Üben, um für das Vergessen gewappnet zu sein

Pressemitteilung vom 07.04.2008
BMBF fördert Studie der Universität Leipzig zur frühen Demenz

Eine positive Antwort erhielt das Team um Prof. Hermann-Josef Gertz, stellvertretender Direktor der Klinik für Psychiatrie für Psychiatrie der Universität Leipzig, kürzlich vom Bundesministerium für Gesundheit auf einen Antrag auf Förderung eines Vorhabens zum "Leuchtturmprojekt Demenz". Beteiligt an der noch im April 2008 beginnenden Studie sind zudem die Zentren für Koordination, Monitoring und Biostatistik der TU München, das Datenmanagement der Universität Leipzig, die Zentren für Intervention der Humboldt-Universität Berlin, Universität Leipzig. und des ZI Mannheim. Die etwa 400 notwendigen Probanten werden rekrutiert durch fünf universitäre Gedächtnis-Ambulanzen und fünf spezialisierte Facharztpraxen.

Individuelle Verhaltenstherapie wirksamer als Standardbehandlung allein?

Die Studie widmet sich einer kognitiv-verhaltenstherapeutische ressourcenorientierte Therapie
früher Demenzen im Alltag (KORDIAL). Die Zielsetzung besteht in dem Nachweis, dass eine individuelle, auf die ersten auftretenden Defizite zugeschnittene Verhaltenstherapie zusätzlich zur Standardbehandlung bei Patienten mit beginnender Alzheimer-Demenz wirksamer ist als die Standardbehandlung allein. Die Zielgruppe des Projekts sind Patienten im Frühstadium der Alzheimer-Demenz, da nur bei denen verhaltenstherapeutische Strategien anwendbar sind. Insbesondere können nur in diesem Stadium neue Verhaltensweisen noch so eingeübt werden, dass sie auch bei weiterem Fortschreiten der Krankheit im Alltag durchführbar bleiben. Es wird erwartet, dass sich die Effekte der Verhaltenstherapie auch in einer größeren Teilhabe Demenzkranker an persönlich bedeutsamen Lebensbereichen, in einer verminderten Belastung der Bezugspersonen und langfristig in einer Senkung gesundheitsbezogener Kosten niederschlagen.

Unter bestimmten Bedingungen ist es nämlich durchaus möglich, dass die Patienten trotz der eingeschränkten Gedächtnisleistungen Lernfortschritte erzielen. Zu diesen Bedingungen zählen vor allem Problemfokussierung, persönliche Relevanz des Themas, individuelle Auswahl von Lernhilfen sowie die Vermeidung von Fehlern durch kontinuierlichen Einsatz von Lernhilfen. Hingegen hat sich unspezifisch gestartetes, allgemeines "Gehirn-Jogging" als nicht effektiv erwiesen.

"Hauskalender" fungiert als Gedächtnishilfe

Praktisch wird die Studie so ablaufen, dass die Patienten in einer dreimonatigen Einzeltherapie gemeinsam mit einem Verhaltenstherapeuten und teilweise ihren Angehörigen sechs Therapieabschnitte mit je zwei Sitzungen durchführen. So widmen sich die Sitzungen drei und vier dem "Hauskalender", der als Gedächtnishilfe funktioniert, indem in ihn Tagesaktivitäten eingetragen und als erledigt gekennzeichnet werden. Sitzung sieben und acht hingegen schlagen vor, "Das Buch der schönen Dinge" zu führen. Das dient der ressourcenorientierte Biographiearbeit zur aktuellen und präventiven Förderung positiven emotionalen Erlebens und eines an die Erkrankung angepassten Selbstkonzepts. Andere Gespräche wollen die Fortführung von externen Gedächtnishilfe, Biographiearbeit und Wochenstruktur anregen sowie eine Handlungsplan für eventuelle Krisen aufstellen.

Die positiven Effekte dieser Verhaltenstherapie - so die Hypothese Wissenschaftler - sind auch noch sechs Monate nach dem Abschluss der Intervention nachweisbar.

mhz