Olympiabewerber Leipzig erhält bis 2008 hochmodernes Großklinikum

Pressemitteilung vom 24.04.2003
Universitätsklinikum Leipzig plant Neubau von zwei Klinikzentren bis 2008 - Architektenwettbewerb läuft bereits - Medizinische Fakultät erhält zentrales Studiengebäude und zentrales Forschungsgebäude

Leipzig - Das Universitätsklinikum Leipzig plant am Hauptstandort Liebigstraße den Neubau eines Zentrums für Kindermedizin und eines Zentrums für Konservative Medizin. Die beiden Neubauten werden östlich und westlich des fast fertigen Neubaus des Chirurgischen Zentrums entstehen und mit diesem zu einer organischen Einheit verschmelzen.

''Der Gesamtkomplex mit ca. 53.000 qm Nutzfläche soll im Jahr 2008 fertig sein'', erläutert der kaufmännische Vorstand des Klinikums, Dr. Elmar Keller. ''Das ist ein ehrgeiziges Ziel, das aber dennoch zu schaffen ist. Der Architektenwettbewerb läuft bereits, so dass wir noch in diesem Jahr in die Genehmigungsplanung gehen können. Der Baubeginn ist für das Jahr 2004 geplant.''


Neubauten mit Hochdruck geplant


Die Neubauten, so Keller weiter, habe man mit Hochdruck geplant, weil die Verteilung der zahlreichen Kliniken und Polikliniken auf viele Gebäude im medizinischen Viertel nicht mehr einer zeitgemäßen Krankenversorgung genüge. Es sei den Patienten nicht dauerhaft zumutbar, bei Wind und Wetter über teilweise ungeschützte Verbindungswege zu den Stationen oder Behandlungsräumen transportiert zu werden. Zudem sei die Zersplitterung des Universitätsklinikums auf viele Gebäude höchst unwirtschaftlich. Dennoch passe sowohl das Projekt selbst als auch der eigene Zeitplan hervorragend zum Zeitplan der Olympiabewerbung der Stadt. ''Der Oberbürgermeister hat mehrfach betont, dass es für eine erfolgreiche Bewerbung wichtig sei, auch Projekte vorzuweisen, die schon in der Phase der Bewerbung realisiert werden. Unser neues Klinikum kann ein solches Projekt sein. Schon die Lage in unmittelbarer Nähe der alten Messe und direkt am Bayerischen Platz mit der dort geplanten Station am City-Tunnel ist hervorragend. Aber vor allem haben wir mit Olympia und dem Klinikumsneubau die einmalige Chance, ein neues medizinisches Profil mit dem Schwerpunkt Sportmedizin zu entwickeln.''

Auch sei der Neubau geeignet, so Keller weiter, in Anknüpfung an die Leipziger Tradition der Mustermessen zu einer Musterklinik für modernstes medizinisches Gerät und innovative Verfahren zu werden. ''Olympia ist mehr, als nur drei Wochen Sport. Lange vor und nach den Spielen wird Leipzig viele Besucher anziehen. Die Stadt hat die Chance, sich durch die Olympischen Spiele völlig neu zu positionieren. Und die Medizin kann bei dieser Neupositionierung eine große Rolle spielen. Die Medizinische Fakultät ist ein Baustein, die Biocity ist ein Baustein und das neue Universitätsklinikum ist ein weiterer Baustein. Es gibt schon erste Signale namhafter Medizingerätehersteller, das Klinikum als Reverenzzentrum nutzen zu wollen. Denn ein Olympiakrankenhaus ist ein hervorragender Werbeträger - für die Stadt, für das Klinikum selbst und für die Investoren''.

Der medizinische Vorstand des Universitätsklinikums, Prof. Dr. Norbert Krüger, merkt mit Blick auf die Chirurgische Klinik, die Orthopädie, aber auch die Pulmologie und die Kardiologie an, dass man schon heute hervorragende Spezialisten für sportmedizinische Fragestellungen habe, die zahlreiche Leistungssportler wie z. B. die Handballerinnen des HCL betreuten. Unter Berücksichtigung der Zeitschiene könne man sowohl in der Ausbildung als auch in der Krankenversorgung diesen interdisziplinären Schwerpunkt weiter ausbauen.


180 Mio. Euro sollen investiert werden


Aber auch ohne Olympia ist der Neubau der Klinikzentren ein riesiges Projekt. 180 Mio. Euro veranschlagt das Universitätsklinikum Leipzig für die Neubauten. In dieser Summe sind alle Kosten - von der Planung, der Baufeldfreimachung (Abriss alter Gebäude) bis zur Erstausstattung - enthalten. Die Finanzierung dieser Summe ist dual geplant: Sofern die Neubauten nach dem Hochschulbaufördergesetz (HBFG) gefördert werden, wolle man diese Förderung gern in Anspruch nehmen. Sollte dies nicht möglich sein, oder es zu erheblichen Zeitverzögerungen kommen, ist man - unter großen Anstrengungen - auch in der Lage, die Finanzierung selbst abzusichern.

Dr. Keller erklärt, warum man beide Varianten ins Auge fasst: ''Auf Grund des Antragsverfahrens bei der HBFG-Finanzierung ist nicht auszuschließen, dass die Zeitplanung nicht eingehalten werden kann. Wir können es uns aber nicht leisten, die derzeitige Bausubstanz weiterhin Jahr für Jahr für viel Geld instandzuhalten und dabei doch keine nachhaltige Verbesserung der Gesamtsituation herbeizuführen. Auch den berechtigten hohen Anforderungen der Patienten an die Unterbringung wollen wir mit den Neubauten entsprechen und zur hohen medizinischen Kompetenz eben auch bei der so genannten Hotelfunktion ein Höchstmaß an Komfort bieten. Das neue Vergütungssystem für Krankenhäuser (Fallpauschalen) zwingt den Vorstand ebenfalls zum schnellen Handeln. Dazu kommt, dass zahlreiche Untersuchungen und Behandlungen heute interdisziplinär erfolgen. Wie aber soll das effizient geschehen, wenn die einzelnen Kliniken zum Teil weit auseinander liegen? Wir haben deshalb als Sicherheitsnetz die Eigenfinanzierung geplant. Ein Gutachten von PriceWaterhouseCoopers prognostiziert durch die Neubauten Einsparungen von Kosten in zweistelliger Millionenhöhe und bestätigt auch das Finanzierungskonzept. Oberstes Ziel dieser Herangehensweise ist die Einhaltung des äußerst anspruchsvollen Zeit- und Kostenplanes bis 2008.''


Medizinisches Viertel wird neues Gesicht erhalten


Durch die Neubauten wird sich das Medizinische Viertel zwischen Liebigstraße, Bayerischen Platz, Johannisallee und Phillip-Rosenthal-Straße nachhaltig verändern und sich wesentlich stärker an der Liebigstraße konzentrieren. Der Mittelpunkt des neuen Komplexes wird das Chirurgische Zentrum sein, das im Sommer dieses Jahres in Betrieb genommen wird.

Westlich davon wird das Zentrum für Konservative Medizin mit ca. 21.500 qm Fläche und 371 Betten gebaut. Es wird die gesamte Innere Medizin, die Klinische Immunologie, die Neurologie, die Kognitive Neurologie, die Psychosomatische Medizin und den Diagnostikbereich der Nuklearmedizin beherbergen. Außerdem werden in diesem Gebäude auch der Betriebsärztliche Dienst, externe Rettungsdienste, Lehreinrichtungen, die zentrale Endoskopie, die zentrale Physiotherapie, die zentrale Logopädie und Ergotherapie sowie die Zentralapotheke des Klinikums untergebracht sein.

Östlich des Chirurgischen Zentrums schließt sich ab 2007 als erster Bauabschnitt das Zentrum für Kindermedizin mit den Kliniken und Polikliniken für Kinder und Jugendliche, für Kinderchirurgie und für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Kindes- und Jugendalters an. Es umfasst eine Bruttofläche von 9.300 qm und hat 197 Betten.

Der gesamte Klinikkomplex wird im Jahr 2008 eine Fläche von ca. 9 Fußballfeldern oder rund 350 Einfamilienhäusern haben. Für die Medizinische Fakultät entsteht im Gebäude der jetzigen Hautklinik ein zentrales Forschungsgebäude, das modern und flexibel gestaltet ist und den Forschungsschwerpunkten der Fakultät - Neurowissenschaften, Psychosoziale Medizin, Endokrinologie und vaskuläre Biologie, Immunologie und Rheumatologie sowie Onkologie - optimale Bedingungen bietet. In das Gebäude, dass eine Gesamtnutzfläche von rund 12.000 qm umfasst, werden das Paul-Flechsig-Institut, das Interdisziplinäre Zentrum für Klinische Forschung (IZKF), das Institut für Mikrobiologie und das Institut für Hygiene und Umweltmedizin einziehen. Außerdem werden Forschungsverfügungsflächen vorgehalten, die für zeitlich befristete Projekte benötigt werden. Das Forschungszentrum wird über eine geschlossene Brücke an die Klinikneubauten angebunden.

Im Carl-Ludwig-Institut (Liebigstraße / Ecke Johannisallee entsteht dagegen ein zentrales Studiengebäude mit ca. 10.000 qm, in dem sich die Bedingungen für die Lehre gegenüber heute erheblich verbessern werden.


Internationales Interesse am Architektenwettbewerb


179 Architekturbüros aus fünf europäischen Ländern bewarben sich um die Teilnahme am ''beschränkt offenen einstufigen Realisierungswettbewerb in zwei Bearbeitungsphasen mit vorangestelltem Bewerbungsverfahren'' für die Klinikzentren. In einem aufwändigen Auswahlprozess wurden 20 Büros gebeten, in der ersten Phase bis 28.04.2003 ihre Vorschläge zu unterbreiten. Am 15. Mai entscheidet das Preisgericht, welche fünf Büros bis Ende August die Pläne weiter ausfeilen sollen. Mitte September wird der Siegerentwurf gekürt. Unmittelbar im Anschluss will man mit der Genehmigungsplanung beginnen.

Peter Lang, Leiter des Bereiches Planung und technische Gebäudeverwaltung, erläutert, warum man bei der Planung neue Wege gegangen ist: ''Üblicherweise plant man Gebäude von außen nach innen. Stark vereinfacht nimmt man die Zahl der Mitarbeiter und multipliziert diese mit einem Flächenschlüssel und erhält damit die benötigte Fläche. Beim Neubau des Kinderzentrums und des Konservativen Zentrums gehen wir ganz anders vor. Hier werden zunächst vorhandene Prozesse beschrieben, analysiert und optimiert bzw. neu definiert, also die einzelnen Abläufe von der Aufnahme des Patienten über die Diagnostik, Therapie, Pflege bis zur Entlassung. Ziel ist es, diese Abläufe so effizient wie möglich zu gestalten. In diese Betrachtung fließen auch die unterstützenden Prozesse wie Speiseversorgung, Belieferung mit Medikamenten usw. ein. Auch die Belange von Forschung und Lehre müssen berücksichtigt wer-den. Aus diesen Prozessen ergeben sich bestimmte Funktionseinheiten, die wieder miteinander optimal verbunden sein müssen. Erst wenn dieses funktionale Netz geknüpft ist, wird es mit Flächen unterlegt. Durch diese Art der Planung konnten wir bei höherer Funktionalität ca. 6.000 qm Fläche gegenüber der herkömmlichen Vorgehensweise einsparen. Und weniger Fläche bedeutet auch geringere Kosten - sowohl beim Bau als auch im Betrieb.''

Diese kurze Erklärung lässt ahnen, welche umfangreichen Überlegungen die Planer im Vorfeld anstellen mussten. Immerhin müssen die Planer heute die Prozesse von morgen entwickeln, um Krankenhäuser bauen zu können, die auch übermorgen noch modern sind. Denn so ein Krankenhausneubau muss 30 bis 50 Jahre lang nutzbar und anpassungsfähig sein, damit sich die Investitionen rentieren.


Neubauten sollen Einheit bilden


Besonders großes Augenmerk wird auf die Vernetzung der beiden Neubauten mit dem Chirurgischen Zentrum gelegt. Eine gemeinsame Patientenaufnahme und die gemeinsame Eingangszone für das Konservative und das Chirurgische Zentrum, die Notaufnahme, Zentralsterilisation, Rohrpostanlage und Fahrerloses Transportsystem sind bereits vorhanden und müssen natürlich auch optimal in der Neubauplanung berücksichtigt werden. Am Ende soll eine organische Einheit von drei Baukörpern entstehen, die Patientenversorgung, Forschung und Lehre und Wirtschaftlichkeit auf eine neue Qualitätsstufe hebt.

Nun müssen die 20 Architekturbüros zeigen, dass und wie sie die Ergebnisse des monatelangen Entwicklungsprozesses so umsetzen, dass alle Vorgaben erfüllt werden, aber dennoch ein Gebäude entsteht, das den wichtigsten Aspekt der Krankenversorgung nicht unberücksichtigt lässt: Es muss eine Atmosphäre entstehen, die dem Gesundungsprozess dienlich ist.

''Mit dem Universitätsklinikum Leipzig, wie es sich 2008 darstellt, wird Leipzig und die gesamt Region ein hochmodernes Großklinikum erhalten, das höchste medizinische Kompetenz mit höchstem Komfort in sich vereint'' ist sich Dr. Keller sicher. ''Das ist ein Pfund für die Olympiabewerbung, aber vor allem ein Gewinn für die Leipziger.''


weitere Informationen (Mitglieder Preisgericht, Zeitplan Wettbewerbsdetails):


http://www.leipzig-unikli-wettbewerb.de

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Heiko Leske.