Wissenschaftspreis für Leipziger Nuklearmediziner

Pressemitteilung vom 18.08.2008
Auf der 55. Jahrestagung der weltweit größten Fachgesellschaft für Nuklearmedizin, der Society of Nuclear Medicine, in New Orleans, holte die Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin der Universität Leipzig nach Ihren großen Erfolgen von 2005 und 2006 nun erneut einen Neuroscience Young Investigator Award nach Leipzig. Der begehrte Preis ging an Philipp Meyer.

Der Nuklearmediziner erhielt den Preis für eine Forschungsarbeit mit der er einen Grundstein für eine medikamentöse Therapie bei Parkinson-Patienten mit Depressionen legte. Der Titel der Publikation:"Depression in Parkinson's disease: reduced alpha4beta2 nicotinic acetylcholine receptor (alpha4beta2) binding in limbic and paralimbic regions".

Patienten, die an der Parkinson'schen Erkrankung leiden haben häufig auch eine Depression, welche die Lebensqualität sehr einschränkt. Gleichzeitig sind sogenannte nikotinische Acetylcholinrezeptoren, hier besonders der Subtyp alpha4beta2, bei dieser Erkrankung stark vermindert. Diese Rezeptoren sind gewöhnlich im Gehirn weit verbreitet und spielen eine große Rolle für Aufmerksamkeit und Lernen. Ziel der vorliegenden Studie war es abzuklären, ob und wo Parkinson-Patienten mit Depression eine noch stärkere Veränderung dieser speziellen Rezeptoren zeigen als Parkinson-Patienten ohne Depression.

"Der große Verdienst von Philipp Meyer und dem Neuro-PET-Team, bestehend aus Ärzten, Radiochemikern, Modeling-Spezialisten, Physikern sowie Medizinisch- und Chemisch- Technischen Assistenten, der Klinik für Nulearmedizin ist es, eine Möglichkeit gefunden zu haben, diese Rezeptoren am lebenden Menschen, insbesondere auch bei Patienten mit Parkinson, darzustellen", erklärt Prof. Dr. Osama Sabri, Direktor der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin. "Herr Meyer setzte den neuen Radioliganden 2-F18-FA85380, eine radioaktive biochemische Substanz, ein und konnte mit dessen Hilfe und mittels Positronen-Emissions-Tomographie (PET) die Menge nikotinischer Acetylcholinrezeptoren im Gehirn der Patienten erfassen."

Über 140 Patienten mit neurodegenerativen Erkrankungen wie Parkinson oder Demenz wurden so am PET-Zentrum der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin untersucht - ein weltweit einmaliger Rekord. Denn die Untersuchungen sind sehr aufwendig, dauern über sieben Stunden. Sie wurden in enger Kooperation mit den Kliniken für Neurologie, Prof. Dr. Johannes Schwarz, und Psychiatrie, Prof. Dr. Hermann-J. Gertz, durchgeführt. Das Ergebniss der Forscher: Parkinson-Patienten mit Depression zeigen die ausgeprägtesten Verminderungen dieser nikotinischen Acetylcholinrezeptoren in multiplen limbischen und paralimbischen Hirnregionen , also genau in solchen Arealen, die auch besonders bei Depression involviert sind. Damit deutet sich die Möglichkeit an, diese speziellen Nikotin-Rezeptoren als Zielstrukturen für eine medikamentöse Therapie bei Parkinson-Patienten mit Depression einzusetzen. Die Society of Nuclear Medicine würdigte diese Leistungen von Philipp Meyer mit dem Young Investigator Award.

Klinikdirektor Prof. Dr. med. Osama Sabri, der 2005 selbst erst den sogenannten "arabischen Nobelpreis" für Nuklearmedizin (KFAS) erhielt, freut sich über diese Auszeichnung für seine Klinik und sieht darin eine nachdrückliche Bestätigung für den wissenschaftlichen Kurs seiner Einrichtung.