Chronische Erschöpfung nach Krebs

Pressemitteilung vom 13.09.2007
Ein Medikament soll Krebspatienten gegen die häufig auftretende chronische Erschöpfung und Müdigkeit helfen. In einer Studie, an der die der Universität Leipzig jetzt mitwirkt, wird deutschlandweit getestet, ob Methylphenidat bei tumorbedingter Fatigue wirksam ist. Studienteilnehmer werden noch dringend gesucht.

Fast alle Krebskranken von Fatigue betroffen

Fatigue ist ein Zustand chronischer Müdigkeit und Erschöpfung an dem etwa 80 Prozent aller Krebspatienten zeitweise leiden. Die Krankheit tritt ohne vorherige Anstrengung auf und verschwindet auch nach ausreichender Erholungszeit nicht. Bis zu 40 Prozent der Patienten klagen noch Jahre nach einer erfolgeichen Krebstherapie über krankhafte Müdigkeit, Erschöpfung, Lustlosigkeit, Schwäche, Verlust der körperlichen Belastbarkeit, Interessenlosigkeit, Motivationsverlust, Konzentrationsstörungen, Traurigkeit, Frust oder Reizbarkeit. Das führt auch häufig zur Entfremdung von Familie und Freunden.
Da die Beschwerden die Lebensqualität stark beeinträchtigen und eine normale Lebensführung praktisch unmöglich machen, ist das Interesse an der Erforschung neuer medikamentöser Behandlungsmethoden der Erkrankung groß.

Methylphenidat ist Hoffnungsträger

Eine Möglichkeit ist die Anwendung so genannter Stimulanzien, also Mitteln, die anregend und konzentrationsfördernd wirken. Eine solche Substanz ist Methylphenidat. Das Medikament hat in kleinen klinischen Studien bei Krebspatienten bereits erste positive Effekte gezeigt. Nun wird in einer großangelegten, deutschlandweiten Studie untersucht, ob Methylphenidat bei tumorbedingter Fatigue wirksam ist. Mit von der Partie ist dabei die Abteilung für Sozialmedizin der Universität Leipzig unter Leitung von Prof. Reinold Schwarz.

Universität Leipzig sucht Studienteilnehmer

Dafür sucht die Abteilung noch Patienten die unter Fatigue leiden, unter 60 Jahre alt sind und momentan keine Tumortherapien wie Operation, Chemotherapie und Strahlentherapie erhalten. Die Studienteilnehmer werden dann 3 Wochen mit Methylphenidat behandelt. Anschließend folgen noch drei Wochen Nachbeobachtung. Patienten können sich von Mitarbeitern der Abteilung für Sozialmedizin ausführlich informieren und beraten lassen, ob sie für die Behandlung in Frage kommen.

Die klinische Studie startete im Herbst 2006 unter Trägerschaft der Firma MEDICE, Iserlohn, in Kooperation mit der Deutschen Fatigue Gesellschaft e.V. und wird jetzt durch die Universität Leipzig unterstützt.