Trauer um Professor Reinhold Schwarz

Pressemitteilung vom 27.11.2008
Die Universität Leipzig und ihre Medizinische Fakultät trauern um Professor Dr. Reinhold Schwarz, Leiter der Selbständigen Abteilung Sozialmedizin am Institut für Arbeits- und Sozialmedizin, der am 20. November 2008 plötzlich und unerwartet aus einem arbeitsreichen Leben gerissen wurde. "Professor Schwarz hatte maßgeblichen Anteil an der Etablierung der psychosozialen Onkologie an der Universität Leipzig sowie bei der psychosozialen Betreuung von Krebspatienten und deren Angehörigen", sagte der Rektor der Universität Leipzig, Professor Dr. Franz Häuser. "Die Universität verliert einen engagierten Hochschullehrer, hervorragenden Wissenschaftler und geachteten Abteilungsleiter."

Der Dekan der Medizinischen Fakultät, Professor Dr. Joachim Thiery, hob besonders seine Kollegialität und integre Persönlichkeit hervor. "Er war immer voll Fürsorge für seine Patienten und für uns Vorbild im Umgang mit Kollegen, Studierenden und seinen Doktoranden. Er motivierte alle, ihr Bestes zu geben. Mit Professor Schwarz verlieren wir nicht nur einen hochgeschätzten Arzt, sondern auch eines der wissenschaftlich erfolgreichsten Mitglieder unserer Fakultät. Wir sind mit seinen Patienten und seinen Mitarbeitern traurig und bestürzt über diesen unersetzlichen Verlust, wir empfinden aber seiner Lebensleistung gegenüber auch hohe Dankbarkeit. Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Familie.

Seine ärztliche Tätigkeit und besondere wissenschaftliche Reputation zeigt sich gerade durch die Vielzahl von hochrangigen Forschungsprojekten, die er im Wettbewerb um öffentliche Fördermöglichkeiten für seine Patienten und die Fakultät nach Leipzig bringen konnte. Mit der Berufung von Professor Schwarz war ein wissenschaftlicher Neuanfang der Abteilung Sozialmedizin gelungen und eine wesentliche Erweiterung des Spektrums sozialmedizinischer Forschung für die Menschen unserer Region verbunden", so Thiery weiter. Die Schwerpunkte der wissenschaftlichen Arbeit lagen in den Bereichen der psychosozialen Onkologie, der Psychotherapie und der Psychoanalyse sowie den Bereichen Leben mit Handicap und der Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Einflussfaktoren auf Gesundheit und Krankheit.

Mit der Gründung der psychosozialen Beratungsstelle für Tumorpatienten und Angehörige leistete er einen wichtigen Beitrag zur Patientenbetreuung. Die Gründung des Fördervereins "Leben mit Handicaps e.v." unterstreicht das Engagement für die Belange sozial benachteiligter Menschen. Beide Einrichtungen zeigen die enge Verbindung zwischen Theorie und Praxis.

Reinhold Schwarz wurde am 10.5.1946 in Brackenheim/Württemberg geboren. Er studierte von 1966 bis 1972 Humanmedizin an den Universitäten in Marburg, München und London. 1972 erwarb er sein Medizinisches Staatsexamen und den Grad des Doktors der Medizin. 1972 bis 1974 war er Medizinalassistent in Innerer Medizin, Dermatologie, Kinder- und Jugendlichen-Psychiatrie am Universitäts-Klinikum Marburg; danach chirurgischer Medizinalassistent und Assistenzarzt an der Klinik für Sportverletzte in Lüdenscheid-Hellersen. Seine Approbation als Arzt erwarb Reinhold Schwarz 1974. Zwischendurch studierte er von 1970 bis 1977 Gesellschaftswissenschaften an den Universitäten in Marburg, Heidelberg und Mannheim (WH), wo er auch sein Diplom in Soziologie, Wissenschaftstheorie, Sozialpsychologie sowie Allgemeine und Entwicklungspsychologie erhielt. Noch während des gesellschaftswissenschaftlichen Studiums absolvierte er von 1975 bis 1979 eine Psychotherapeutische und Psychoanalytische Weiterbildung am Heidelberger Institut für Psychoanalyse und Psychotherapie e.V. (DGPT). Während dieser Zeit war er auch bis 1981 Wissenschaftlicher Angestellter am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim. 1980 erwarb er die Zusatzbezeichnung "Psychotherapie" und 1981 die Zusatzbezeichnung für "Psychoanalyse". 1982 bis 1984 war er wissenschaftlicher Angestellter am Modellprojekt der Deutschen Krebshilfe e.V. "Psychosoziale Nachsorgeeinrichtung und Fortbildungsseminar" an der Universitätsklinik Heidelberg. Von 1984 bis 1997 leitete er die Psychosoziale Nachsorgeeinrichtung für Tumorpatienten des Heidelberger Seminars für Psychosoziale Onkologie, während dieser Zeit (1988) erhielt er die Zusatzbezeichnung "Sozialmedizin". 1991 habilitierte er sich und erwarb die venia legendi für die Fächer "Klinische Psychosomatik und Sozialmedizin", 1995 die Gebietsbezeichnung "Psychotherapeutische Medizin". Seit 1998 war Reinhold Schwarz als Professor für Sozialmedizin am Leiter der Selbständigen Abteilung Sozialmedizin am Institut für Arbeits- und Sozialmedizin tätig. Am 20. November ist er völlig unerwartet in Leipzig verstorben.