Was hält eine Stimme aus?

Pressemitteilung vom 20.02.2007
Das ist eine der Fragen, mit denen sich das 5. Leipziger Symposium zur Kinder- und Jugendstimme in Leipzig widmet. Zentrales Anliegen ist es, das Thema "Stimmkulturen" im interdisziplinären Kontext zu behandeln. Das Spektrum reicht von der Besonderheit des männlichen Kastratengesangs über neue Erkenntnisse zu Tonhöhenumfang und Registern bei Kindern bis zu Gesangstechniken in fremden Kulturen.
Zeit 23. Februar 2007, 09:00 Uhr bis 25. Februar 2007, 13:30 Uhr
Ort Hochschule für Musik und Theater
"Felix Mendelsohn Bartholdy"
Grassistraße 8
04107 Leipzig

"Unsere Gesangspädagogen beobachten schon des längeren, dass Kinder und Jugendliche sich zunehmend für Pop-, Film- und Rockmusik interessieren, aber auch z. B. für Gospelgesang.", sagt Dr. Michael Fuchs, Leiter der Abteilung für Stimm-, Sprach- und Hörstörungen an der HNO-Klinik Leipzig. Das 5. Leipziger Symposium zur Kinder- und Jugendstimme nimmt sich unter dem Schwerpunktthema "Stimmkulturen" dieser Problematik an. In Vorträgen und Workshops wird aus interdisziplinärer Sicht dargestellt, welche Möglichkeiten, Anforderungen, aber auch Gefahren für die jungen Stimmen durch das Singen in diesen verschiedenen Musikstilen und -kulturen bestehen.

Aus dem vielseitigen Themenangebot einige Beispiele:

  • Konzert- und Opersolisten im Kindes und Jugendalter - Was hält die Stimme aus?

    Prof. Dr. med. Wolfram Seidener, Facharzt für HNO-Heilkunde und Facharzt für Phoniatrie und Pädaudiologie, beschäftigt sich in seiner Arbeit mit Erkrankungen der Sing- und Sängerstimme und untersucht die stimmliche Belastbarkeit von Sängerinnen und Sängern im Kindesalter.


  • "Anmerkungen zur Knaben- und männlichen Falsettstimme und der Besonderheit des Kastratengesangs"

    Der Professor für Musikermedizin Bernhard Richter vom neugegründeten Freiburger Institut für Musikermedizin ist zuständig für die medizinische Betreuung der Musiker und Sänger am Institut. Er untersucht u. a. die Stimmentwicklung von Sängerinnen und Sängern in der Lebenszeitperspektive und wendet sich nicht ohne Grund der in Chören offensichtlich wieder neu entdeckten Falsettstimme zu. Was Falsett mit Kastratengesang zu tun hat, das erklärt Prof. Richter.


  • Die Stimme als Signal - Humanethologische Aspekte des Singens

    Der Musikwissenschaftler Dr. Christian Lehmann aus München ist Stimmbildner bei den Regensburger Domspatzen. Er erforscht die evolutionären Grundlagen des musikalischen Verhaltens. In seinem Vortrag stellt er die Stimme als Signal in den Kontext des menschlichen Verhaltens.

"Aus stimmphysiologischer Sicht werden die Ansatzräume des Stimmapparates im Mittelpunkt stehen, die das Individuelle, die Klangschönheit und die Effizienz der Stimme hervorbringen und zugleich für die Artikulation verantwortlich sind", ergänzt Dr. Fuchs. "Die anschauliche und praxisorientierte Darstellung akustischer und physikalischer Zusammenhänge bei der Stimmentstehung soll die Übertragung der Ergebnisse in die klinische und gesangspädagogische Arbeit erleichtern."

Neben den Vorträgen ergänzen Workshops, in denen mit jungen Sängern gearbeitet wird, das Programm. Hinterfragt werden soll auch, ob sich durch "TOKIO HOTEL" und andere junge Bands auch Chancen für die gesangspädagogische Arbeit ergeben.

Das genaue Programm entnehmen Sie bitte: www.uni-leipzig.de/~hnophono. Gern können Sie an der Veranstaltung oder Einzelvorträgen bzw. -workshops teilnehmen. Alle Symposiumsteilnehmer stehen Ihnen für Gespräche zur Verfügung.