Wie können psychisch kranke Menschen besser versorgt werden?

Pressemitteilung vom 02.12.2008
Damit beschäftigt sich ein Forschungsprojekt an der Universität Leipzig, das von der Bundesärztekammer mit insgesamt 95.000 Euro gefördert wird. Im Mittelpunkt des Forschungsinteresses stehen Struktur und Funktionsweise des Versorgungssystems. Die Projektleitung liegt in den Händen von PD Dr. Anke Bramesfeld, Leiterin des Forschungsnetzes Psychische Gesundheit an der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie.

An der Versorgung psychisch kranker Menschen sind verschiedene Einrichtungen beteiligt. Das Leipziger Forschungsprojekt soll nun klären, wie genau die Leistungserbringer tatsächlich miteinander kooperieren und mit welchem Effekt. Zu den Leistungserbringern zählen u. a. Kliniken, niedergelassene Ärzte, Heime, Einrichtungen für betreutes Wohnen, Sozialarbeiter, Psychologen und Beratungsstellen. "Es soll untersucht werden, wie die verschiedenen Bereiche zusammen arbeiten und zusammen wirken", sagt Dr. Bramesfeld. "Die Ergebnisse dieser Untersuchung sollen die Grundlage bilden für Maßnahmen, die die Kooperation der Leistungserbringer und damit die Versorgung der Patienten verbessern sollen."


Untersucht werden Leistungserbringer, die an der Versorgung von Menschen mit Depression, Schizophrenie oder Alkoholsucht beteiligt sind. Mit den vier Regionen Leipzig, Eisenhüttenstadt, Regensburg und Günzburg werden wichtige Faktoren in der Versorgung berücksichtig: Stadt und Land, Ost und West.Kooperationspartner sind die psychiatrischen Abteilungen der Bezirkskrankenhäuser Günzburg und Regensburg sowie des Städtischen Klinikums Eisenhüttenstadt.

Die Förderung der Bundesärztekammer umfasst ein Volumen von insgesamt 95.000 Euro, davon 11.000 Euro Sachmittel, 83.000 Euro Personalmittel. Rund 50.000 Euro gehen davon an die Universität Leipzig. Die Laufzeit beträgt 15 Monate.

Hintergrund:


Psychisch kranke Menschen sind medizinisch oft nicht angemessen versorgt. Eine Untersuchung in sechs europäischen Ländern, darunter auch Deutschland, ergab, dass fast die Hälfte der behandlungsbedürftigen psychisch kranken Menschen keine medizinische Versorgung für ihr psychisches Leiden in Anspruch nimmt. Zum Vergleich: Bei Diabetikern sind es nur 8 Prozent.

Das Risiko einer Unterversorgung im Falle einer psychischen Erkrankung ist besonders groß für Jugendliche, Rentner, ausschließlich im Haushalt tätige Personen sowie Menschen, die schon sehr lang psychisch erkrankt sind. Eine vergleichbare Situation zeigt sich in anderen EU-Staaten. Die Verbesserung der Versorgung psychisch kranker Menschen ist daher nicht nur ein deutsches sondern auch ein europäisches Anliegen.

In Deutschland gibt es verschieden Möglichkeiten der Betreuung psychisch kranker Menschen. Die Spanne reicht von der stationären Versorgung über betreutes Wohnen bis zu Rehabilitationsmaßnahmen. Kostenträger sind nicht nur die Kassen, sondern auch die Kommunen, Länder, Sozialhilfe- und Rentenversicherungsträger. Dies führt zu einer starken Fragmentierung des Systems, das nicht nur für Unbeteiligte unübersichtlich ist. Eine enge Kooperation zwischen den Leistungserbringern und eine konsequente Versorgung sind daher von zentraler Bedeutung für Qualität und Kosteneffektivität der Versorgung psychisch kranker Menschen.