Erfolgsgeschichte des Funktionsbegriffs

Pressemitteilung vom 13.10.2008
Die Geschichte des Funktionsbegriffs F(x)=y steht im Mittelpunkt des nächsten Vortrags der Reihe "Leipziger Gespräche zur Mathematik". Der Referent Dr. Rüdiger Thiele, Privatdozent an der Universität Leipzig im Ruhestand, wird seine Gäste in die Zeit der Geburt des Funktionsbegriffs zurückversetzen und die epochale Bedeutung für die Entwicklung der modernen Mathematik vor Augen halten.Die Teilnahme am Vortrag ist kostenlos.
Zeit 15. Oktober 2008, 19:00 Uhr
Ort Alte Handelsbörse Leipzig
Naschmarkt 2

Die Schreibweise F(x)=y für die Abhängigkeit einer Funktion F von der Variablen x ist jedem aus der Schule vertraut. Es ist uns auch heute klar, dass wichtige Fundamente der Mathematik auf einem tragfähigen Abhängigkeitsbegriff ruhen müssen. Doch diese Erkenntnis und ihre Durchführung stellt tatsächlich eine Kulturleistung hohen Ranges dar, die erst nach 1600 erbracht wurde. Davor war die Mathematik unter dem langen Einfluss der Antike hauptsächlich geometrisch auf Konstruktionen mit Zirkel und Lineal ausgerichtet. Bei der Entwicklung des Begriffes der Funktion ist vor allem der Leipziger Gottfried Wilhelm Leibniz zu nennen, bei dem sich die - nun alltägliche - Schreibweise F(x)=y zum ersten Male findet.

Rüdiger Thiele studierte an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg Mathematik und Physik, wurde dort in Mathematik promoviert. Er arbeitete anschließend mehrere Jahre im Verlagswesen und erlangte die Habilitation für Geschichte der Naturwissenschaften an der Universität Hamburg. 1982 legte er eine weltweit beachtete Euler-Biographie vor. Rüdiger Thiele ist Träger des Förderpreises der Deutschen Akademie der Naturwissenschaften (Leopoldina) und des Ford Award der MAA. Er ist zudem Vice president der amerikanischen Euler Society und Membre correspondant der Académie Internationale d'Histoire des Sciences, Paris.

Die Vortragsreihe findet im Rahmen des Jahres der Mathematik statt. Sie ist eine gemeinsame Initiative der Stadt Leipzig, des Mathematischen Instituts der Universität Leipzig, des Max-Planck-Instituts für Mathematik in den Naturwissenschaften, der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig und des Simon-Dubnow-Instituts für jüdische Geschichte und Kultur an der Universität Leipzig.

Das nächste "Leipziger Gespräch zur Mathematik" findet am Mittwoch, 29. Oktober 2008, statt. Dann spricht Prof. Dr. Jochen Brüning von der TU Berlin zu "Natur oder Kultur? Über die Mathematik als Wissenschaft".