Schwerste Beziehungsstörungen im Kindes- und Jugendalter nehmen zu

Pressemitteilung vom 05.09.2008
"Beziehungsreise - gemeinsam(e) Wege gestalten" ist der Titel der 13. Fachtagung der BundesArbeitsGemeinschaft Leitender Mitarbeiter/-innen des Pflege- und Erziehungsdienstes kinder- und jugendpsychiatrischer Kliniken und Abteilungen e.V. Mit dem Thema der Tagung trägt die Bundesarbeitsgemeinschaft einmal der Tatsache Rechnung, dass die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die aufgrund schwerster Beziehungsstörungen kinderpsychiatrische Behandlung in Anspruch nehmen müssen, stetig wächst, und zum anderen entspricht sie dem Forschungsprofil der gastgebenden Einrichtung, der Klinik und Polklinik für Kinderpsychiatrie an der Universität Leipzig um Professor Dr. Kai von Klitzing.
Zeit 17. September 2008 bis 19. September 2008
Ort Zentrum für Frauen- und Kindermedizin
Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie
Liebigstraße 20a

An Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Pflegedienst in kinderpsychiatrischen Einrichtungen werden ganz besondere Anforderungen gestellt, die sich wesentlich unterscheiden vom Pflegedienst in Einrichtungen, die mit somatischen Krankheitsbildern befasst sind. Die Fachtagungen der BundesArbeitsGemeinschaft Leitender Mitarbeiter/-innen des Pflege- und Erziehungsdienstes kinder- und jugendpsychiatrischer Kliniken und Abteilungen e.V. tragen dem Rechnung, indem sie pflegerelevante Themen vertiefend behandeln.

Pädagogisch- und pflegerisch ausgebildete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Kinder- und Jugendpsychiatrien müssen nicht nur vertraut sein mit den Ursachen der Krankenhauseinweisung, sondern sie müssen mit der "grundsätzlichen Schwierigkeit, im Stationsmilieu ein adäquates Verhältnis von Distanz und Nähe zu den Patienten (und ihren Angehörigen) zu finden", fertig werden, sagt Helge Treiber, 1. Vorsitzender des Bundesverbandes. Der thematische Bogen der Bundesfachtagung spannt sich von den frühen Familienbeziehungen, über Gefühle und Entwicklung bis zu tagesklinischen Rahmenbedingungen.

Aus der Vielfalt der Themen ein Auszug:

1. Schwerste Beziehungsstörungen nehmen zu

Die Zahl der Kinder und Jugendlichen steigt, die aufgrund schwerster Beziehungsstörungen aufgenommen werden. Wieviel Kinder das betrifft, wie die Entwicklung verläuft und welche Anforderungen daraus für Arbeit der BundesArbeitsGemeinschaft erwachsen - darüber spricht der 1. Vorsitzende der BundesArbeitsGemeinschaft Helge Treiber. Er gibt auch einen Überblick über die Vorträge und Workshops der Bundesfachtagung.

2. Auf die Familie kommt es an

Professor Kai von Klitzing, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Kindes- und Jugendalters der Universität Leipzig spricht zum Thema: "Auf die Familie kommt es an". Er geht aus von neueren Untersuchungen aus, nach denen rund 15 Prozent aller Kinder verhaltensauffällig sind. Ein bedürfnisgerechtes emotional angemessenes elterliches Beziehungsangebot in den ersten drei Lebensjahren ist die beste Prävention gegen psychische Störungen, Suchtmittelabhängigkeit, Übergewicht, kriminelle Entwicklung und sozialen Abstieg im späteren Leben. Aufgabe der Kinder- und Jugendpsychiatrie ist es, Kindern und Eltern in seelischen Krisen zu helfen, neue und heilende Beziehungsperspektiven zu entwickeln.

3. Besonderheiten der Pflege im jugendpsychiatrischen Bereich

Klaus Tischler, Pflegemanager am Universitätsklinikum Leipzig, ist für die Pflege am Universitätsklinikum Leipzig zuständig. Er wird die besonderen Anforderungen der Pflege im kinderpsychiatrischen Bereich erklären und darüber sprechen, wie sich die Pflege in diesem Bereich in die Pflege am Universitätsklinikum Leipzig generell einordnet.

4. Enormer Zuwachs an Tagesklinikplätzen

Der Bedarf an tagesklinischen Plätzen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie ist enorm angestiegen. Zur Zeit existieren ca. 150 Tageskliniken in Deutschland, von einer weiteren Aufstockung ist auszugehen. Wie viele Patientinnen und Patienten die Tagesklinik in Anspruch nehmen und wie lange sie dort zubringen dazu spricht Maja Tamoschat aus der Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie auf der Bult Hannover. Sie wird auch auf den Tagesablauf, die Teamstruktur und Behandlungsangebote eingehen.

5. Dauerhaft mangelnde Zuwendung kann Kinder krank machen

Laut der aktuellen Studie des Robert Koch-Instituts (BELLA-Studie, KiGGS) zeigen um die 15 Prozent der Kinder psychische Auffälligkeiten. Oftmals hängen solche Auffälligkeiten mit Beziehungsstörungen zusammen, die bereits im Babyalter entstehen, weil Eltern dauerhaft oder über einen längeren Zeitraum nicht oder nicht ausreichend auf die Signale reagieren, die ihr Kind aussendet. Um Problemen vorzubeugen, unterstützt das Hausbesuchsprogramm "Pro Kind Sachsen" junge Frauen in schwierigen Lebenslagen. Sie werden ab der Schwangerschaft begleitet bis das Kind zwei Jahre alt ist. Dabei wird besonders die Entwicklung positiver Beziehungen und Interaktionen zwischen Eltern und Kindern gefördert. Dr. Annette Klein, wissenschaftliche Mitarbeiterin an Universitätsklinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Kindes- und Jugendalters.