Schilddrüsen-Spezialisten sehen Jodmangel als Gefahr für Deutschland

Pressemitteilung vom 30.08.2007
Empfehlungen für die Politik, Erarbeitung gemeinsamer Leitlinien und die Erforschung von Erkrankungsursachen im Mittelpunkt des Leipziger Meetings "ETA 2007", das vom 1. bis 5. September 2007 in Leipzig stattfindet.

Über 500 Wissenschaftler und Ärzte aus Europa und aller Welt werden am Sonnabend in Leipzig zum 32. Jahresmeeting der Europäischen Schilddrüsengesellschaft erwartet. "Die European Thyroid Association (ETA) freut sich, dass auch klinische und Grundlagen-Wissenschaftler aus den USA, China, Südamerika, Australien ihr Kommen angekündigt haben", so Prof. Dr. Ralf Paschke, Medizinischen Klinik und Poliklinik II des Universitätsklinikums Leipzig, der als Vorsitzender des Lokalen Organisationskomitees das Treffen der Schilddrüsen-Spezialisten vorbereitete.

Besonderes Augenmerk wird in Leipzig auf das Thema Jodmangel gelegt. "Die ungenügende Jodversorgung des Körpers ist verantwortlich für einen großen Teil der Schilddrüsenerkrankungen", betont Prof. Paschke. "Dadurch wird nicht nur eine Vergrößerung der Schilddrüse begünstigt. Sondern der Jodmangel kann auch einen Stress auslösen, der letztlich Knoten oder Überfunktionen verursacht." Deshalb nimmt sich die Weltgesundheitsorganisation WHO des Themas an, das keinesfalls nur in Afrika zu schweren gesundheitlichen Folgen führt. So stieg nach den Daten der WHO in Europa die Zahl der Schilddrüsen-Vergrößerungen (Struma) im Vergleich der Jahre 1993 und 2003 um 80 Prozent an.

"Deutschland hat nur statistisch gesehen eine ausreichende Jodversorgung", so Prof. Paschke. "Denn wie die Statistik nun einmal ist: Da gibt es einen Teil der Bevölkerung, der zu viel Jod aufnimmt. Und dann gibt es einen Teil, der zu wenig Jod konsumiert. Ein Zuviel an Jod macht gesundheitlich wenig aus da in Deutschland selten bedenkliche Werte erreicht werden. Ein Zuwenig bringt jedoch Probleme." Das betrifft immerhin über 30 Prozent der Bevölkerung in Deutschland, wie verschiedene Studien aussagen. In Leipzig, so eine Studie von Prof. Paschke, sind nur 40 Prozent der Einwohner optimal mit Jod versorgt. "Bei 21 Prozent der Leipziger fanden wir ein moderates bis schweres Defizit", so der Leipziger Schilddrüsen-Spezialist. Die europäische Sektion des WHO-Arbeitskreises wird sich deshalb im Rahmen des Kongresses treffen und Empfehlungen für die Politik beraten.

Im Mittelpunkt des Kongresses steht jedoch das optimale klinische Vorgehen, um Schilddrüsenerkrankungen frühzeitig zu erkennen. "Es gibt eine Reihe von Untersuchungsmethoden, die vom Ultraschall über Blutuntersuchungen und die Szintigraphie bis zur Feinnadelpunktion reichen", erläutert Prof. Paschke. "Aber welche Methode wo, wann und bei wem eingesetzt wird - da gibt es Meinungsverschiedenheiten. In Leipzig wollen wir deshalb den Auftakt dazu geben, gemeinsame Leitlinien zu entwickeln." Zudem hat selbst die derzeit beste Methode zur Klärung der Frage ob ein Schilddrüsenknoten gut oder bösartig ist - die Feinnadelpunktion - ihre Grenzen. "In ca. 20 Prozent der Zelluntersuchungen werden die Grenzen der Morphologie erreicht; selbst die besten Pathologen kommen da nicht weiter. Untersuchungen auf molekularer Ebene können bereits einige fragliche Fälle klären, aber wir brauchen mehr und bessere molekulare Marker. Da sind die Wissenschaftler der Grundlagenforschung gefragt, die nur im Zusammenspiel mit den klinisch tätigen Wissenschaftlern dann auch den nächsten Schritt in die Tiefe - den zu den Ursachen - angehen können. Die Tatsache, dass sich bei dieser Tagung diese beiden Bereiche gegenseitig befruchten und weiter bringen können, ist eine entscheidende Stärke und ein Hauptfeld der Leipziger Jahrestagung."

Uwe Niemann