Neandertaler hatten wahrscheinlich rote Haare

Pressemitteilung vom 26.10.2007
Einem internationalen Forscherteam um Holger Römpler von der Universität Leipzig, Carles Lalueza-Fox von der Universität Barcelona, und Michael Hofreiter vom MPI für evolutionäre Anthropologie in Leipzig ist es gelungen, einen Genabschnitt des Neanderthalers zu sequenzieren, der den Namen Melanocortin-Typ 1-Rezeptor-Gen trägt. Analog zu entsprechenden Mutationen beim Menschen zogen die Wissenschaftler die Schlussfolgerung, dass auch ein Teil der Neandertaler möglicherweise rote oder hellere Haare und auch hellere Haut hatten. Das wurde jetzt in der Science veröffentlicht.

Seit kurzem ist es möglich, auch das Erbgut von ausgestorbenen Arten, die bis vor einigen tausend Jahren lebten, zu entschlüsseln. Einem internationalen Forscherteam um Holger Römpler von der Universität Leipzig, Carles Lalueza-Fox von der Universität Barcelona, und Michael Hofreiter vom MPI für evolutionäre Anthropologie in Leipzig ist es nun gelungen, einen Genabschnitt des Neandertalers zu sequenzieren, der den Namen Melanocortin-Typ 1-Rezeptor-Gen trägt. Dies berichtet ein Artikel der diesen Freitag online im Wissenschaftsmagazin Science erschienen ist. Zusammen mit anderen Genen bestimmt dieses bei Menschen und anderen Säugetieren die Haut- und Haarfarbe. Eine Funktionsveränderung dieses Gens kann beim Menschen zu roten Haaren und zu einer sehr hellen Haut führen. Dabei fanden die Wissenschaftler eine Variante, die beim modernen Menschen bisher nicht beobachtet wurde.

Aufgrund ausführlicher Replikationen sowie der genetischen Typisierung von annähernd tausend menschlichen DNA Proben konnten sie ausschließen, dass diese Variante eine Kontamination der Experimente mit moderner menschlicher DNA oder ein zufälliges Ergebnis aufgrund von DNA Schäden oder PCR Fehlern darstellt. Funktionelle Tests dieser Variante zeigten, das die Aktivität im Vergleich mit der normalen menschlichen Variante deutlich reduziert ist. Varianten, die eine ähnliche Reduktion in der Aktivität zeigen sind auch beim modernen Menschen bekannt, allerdings aufgrund anderer Mutationen. Interessanterweise führen solche Varianten beim Menschen zu roter Haarfarbe, woraus die Autoren die Schlussfolgerung zogen, dass auch ein Teil der Neandertaler möglicherweise rote oder hellere Haare und auch hellere Haut hatten.

Schon kürzlich konnte das gleiche Forscherteam zeigen, dass der Funktionsverlust des MC1R mit großer Wahrscheinlichkeit zu einer helleren Fellfarbe bei Mammuts geführt haben muss (Römpler et al. Science 2006;313:62). Die in beiden Studien benutze Methode der Leipziger Wissenschaftler könnte künftig neue Einblicke geben, wie ausgestorbene Hominiden, Tiere und Pflanzen lebten. Aber auch die forensische Genetik, eine Disziplin der Gerichtsmedizin, wird von dem Verfahren diesen Studien profitieren.

Originalveröffentlichung:

Carles Lalueza-Fox*, Holger Römpler*, David Caramelli, Claudia Stäubert, Giulio Catalano, David Hughes, Nadin Rohland, Elena Pilli, Laura Longo, Silvana Condemi, Marco de la Rasilla, Javier Fortea, Antonio Rosas, Mark Stoneking, Torsten Schöneberg, Jaume Bertranpetit, and Michael Hofreiter; A melanocortin 1 receptor variant suggests light skin and red hair in some Neanderthals.Science, 26.10. 07 *shared first authores