Komplikationen nach Schlaganfall besser erkennen

Pressemitteilung vom 03.05.2007
Eine neue Methode Leipziger Neurochirurgen ermöglicht jetzt die Messung der zerebralen Autoregulation nach Hirnblutung. Damit konnten sie nachweisen, dass 1. Störungen der Autoregulation zu weiteren Schlaganfällen führen können und 2. Patienten mit entsprechendem Risiko zu erkennen sind.

Ein Team um den Leipziger Neurochirurgen Dr. Matthias Jaeger wies jetzt nach, dass die sogenannte zerebrale Autoregulation ein wesentlicher Risikofaktor für Patienten mit einer besonderen Form der Hirnblutung, der sog. Subarachnoidalblutung, ist, weitere Schlaganfälle zu bekommen. Unter zerebraler Autoregulation verstehen die Experten die Fähigkeit des Gehirns, unabhängig vom Blutdruck eine gleichmäßige Blutzirkulation im Gehirn zu gewährleisten. Ist diese Fähigkeit gestört, kommt es zu Schlaganfällen. Außerdem entwickelten die Mediziner eine Methode, mit der sie Risikopatienten für nachfolgende Schlaganfälle besser erkennen können.

Das geschieht besonders nach sog. Subarachnoidalblutungen, bei denen ballonartige Gefäßaussackungen der großen Hirnarterien platzen, und das Blut sich in den Hirnwasserraum ergießt. Bei vielen Patienten führt das zu einer nachfolgenden Verengung der arteriellen Blutgefäße (Vasospasmus) im Gehirn, die weitere Schlaganfälle provoziert. Dadurch wird der Gesundheitszustand des Patienten zunehmend schlechter und führt sogar zum Tode. Weil die Ursachen für den Vasospasmus bisher nur unzureichend erforscht waren, konnten die Mediziner auch nicht voraussagen, welche Patienten für diese Folgeschlaganfälle besonders gefährdet sind.

"Das Verdienst von Dr. Jaeger und seiner Arbeitsgruppe besteht darin, einer Vermutung internationaler Experten nachgegangen zu sein, nach der eine Störung der Kontrolle des zerebralen Blutflusses bei vielen Patienten mit Subarachnoidalblutung vorliegt.", sagt Prof. Dr. Jürgen Meixensberger, Direktor der Klinik für Neurochirurgie der Universität Leipzig. "Zudem suchte und fand er eine Methode, die zerebrale Autoregulation zu messen."

Dazu mussten die Forscher den Blutdruck mit der Hirndurchblutung vergleichen. Den Blutdruck zu messen erwies sich als einfach. Schwieriger gestaltete sich das Messen der Hirndurchblutung. Die Wissenschaftler entschieden sich dafür, den Hirngewebssauerstoff zu messen, dessen Veränderungen Rückschlüsse auf Veränderungen der Hirndurchblutung zulassen. Fällt der Hirngewebssauerstoff ab, weist das auf eine schlechte Hirndurchblutung hin und umgekehrt. Für die Messung des Hirngewebssauerstoffes verwendete Dr. Jaeger eine haarfeine Sonde, die ins Hirngewebe eingeführt wird.

Der Blutdruck unterliegt bei jedem Menschen natürlichen Schwankungen. Wenn trotz dieser Schwankungen der Hirngewebssauerstoff konstant bleibt, funktioniert die zerebrale Autoregulation. Verringert sich der Hirngewebssauerstoff, weist das auf Störungen hin und die Gefahr, dass weitere Schlaganfälle ausgelöst werden.

Die bahnbrechenden Arbeiten Jaegers und seiner Arbeitsgruppe wurden in renommierten wissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlicht, so im offiziellen Journal der amerikanischen Gesellschaft für Intensivmedizin "Critical Care Medicine" und in "Stroke", der höchstdotierten Zeitschrift zum Thema Schlaganfall..

Außerdem erhielt Dr. Matthias Jaeger einen Forschungspreis des Vereins für Hirn-Aneurysma-Erkrankte "Der Lebenszweig". für seine Arbeit "Continuous monitoring of cerebrovascular autoregulation after subarachnoid hemorrhage using brain tissue oxygen pressure reactivity and its relation to delayed cerebral infarction", die er gemeinsam mit seinen Kollegen Dr. med. Martin Schuhmann, Dr. med. Christoph Nagel, Dr. med. Martin Söhle und Prof. Meixensberger eingereicht hatte. Die 3334,00 Euro Preisgeld sollen für die Entwicklung neuer und präziserer Verfahren zur Messung der zerebralen Autoregulation eingesetzt werden.

tob