Europaweit gegen Depressionen

Pressemitteilung vom 26.03.2007
Am 29. und 30. März 2007 steht das "Haus des Buches" in Leipzig ganz im Zeichen europaweiter Aufklärung über die Volkskrankheit Depression. Im Mittelpunkt der 5. Tagung der "European Alliance Against Depression" (EAAD) steht neben dem Austausch wissenschaftlicher und praktischer Erfahrungen die Arbeit mit einer besonders anfälligen Zielgruppe: Kinder und Jugendliche. Veranstaltet wird die Tagung von der Psychiatrischen Klinik der Universität Leipzig.
Zeit 29. März 2007 bis 30. März 2007
Ort Haus des Buches

Zu der internationalen Tagung in Leipzig haben sich 40 Vertreter aus den 16 beteiligten europäischen Ländern angekündigt. Gemeinsam wollen sie sich über ihre Bündnisse gegen Depression austauschen und Wege in die Zukunft diskutieren.

Volkskrankheit Depression

Etwa fünf Prozent der Deutschen leiden an einer Depression, die behandelt werden muss. Bei rund zehn bis 15 Prozent der besonders schwer Erkrankten führt die Depression zum Suizid. Europaweit geht man von ähnlichen Zahlen aus. Obwohl es wirksame Behandlungsmethoden gibt, werden nur wenige Patienten optimal therapiert. Dass die Depression in der breiten Öffentlichkeit oft nicht als ernsthafte Erkrankung wahrgenommen wird, kommt für die Betroffenen erschwerend hinzu.

Alarmierende Situation bei Kindern und Jugendlichen

Leichte depressive Verstimmungen bis hin zu schweren depressiven Störungen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen, unter denen Kinder und Jugendliche leiden. Ab einem Alter von 15 Jahren nimmt auch die Anzahl von Suizidversuchen und Selbsttötungen aufgrund von Depression drastisch zu. Diese alarmierenden Fakten nahm die EAAD im letzten Jahr zum Anlass, den Focus der europäischen Bündnisarbeit auf die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zu richten. Auf der Tagung wird man nun erste Erfahrungen austauschen.

Aktionsprogramme der "European Alliance Against Depression"

"Durch die 'European Alliance Against Depression' können wir alle Kräfte bündeln, um europaweit die Situation depressiv erkrankter Menschen zu verbessern", erklärt Prof. Ulrich Hegerl, EAAD-Sprecher und Tagungsgastgeber. Derzeit werden in 16 europäischen Ländern Aktionsprogramme durchgeführt. Durch Aufklärung, Schulungen und andere Interventionen auf den vier Ebenen Hausärzte, breite Öffentlichkeit, Betroffene und Multiplikatoren (Pfarrer, Lehrer, Medien, Altenpflegekräfte u.a.) soll die Versorgung der Betroffenen optimiert werden. "Die Aktivitäten auf diesen vier Ebenen ergänzen sich in synergetischer Weise. So konnten wir in den vergangenen Jahren europaweit die Versorgungsstruktur der Betroffenen in den Modellregionen verbessern", freut sich Prof. Hegerl.
Die EAAD-Partner aus 16 Ländern diskutieren nun weitere Schritte zur Ausweitung der Bündnisaktivitäten in den verschiedenen Ländern.

"Deutsches Bündnis gegen Depression"

Das Aktionsprogramm mit 4-Ebenen-Ansatz wurde im Rahmen des "Nürnberger Bündnis gegen Depression" entwickelt, einem Projekt des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten "Kompetenznetz Depression, Suizidalität". Am Beispiel Nürnbergs konnte gezeigt werden, dass sich durch diese Art der Intervention die Zahl der suizidalen Handlungen um 25 Prozent senken lässt. Das erfolgreiche und sorgfältig evaluierte Programm ist unter dem Dach des "Deutschen Bündnis gegen Depression" bereits von 35 Regionen in Deutschland übernommen worden.
Die Europäische Kommission hat anderen europäischen Ländern die Übernahme des Aktionsprogramms ausdrücklich empfohlen.

Das Kompetenznetz Depression, Suizidalität ist ein bundesweites Netzwerk zur Optimierung von Forschung und Versorgung im Bereich depressiver Erkrankungen. Das Projekt wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).

Medienvertretern stehen nach Absprache folgende nationale und internationale Experten zu den Themen Depression und Suizid als Interviewpartner zur Verfügung:

  • Prof. Ulrich Hegerl (Leipzig)
    • Inititiator und Sprecher der "European Alliance Against Depression"
    • Sprecher des Kompetenznetzes Depression / Suizidalität
    • Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie der Universität Leipzig

  • Prof. Airi Värnik (Estland)
    • Tartu University, Estonia
    • Vorsitzende des Estonian-Swedish Mental Health and Suicidology Institute in Tallinn

  • Dr. Hogni Òskarsson (Reykjavik, Island)
    • Praktizierender Psychiater
    • Vorsitzender des Isländischen Bündnis gegen Depression

Kathrin Winkler