. Diese Entzündungen sind in den meisten Fällen zu beherrschen, nur in seltenen Fällen nehmen sie einen fulminanten, tödlichen Verlauf. Übergewicht ist ein Risikofaktor für die Gallenblasensteinbildung. Gallensteine wiederum sind ein Risiko für das Entstehen einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung, der sogenannten Pankreatitis. Aber gerade der Bauchspeicheldrüsenkrebs ist eine der tückischsten Tumorarten, weil er erst sehr spät und auch sehr unspezifische Symptome hervorruft.

Schmerzen hat man also am Anfang nicht?

Nein, der Krebs macht lange keine Schmerzen. Dann kann er Gelbsucht hervorrufen, einen Gewichtsverlust bringen oder Rückenschmerzen verursachen. Das Problem beispielsweise bei den Rückenschmerzen ist aber, unter den vielen Menschen, die aus ganz unterschiedlichen Gründen Rückenschmerzen haben, diejenigen herauszufinden, bei denen ein Pankreaskarzinom dahinter steckt. Denn Eile ist angesagt. Nur wenn der Tumor noch sehr klein ist, hat der Betreffende eine gewisse Chance. Aber fast die Regel ist es, dass der Tumor streut, also Metastasen bildet. Dann ist operativ nicht viel zu machen, zudem bringt auch eine Chemotherapie nur bedingt Erfolge. Deshalb ist der Bauchspeicheldrüsenkrebs eine der bösartigsten Erkrankungen in der inneren Medizin.

Auf diese Gefahren wollen Sie beim Bauchspeicheldrüsentag aufmerksam machen?

Genau. Die Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Krankheiten von Magen, Darm, Leber und Stoffwechsel sowie von Störungen der Ernährung - kurz Gastro-Liga, deren stellvertretender Vorsitzender ich bin - will bundesweit über die Ursachen, Anzeichen und Risikofaktoren von Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse aufklären. In Leipzig werden meine Mitarbeiter und ich am 3. November ab 10:00 Uhr im Hörsaal der Inneren Medizin, Johannisallee 32, erläutern, wie das Organ funktioniert und wozu es gebraucht wird. Zudem erklären wir Erkrankungen wie das Pankreaskarzinom sowie die akute und chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis). Natürlich stehen wir den Gästen gern Rede und Antwort.