Multimedia-Terminal "meepl" soll Krankenhausaufenthalte für Kinder erträglicher machen

Pressemitteilung vom 24.05.2007
Wiederholte Krankenhausaufenthalte bedeuten gerade für krebskranke Kinder einen Verlust des sozialen Umfeldes, sie leiden unter der zunehmenden Isolation und der stark eingeschränkten Freizeitgestaltung. Mit dem Multimedia-Terminal "meepl cultura" ermöglicht die Universitätsklinik und Poliklinik für Kinder und Jugendliche in Zusammenarbeit der Firmen GK-zwo GmbH und Deutsche Telekom AG den Kindern die Kommunikation zur "Außenwelt". Auf der Station können Kinder und Jugendliche im Internet surfen, Musik hören, DVD-Filme anschauen, mit Hilfe von spezieller Software ihr Gedächtnis trainieren oder dank Webcam und Bildtelefonie mit ihren Freunden reden und am heimatlichen Unterrichtsgeschehen teilhaben.

"Die sozialen Ressourcen werden aktiviert und aufrechterhalten, wodurch das Risiko psychischer Beeinträchtigungen verringert wird. Es kommt zu einer Aktivierung des Patienten, was die Krankheitsbewältigung und das Weiterbestehen integrierender Beziehungen bzw. die Reintegration in Familie und Schule nachhaltig unterstützt", so Frau Prof. Dr. Evelin Witruk. Die Leiterin des Bereiches für Pädagogische- und Rehabilitationspsychologie an der Universität Leipzig bereitet mit ihrem Team das neu initiierte Projekt zur Betreuung und Evaluierung des Einsatzes neuester Kommunikations- und Informationstechnologien in der kinderonkologischen Station der Universität Leipzig vor. Es bestehe großes Interesse, das Terminal weiter einzusetzen. Künftig werde zudem eine gezielte Anbindung der Kinder an den Unterricht an der Heimatschule mittels Internet angestrebt. Allerdings fehlen bislang die nötigen finanziellen Mittel, um Unterhaltskosten zu decken und die Betreuung des Terminals zu finanzieren.

Darüber hinaus ist eine ausreichende wissenschaftliche Dokumentation und Evaluation erforderlich. "In den Fokus der Forschung rückt verstärkt die Frage nach der psychosozialen Anpassung der Kinder und Jugendlichen an Krankenhausaufenthalte sowie der Reintegration nach abgeschlossener Behandlung", so der Direktor der Universitätsklinik und Poliklinik für Kinder und Jugendliche, Prof. Dr. Wieland Kiess. Während Kinder bis zum Vorschulalter vor allem mit Verhaltensauffälligkeiten auf die stationäre Behandlung reagierten, wirke sich diese bei älteren Kindern und Jugendlichen überwiegend auf die Lebensqualität aus. Die Belastungen durch die oft schmerzhaften medizinischen Behandlungen, die auch Nachwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen bis hin zum Ausfall der Haar nach sich ziehen, könnten emotionale Probleme wie Depression und Ängstlichkeit hervorrufen.

Daher soll nun zunächst anhand einer Basisdokumentation systematisch festgehalten werden, in welcher Art und Weise, wie lange und welche Altersgruppen das Terminal verwendet. Kann das Terminal einen regelmäßigen Kontakt zu den wichtigen Bezugspersonen herstellen bzw. aufrechterhalten? Auch mögliche Veränderungen von Wohlbefinden, Lebenszufriedenheit und Selbstwert sollen registriert und mögliche Auswirkungen auf depressive und ängstliche Symptome und die Bewältigung der krankheits- und behandlungsbedingten Anforderungen erkannt werden.

Tobias D. Höhn